Wanderung mit Kindern zur SAC Glattalphütte

Wanderung mit Kindern zur SAC Glattalphütte

Abwechslungsreiche Wanderung mit Übernachtung von der Talstation Sahli im Muotathal über den Viehtriebweg hoch zur Glattalp. Dort thront die neu renovierte Glattalphütte auf knapp 1900 Meter inmitten der Glarner Alpen. 

Für unsere diesjährige Familienwanderung habe ich die Glattalphütte in den Glarner Alpen ausgesucht. Ich muss nämlich endlich „meinen“ Stuhl besuchen. Die Hütte wurde im letzten Jahr (2020) renoviert und mit Crowdfunding finanziert. Und meine finanzielle Beteiligung brachte mir einen signierten Stuhl ein. 

Die Anreise mit den Öffentlichen gestaltet sich heute als etwas problematisch, da der Zug in Zürich Verspätung hat. Somit verpassen wir das Postauto im Muotathal, welches alle 3 Stunden fährt. Wir entscheiden uns, das erste Stück des Weges entlang der Straße zu laufen und unterwegs zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Nach einer Mittagspause an der Muotta versuchen wir unser Glück per Anhalter. Ein Auto nach dem nächsten rauscht an uns vorbei, teilweise nett winkend, teilweise uns komplett ignorierend. Auch ein Winken beim uns entgegenkommenden Postauto bewirkt keinerlei Reaktion bei der Fahrerin. 

wanderung glattalphütte
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Doch dann endlich hält das erste Auto an und 3 von unserer 14-köpfigen Gruppe dürfen per Anhalter weiterfahren. Der Rest der Gruppe wandern gemütlich weiter ins Tal bis auch wir Glück haben und von einem einheimischen Gipser in seinem Kastenwagen mitgenommen werden. Tatsächlich passen alle 11 von uns ins Auto und wir erleben den für viele besten Teil des Wochenendes! 

An der Talstation Sahli entscheidet sich ein Teil der Gruppe den Aufstieg mit der Seilbahn zu erleichtern und auch einen Großteil des Gepäcks mitzunehmen. Oben angekommen sind es dann noch ca. 5 Minuten zur Hütte, so dass man die Hütte auch sehr gut mit kleineren Kindern besuchen kann und dann oben einen kleine Wanderung unternimmt. 

Der Großteil der Gruppe entscheidet sich jedoch für den Aufstieg der beim heutigen vorwiegend bewölkten Wetter anfänglich auch gar nicht schweisstreibend ist. Mehrheitlich verläuft die Tour nämlich auf Wegen, welche der Sonne komplett ausgesetzt sind und auf denen ist dann schnell heiß werden kann. 

wanderung glattalphütte
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Der Viehtriebweg ist perfekt angelegt und geht stetig ansteigend hinein in den Talkessel. Der anfänglich breite Weg wird langsam schmaler und steiniger, ist jedoch immer einfach zu laufen und nie ausgesetzt. Wir erreichen ein Viehgatter und gelangen direkt nach diesem in eine komplett andere Welt. Es sieht aus, als ob die Götter hier mit Steinen um sich geworfen haben und diese nun überall in der Gegend rumliegen. 

wanderung glattalphütte
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Eine große Schafherde hat sich den wohl idyllischsten Platz an einer Grillstelle ausgesucht, welche sich perfekt für einen Zwischenhalt eignet. 

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Immer weiter geht es über Karstfelder in eine Landschaft, welche ich so bisher noch nicht in der Schweiz gesehen habe. Wir kommen an einem kleinen Bergsee vorbei während am Hang die Schafe wie beim Abtrieb in Reih und Glied einen kleinen Weg entlanglaufen. Wir sehen künstlichen in den Fels gesprengte Anlagen (Bunkereingänge?) und ein allein stehendes Haus ganz in der Nähe eines Gipfelkreuzes. 

wanderung glattalphütte
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Nach knapp 2 Stunden haben wir die Hochebene erreicht und sind erstaunt über die wirklich sehr hoch angebrachten Wegweiser. Wir können uns kaum vorstellen, dass wir hier am kältesten Ort der Schweiz sind. Im Winter sollen hier bis zu 5 Meter Schnee liegen und es wurden Temperaturen von -41.4 Grad gemessen. 

Nach einem letzten Steilstück erreichen wir die neu renovierte Hütte, welche sowohl von außen als auch von innen ein Schmuckstück geworden ist. 

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Und natürlich entdecke ich auch „meinen“ Stuhl, auf welchem ich den Rest des Tages sitzen werde! 

