Schneeschuhwanderung Wildspitz (1580m)

Schneeschuhwanderung Wildspitz (1580m)

schwer | 6:25 h | 14 km | ↑ 851 Hm ↓ 895 Hm

Konditionell anspruchsvolle Schneeschuhwanderung auf den höchsten Gipfel des Kantons Zug, dem Wildspitz. Der Gipfel, der genau zwischen den Kantonen Zug und Schwyz liegt, muss bei einem Aufstieg von über 800 Höhenmetern aber verdient werden. Unterwegs kann ein Zwischenstopp am Berggasthaus Halsenegg eingelegt werden. Am Gipfel des Wildspitz wartet der Berggasthof Wildspitz auf hungrige Gäste und bietet sogar Platz für 24 Übernachtungsgäste. Für den Abstieg wähle ich die herrlich romantische Route durch den Wald nach Unteraegeri. Eine wunderschöne Tour, die zwar streng und lang ist, aber mit tollen Weitblicken auftrumpft.

schneeschuhwanderung_wildspitz_
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Wir wollten die Schneeschuhtour bereits vor einigen Jahren mal mit unseren Kindern unternehmen, sind damals aber nur bis zur Halsegg mit ihnen gekommen. Im Nachhinein betrachtet, war die damalige Entscheidung, hier umzudrehen und mit dem Tellerschlitten runterzufahren, goldrichtig. Die Tour zum Wildspitz hat es nämlich in sich und hätte die Ausdauer und Geduld unserer Kinder wohl auf die Zerreissprobe gestellt. Ich bin heute alleine unterwegs und mit einem sehr frühen Zug aus Zürich angereist. Der Grund ist, dass diese Tour wohl ewig dauern kann, wenn nicht gespurt ist und ich am Nachmittag auch rechtzeitig für ein Arbeitsmeeting zuhause sein muss. Während die Sonne hinter dem Skigebiet von Sattel-Hochstuckli so langsam aufgeht, laufe ich am Bahnhof in Sattel-Aegeri los und folge erstmal der Strasse. Bald schon zweigen die Wegweiser links ab und führen mich durch die letzten Ausläufer des Dorfs. Hier beginnt heute dann auch der Schnee und ich lege die Schneeschuhe an.

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Anfangs führt der Weg über mehrere Treppenstufen, doch schon bald habe ich einen breiten Wanderweg erreicht. Dieser ist leicht zu erkennen und mit leichter Steigung führt er am Hang entlang. An einer Scheune werde ich von einem Einheimischen begrüsst, der mir aufmunternd zuruft, dass noch nicht gespurt sei. Meine Hoffnung schwindet, aber immerhin sehe ich Fussspuren vor mir, die den Berg hinaufführen.

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Ich folge diesen (hach, es ist so herrlich einfach, in den Fussspuren des Vorgängers zu laufen) und erreiche einen wunderschönen Wald. Der Weg schlängelt sich hier rechts vom Bach entlang, bis dieser überquert wird und nach einem letzten steilen Stück auf eine weitere breite Strasse führt. Hier kommt mir die Besitzerin der Spuren entgegen, die kurz vorher aufgegeben hatte und gerade umkehrte. Ja – ohne Schneeschuhe wird das heute wohl nichts hier werden. Ab hier bin ich heute daher die erste und der Schnee liegt herrlich unberührt vor mir.

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Nach einem kurzen Stück im jüngfräulichen Schnee erreiche ich eine herrlich gelegene Hütte mit perfektem Panoramablick und zugeschneiter Terrasse. Dies wäre ein wunderbarer Platz für eine erste Pause, aber ich habe ja noch so einiges vor mir und laufe daher lieber erstmal weiter.

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Obwohl heute sonniges Wetter vorhergesagt ist, folgt nun ein Aufstieg im Nebel. Das folgende Stück hat es so richtig in sich. Mit unseren Kindern haben wir damals einen anderen Aufstieg gewählt, der sich nicht so steil angefühlt hat, wie das nun folgende Stück. Nachdem ich der Strasse fast bis zum Ende gefolgt bin, zweige ich rechts ab und es folgt ein brutal steiler Aufstieg. Es ist unglaublich mühsam hier zu spuren, da ich bei jedem Schritt trotz der Schneeschuhe fast 50 cm einsinke. Obwohl ich mich eigentlich als recht fit einstufen würde, kann hier hier ca. 20 Schritte am Stück zurücklegen, bevor ich erstmal verschnaufen muss. Mein Herzschlag erreicht schon fast das Maximum und mein Teufelchen auf der linken Schulter redet mir ein, wie viel einfacher doch ein Umkehren hier wäre. Das kommt für mich aber nicht in Frage und so kämpfe ich mich weiterhin den steilen Berg hinauf. Ich kann mich gar nicht erinnern, wie wir das Stück damals mit unseren Kindern geschafft haben, ohne dass sie aufgegeben haben. Es lag damals nicht die gleiche Menge Schnee und es war schon gespurt, aber im Nachhinein bin ich doppelt stolz auf sie, dass sie durchgehalten haben.

