Sardonahütte Wanderung: 2 Tage durch das UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona
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T2
1057m
1057m
07:15
Jun-Okt
21.4km
Unsere 2-Tageswanderung zur SAC Sardonahütte im Kanton St. Gallen führt über abwechslungsreiche Wald- und Alpwege durch das UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona. Nach einem Aufstieg über den Forstweg und die Alp Sardona erreichen wir die Hütte, genießen die Gastfreundschaft des Teams und unternehmen einen Abstecher zum Fuß des Piz Sardona mit türkisblauem Gletschersee. Am zweiten Tag wandern wir über den Höhenweg zurück nach St. Martin, vorbei an beeindruckenden geologischen Formationen, und erleben dabei fantastische Panoramen und einen tollen Blick auf den Gigerwald-Stausee.
Es ist ein klarer Samstagvormittag, als wir in St. Martin ankommen. Unsere Gruppe trifft sich hier jedes Jahr zu einer gemeinsamen Wanderung, eine kleine Tradition, die uns verbindet. Viele von ihnen haben Kinder, die uns jedes Jahr begleitet haben. Mittlerweile sind aus den Kindern Teenager und junge Erwachsene geworden, so dass dieses Jahr fast nur Eltern dabei waren. Dieses Mal haben wir uns die SAC Sardonahütte im Calfeisental vorgenommen – ein Ziel mitten im UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona.
Die Autos stellen wir am Staudamm ab. Praktisch: hier gibt es kostenlose Parkplätze. Nur die Fahrzeiten der Schranke muss man im Blick behalten, damit man nicht plötzlich feststeckt. Wir schultern die Rucksäcke, schnüren die Schuhe und machen uns auf den Weg. Am Parkplatz achte ich nicht so richtig auf den Wanderweg und so folgen wir den Wegweisern, die zur Sardonahütte zeigen. So landen wir auf dem Forstweg, dem wir die nächste Stunde folgen. Geplant war eigentlich der Wanderweg links vom Bach, der vermutlich attraktiver ist. Beide Wege treffen sich bei der Alp Sardona. Der eigentliche Wanderweg startet direkt am Ende vom Parkplatz und nicht bei der Walsersiedlung St. Martin.
Tag 1 – Von St. Martin zur Sardonahütte
Der Weg startet gemütlich. Ein breiter Forstweg zieht sich durch den Wald, begleitet vom Rauschen des Baches, der sich über Steine und kleine Kaskaden talwärts bewegt. Links und rechts stehen mächtige Fichten, ihr Duft vermischt sich mit dem kühlen Morgenwind.
Unsere Gruppe verteilt sich über den Weg. Manche laufen vorneweg, andere lassen es ruhiger angehen. Unterwegs bleibt immer Zeit für Gespräche, kleine Pausen und den einen oder anderen Blick zurück ins Tal. Unterwegs legen wir unsere Mittagspause ein und verspeisen im Schatten einer Fichte unsere mitgebrachtes Sandwich.
Nach gut zwei Stunden erreichen wir die Alp Sardona. Hier öffnet sich die Landschaft, die Bäume weichen offenen Wiesen. Kühe grasen in der Sonne, Glocken klingen hell und gleichmäßig über die Hänge. Schon hier spürt man die Größe der Tektonikarena Sardona. Die Gipfel erheben sich wie Wächter über dem Tal, und man kann die berühmte „magische Linie“ sehen, die Geologen aus aller Welt anzieht: eine horizontale Schichtgrenze, die alte Gesteine über jüngere schiebt – ein offenes Geschichtsbuch der Erdgeschichte.
Die Tektonikarena Sardona – Geologie zum Anfassen
Die Tektonikarena ist seit 2008 UNESCO-Weltnaturerbe. Hier kann man wie an kaum einem anderen Ort die Dynamik der Alpenbildung sehen. Vor rund 250–300 Millionen Jahren wurden ältere Gesteinsschichten – das rötliche Verrucano – durch tektonische Kräfte über jüngere Kalkschichten geschoben, die nur etwa 35–50 Millionen Jahre alt sind.