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Die Schlafräume sind sehr modern und großzügig eingerichetet und es gibt sogar Steckdosen fürs Handy-Aufladen direkt in den Zimmern. Auch das Essen schmeckt uns allen wunderbar und wir fühlen uns pudelwohl in der gemütlichen Hütte. 

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Einige wagen von uns noch einen Abstecher zur Kapelle, welche ein paar Minuten von der Hütte entfernt liegt – jedoch treibt uns der immer stärker werdende Regen schnell wieder zurück ins Warme. 

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Am nächsten Morgen erwartet uns ein tolles Hüttenfrühstück (mit selbstgemachtem Zopf und Nutella!) und gestärkt starten wir in Richtung Gumen. Die Tour am 2. Tag ist mit 3:40h angeschrieben und kann daher gut von etwas älteren, wanderfreudigen Kindern absolviert werden. Knapp 500 Höhenmeter müssen überwunden werden. Der heutige Weg ist mit T3 ausgeschildert, aber es hat nur einige kurze Wegabschnitte, welche diese Schwierigkeit aufweisen. 

Der Nebel hängt auch heute tief in den Bergen, so dass uns der grandiose Blick auf die Glarner Alpen leider verwehrt bleibt. Nach ca. 1 Stunde erreichen wir das privat geführte Charetalp-Hüttli, wo ein Teil der Gruppe sich bei frischer Ziegenmilch und selbstgemachten Eis-Tee aufwärmt. Die Temperaturen sind heute (obwohl es August ist) merklich gegen den Nullpunkt gefallen und alle kramen Handschuhe, Mütze und warme Kleidung hervor. 

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Der Weg führt durch ein eindrückliches Hochmoorfeld, welches das Zuhause von Schafen, Pferden und Ziegen ist. In Erigsmatt legen wir eine kurze Mittagspause ein und stellen uns in den Windschatten der dortigen Hütte. Ein paar Ziegen sind vor Ort im Stall und wir plaudern ein wenig mit dem Alpwirt, der allerdings keinen Platz hat, um uns alle in die warme Stube zu lassen. 

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Von dort folgt der wohl eindrücklichste Teil der Wanderung durch das größte Karstgebiet der Schweiz, welches sind hervorragend durchqueren lässt. Wir passieren skurille Steinformationen, riesige Steinplatten und sogar ein kleines Schneefeld, welches den Winter noch überdauert hat. Der Weg ist auch bei Nässe problemlos zu begehen, erfordert aber etwas Geduld. 

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Beim Bützi erreichen wir den höchsten Punkt der Wanderung und in der Ferne sehen wir sogar Schnee auf den Bergen liegen. Es scheint, als ob der Winter dort bereits Einkehr gehalten hätte. Wir steigen einige Steilstufen ab und der Weg ändert sich nun in ein T3-Stück. Vorsichtig steigen wir immer tiefer und sind von der Landschaft begeistert. 

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An einigen wenigen Stellen ist etwas Trittsicherheit notwendig, jedoch ist der Weg nie ausgesetzt und jederzeit gut mit Kindern machbar. Wir durchqueren ein Pflanzenschutzgebiet, welches von wilden Kräutern und Blumen übersät ist. 

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Das letzte Stück zum Berggasthaus Gumen verläuft auf einem flachen Höhenweg, welcher sich am Hang entlangschlängelt. Dort angekommen wärmen wir uns auf, trocknen unsere Kleidung und nehmen anschließend die Gumen-Sesselbahn in Richtung Tal. Bei schönem Wetter wimmelt es hier von Murmeltieren, welche man von der Sesselbahn aus beobachten kann. Von dort ist es ein 10-minütiger Marsch zur Standseilbahn Braunwald, welche uns zur S-Bahn runterbringt. 

ECKDATEN

DauerTag 1: Talstation – Glattalphütte 2:00
Tag 2: Glattalphütte – Gumen 4:00
LängeTag 1: 4.7 km
Tag 2: 11.8 km
HöhenunterschiedTag 1: ↗ 790m ↘ 50m
Tag 2: ↗ 600m ↘ 590m
SchwierigkeitTag 1: einfach, T2
Tag 2: sportlich, T3
LageKanton Schwyz
Genaue RouteTag 1: Saali Talstation – Glattalphütte
Tag 2: Glattalphütte – Furggele – Bützi – Gumen
Tour durchgeführt imAugust 2021
Geeignet für KinderTag 1: Ab ca. 5 Jahren. Wem der Aufstieg zu viele Höhenmeter hat, nimmt die Seilbahn.
Tag 2: Ab 8 Jahren, sofern Ausdauer vorhanden. Weg ist nie schwierig, aber lange Tour, die nicht abgekürzt werden kann.
Geeignet für KinderwagenNein
Geeignet für HundeJa
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