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Heute kann ich mir selbst auf die Schulter klopfen, als ich endlich das Gasthaus Halsegg erreicht habe und ich lege erstmal eine kurze Teepause ein. Bei unserem letzten Besuch war geöffnet und im Sonnenschein sassen viele Gäste auf der Terrasse. Heute liegt es einsam und verlassen da und ich fühle mich ein wenig wie am Ende der Welt.

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Ein Blick auf das Höhenprofil zeigt mir, dass ich hier den Grossteil der Höhenmeter absolviert habe und es jetzt viel flacher weitergehen soll. Der Wildspitz ist mit 50 Minuten angeschrieben, aber mit den Schneeverhältnissen werde ich wohl 2 Stunden benötigen. Kurz oberhalb des Berggasthauses hängt eine riesige Glocke mit zwischen 2 Tannen – ein Prachtexemplar! Der Weg führt ab hier durch einen romantischen Wald mit leichter Steigung. Um ein Felsmassiv zu umrunden, verläuft der Weg in einer Linkskurve und quert dann auf der anderen Seite unterhalb des Felsens.

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Kurz dahinter folgt das für mich unangenehmste Stück des Tages. Ich muss einen leicht lawinengefährdeten Hang queren und durch den aufziehenden Nebel sehe ich fast nichts. So folge ich dem Track auf meiner App und habe dieses unangenehme Stück nach ungefähr 5 Minuten geschafft. Bei sonnigem Wetter hätte das hier bestimmt ganz anders ausgesehen. Ich erreiche einen ersten Zwischengipfel mit einem zugeschneiten Grenzstein und einer toll gelegenen Hütte mit Grillstelle.

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Ich muss unbedingt im Sommer noch einmal hierherkommen und eine Pause bei der Grillhütte einlegen! Der Blick auf den Mythen und Sattel-Hochstuckli ist sicherlich grandios. Heute sind die Berge immer wieder von Wolken umgeben, so dass ich nur ab und zu einen Blick auf die Bergwelt erhaschen kann.

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Der nun folgende Weg durch den komplett unberührten Schnee ist relativ flach und dadurch ziemlich entspannt.  Zum ersten Mal am heutigen Tag kann ich die Tour in vollen Zügen geniessen und ich werde sogar mit blauem Himmel verwöhnt.

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Schon kurz darauf kann ich den Wildspitz in der Ferne erkennen. Es geht kurz bergab und dann auf einem gespurten Winterwanderweg die letzten verbleibenden Höhenmeter zum Gipfel hinauf.

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Es ist bitterkalt hier oben und immer wieder ziehen Wolken auf. Ich halte es nur kurz beim Gipfelkreuz auf und verziehe mich dann für mein Mittagessen in den Windschatten des Bergasthauses Wildspitz. Dies hat am Montag und Dienstag Ruhetag, so dass ich ganz alleine auf der Terrasse sitze. An jedem anderen Tag hätte ich mich über eine Mittagspause im Warmen freuen können.

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Nach einer kurzen Mittagspause zieht es mich weiter. Ich habe bereits vorher gesehen, dass der Abstieg hinterm Haus gespurt ist und mir kam auch gerade ein Winterwanderer entgegen. So wage ich den Abstieg nach Unteraegeri ohne ein weiteres Mal spuren zu müssen.

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Die Stimmung im Wald beim Abstieg ist wahrhaft magisch und die Sonne beleuchtet die tiefverschneite Bergwelt. An einer kleinen Kreuzung wähle ich den linken Weg (der rechte nennt sich Leiterweg und es muss unter anderem eine 10 Meter lange Leiter überwunden werden) und hebe mir den Leiterweg für einen schneefreien Tag auf. Ich habe nämlich schon auf dem Gipfel beschlossen, dass ich unbedingt mal im Sommer oder Herbst wiederkommen muss. Es ist mir ein Rätsel, wieso ich es in den letzten 20 Jahren noch nie auf den Wildspitz geschafft habe.

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Der Weg verläuft ab hier unschwierig und schlängelt sich durch den Wald. Ich bin extrem froh, dass hier schon gespurt ist, da der Wanderweg im Winter nicht zu erkennen ist und auch die Wegmarkierungen nur spärlich gesetzt sind. Ich komme an einer weiteren Waldhütte vorbei und steige von dort durch den Wald nach Unteraegeri ab. Das letzte Stück verläuft fast eine halbe Stunde neben der Strasse – da muss man bei dieser Wanderung leider durch, bis man die nächste Bushaltestelle erreicht hat. Von hier bringt mich das Postauto zum Bahnhof Zug.

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Bist Du an weiteren Schneeschuhtouren interessiert? Ich habe eine Liste der schönsten Schneeschuhwanderungen in der Umgebung von Zürich zusammengestellt.

ECKDATEN

Dauer6 Stunden
Höhenunterschied↗ 851m ↘ 895m
Schwierigkeittechnisch einfach, aber konditionell anspruchsvoll, WT2
Länge14 km
LageKanton Zug
Genaue RouteSattel-Aegeri – Halsegg – Wildspitze – Unteraegeri
Tour durchgeführt imNovember 2023
Geeignet für KinderKinder, die bereits Erfahrung mit Schneeschuhwandern haben und die die notwendige Ausdauer für den Aufstieg haben, werden sicherlich Spass an der Tour haben. Mit Kindern am besten Tour abkürzen.
Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der SchweizDas grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz

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