Normalerweise liegt das junge Gestein oben, das alte unten. Doch hier ist es umgekehrt: die alten Gesteine ruhen über den jüngeren, sichtbar als klare Linie, die sich kilometerweit über die Berghänge zieht.
Für Geologen ist das ein Lehrbuch unter freiem Himmel. Für uns Wanderer ist es vor allem ein atemberaubendes Panorama: gewaltige Felswände, Schicht auf Schicht, Farben von hellgrau bis rötlichbraun, alles gezeichnet vom Lauf der Zeit.
Der Weg zur Hütte
Hinter der Alp Sardona endet der breite Weg. Ein schmaler Pfad führt bergauf, zunächst entlang der Tamina, dann über Wiesenhänge. Die Vegetation verändert sich: Alpenrosen leuchten in kräftigem Rot, Murmeltiere pfeifen und verschwinden blitzschnell in ihre Bauten. Wir erreichen einen Wegweiser und können ab hier dem alten Hüttenweg (rechts) oder dem neuen Hüttenweg (links) folgen. Später lesen wir, dass der alte Hüttenweg bei Nässe und Regen nicht genommen werden soll. Immer wieder kommt es in dieser Gegend zu Hangrutschen und einige der Wanderwege sind gesperrt. Informier dich daher am besten bereits im Voraus, welche Wege gesperrt sind. Wir entscheiden uns für den neuen Hüttenweg, der in einem kleinen Bogen zur Hütte führt, welche bereits schon seit der Alp Sardona sichtbar ist.
Mit jedem Schritt wird die Landschaft karger, felsiger, ursprünglicher. Der Pfad ist steil, aber nie gefährlich ausgesetzt. Wir gewinnen rasch an Höhe und werfen immer wieder Blicke zurück ins Tal, wo St. Martin winzig wirkt. Über uns kreist ein Adler, als wolle er unsere kleine Karawane beobachten.
Nach etwa drei Stunden erreichen wir die Sardonahütte auf 2.158 m. Sie liegt auf einem Felssporn, eingebettet in die mächtige Bergwelt. Sie ist eine gemütliche, mit Holzschindeln verkleidete Sommerhütte – diese Verkleidung ist wohl einzigartig bei den SAC-Hütten und macht sie dadurch zu einem sehr besonderen Bau.
Die Sardonahütte SAC wurde 1898 von der SAC-Sektion St. Gallen errichtet und nach dem benachbarten Piz Sardona benannt. Über die folgenden Jahrzehnte wurde die Hütte mehrfach renoviert und erweitert, um mehr Schlafplätze zu schaffen und den steigenden Ansprüchen der Wanderer gerecht zu werden. Im Winter 1935 wurde die ursprüngliche Hütte durch die Druckwelle einer Staublawine so stark beschädigt, dass sie abgebrochen und an einem sicheren Standort neu errichtet werden musste. In den Jahren 1950, 1978 und 2005 erfolgten weitere Renovierungen und Erweiterungen, wodurch die Hütte heute 43 Personen im Matratzenlager aufnehmen kann und zudem über einen Winterraum mit 18 Schlafplätzen verfügt.
So erscheint die Hütte von vorne doch eher klein, aber wenn man ums Gebäude herum geht, erkennt man die Erweiterungen der Hütte. Im Inneren finden wir helles Holz, moderne Zimmer und sogar Toiletten mit Spülung vor.
Hier kannst du die Route vom Gigerwaldsee zur Sardonahütte im Detail sehen und dir auch den gpx-Track runterladen.
Ein Abstecher Richtung Piz Sardona
Bevor wir endgültig in den Hüttenmodus wechseln, machen wir noch einen spontanen Abstecher. Der Hüttenwart empfiehlt uns, dem blau-weiß markierten Alpinwanderweg Richtung Piz Sardona zu folgen.
Einige von uns nehmen die Herausforderung an. Der Pfad beginnt gleich oberhalb der Hütte und steigt steil an. Schon bald wird klar: es ist ein ernstzunehmender Weg, aber gut machbar. Eine Stelle ist mit einer Kette gesichert, ansonsten verlangt der Anstieg lediglich Trittsicherheit.
Nach etwa einer Stunde erreichen wir ein kleines Plateau am Fuß des Piz Sardona. Hier stehen zahlreiche Steinmännchen, die Wanderer über Jahre aufgetürmt haben. Der Blick ist fantastisch – weit hinein in die Tektonikarena, über Geröllfelder und Felswände, die von den Kräften der Erde geformt wurden.
Auffällig ist allerdings, wie wenig Gletscher noch übrig sind. Früher bedeckte Eis und Firn große Teile der Flanken, heute liegen nur noch vereinzelte Reste zwischen den Felsen. Der Klimawandel zeigt sich hier gnadenlos.
Etwas oberhalb entdecken wir ein verborgenes Juwel: einen türkisblauen Gletschersee, sehr klein, aber intensiv in seiner Farbe. Das Wasser leuchtet wie ein Edelstein in der Sonne und bietet einen faszinierenden Kontrast zum grauen Gestein ringsum.
Wir verweilen eine Weile, machen Fotos, genießen die Stille – dann steigen wir wieder zur Hütte ab, wo uns die anderen bereits erwarten. Diese Kurzwanderung ist für mich das absolute Highlight des Tages und sehr empfehlenswert, wenn du nach dem Aufstieg zur Hütte noch etwas Energie übrig hast!
Der Weg beginnt direkt hinter der Hütte – wenn du unsicher bist, geh am besten auf den Hüttenwart zu, damit er dir den Weg zeigen kann.
Tag 2 – Sonnenaufgang inklusive
Am Sonntagmorgen wache ich bereits früh auf und stehe um 6:15 Uhr auf. Während die anderen noch schlafen, schleiche ich hinaus. Die Luft ist kalt, das Licht sanft. Am Horizont färbt sich ein Streifen orange, und langsam steigt die Sonne über die Gipfel.
Die Felsen beginnen zu glühen, die Landschaft erwacht. Ich stehe still, allein mit diesem Schauspiel, und spüre, wie die Zeit für einen Moment stillsteht. Der Sonnenaufgang hier oben ist ein Erlebnis, das bleibt.
Zurück in der Hütte wartet das Frühstück: frisches Brot, Marmelade, Käse, Kaffee und Tee. Bald füllt sich die Stube, Rucksäcke werden gepackt, Schuhe geschnürt – wir machen uns auf den Rückweg.
Auf dem Höhenweg nach St. Martin
Anstatt denselben Weg zurückzugehen, wählen wir den Höhenweg. Dies war eine weitere Empfehlung vom Hüttenwart, der mittlerweile seit 29 Jahren mit seiner Frau und Familie die Hütte bewartet und sich dadurch bestens in der Region auskennt. Wir verabschieden uns vom Hüttenteam, welches sich bestens um uns gekümmert hat und mit einer grossen Ruhe und Gelassenheit die Hütte schmeisst!
Der Weg führt entlang des Hangs, mit spektakulären Ausblicken ins Tal. Links die steilen Felswände, rechts der tiefe Abgrund, aber der Weg bleibt immer gut begehbar. Kurz hinter der Hütte zweigt der Weg ab und wir folgen dem Wegweiser zur Alp Sardona. Bald schon stellen wir fest, dass dies nicht der Höhenweg ist, sonder der Abstieg ins Tal und kehren um, um dieses Mal die richtige Abzweigung (Richtung Elm) zu nehmen. Ja, es lohnt sich bei Abzweigungen immer wieder mal auf den gpx-Track zu schauen.
Die Sonne steht hoch, die Sicht ist klar. Wir sehen weit über die Tektonikarena hinaus, hinein ins Glarnerland und bis zu den entfernten Gipfeln. Unterwegs blühen Enzian und Alpenanemonen, Murmeltiere pfeifen und verschwinden blitzschnell in ihre Bauten.
Der Weg fordert Aufmerksamkeit, ist aber abwechslungsreich und spannend. Immer wieder bleiben wir stehen, um Fotos zu machen oder einfach nur die Aussicht zu genießen. Besonders beeindruckend ist, wie klar die geologische „Linie“ sichtbar ist, die alte über jüngere Gesteine legt – ein Naturphänomen, das selbst Laien ins Staunen versetzt.
Wir erreichen den Abzweig in Richtung Elm – ein kurzer Aufstieg zum Heubützlipass lohnt sich, um mal auf die andere Seite zu schauen. Von hier führt der Weg zur Batöni Wasserfallarena – eine Traumwanderung, die ich jedem empfehle würde, der genügend Ausdauer für 6:30 Stunden hat. Ich habe die Wanderung zu den Wasserfällen bereits mit meinem Sohn ab Weisstannen gemacht und du kannst dir Eindrücke davon hier anschauen.
Kurz hinterm Abzweig zum Heubützlipass erreichen wir den türkis schimmernden Plattenseeli – der perfekte Ort für eine Erfrischung oder eine längere Pause. Wagemutige können also ihre Badesachen mitnehmen!
Ab dem See führt der Weg dann mehr oder weniger steil bergab – der Gigerwald-Stausee ist bereits in der Ferne zu erkennen und somit ist das heutige Ziel bereits vor Augen. Bald schon erreichen wir die Forststrasse vom Vortag und laufen entlang dieser für die letzte halbe Stunde.
Die Wanderung endet in St. Martin, durch welches ich noch ein wenig schlendere, bevor es zum Parkplatz zurückgeht. Das Walserdorf St. Martin liegt malerisch am Eingang des Calfeisentals im Kanton St. Gallen und ist ein typisches Beispiel einer traditionellen Walser-Siedlung. Gegründet von den Walsern, zeichnet sich das Dorf durch charakteristische Holzhäuser, enge Gassen und eine traditionelle Bauweise aus, die den strengen alpinen Winterbedingungen trotzt. Wer durch St. Martin schlendert, spürt noch heute die Geschichte und Kultur der Walser, die diese Region seit Jahrhunderten prägen. Trotz seiner Abgeschiedenheit bietet das Dorf eine einladende Atmosphäre mit Gasthäusern und kleinen Cafés, die Wanderer willkommen heißen. Heute am Sonntag wimmelt das Dorf von Tagesbesuchern, Motorradfahrern und auch Wanderern.
Eine 2-Tages-Tour mit Übernachtung in der Sardonahütte ist vor allem auch mit jüngeren Kindern und Wanderanfängern empfehlenswert, die das erste Mal einer SAC-Hütte übernachten möchten. Es gibt zahlreiche Varianten sowohl für den Aufstieg als auch den Abstieg, so dass du die Tour ganz nach deinen Vorlieben gestalten kannst. Auch wenn der Aufstieg mit 900 Höhenmetern anfänglich viel erscheint, verteilt sich die Steigung relativ gut während der gesamten Wanderung und es wird nur kurz am Ende etwas steiler.
ECKDATEN
| Dauer | 3:35 Stunden |
| Länge | 7.9 km |
| Höhenunterschied | ↗ 900m ↘ 94m |
| Schwierigkeit | T2 |
| Lage | Kanton St. Gallen |
| Tour durchgeführt im | August 2025 |
| Geeignet für Kinder | Mit Übernachtung bereits für wanderfreudige Kinder ab 6 Jahren geeignet. Weg nie schwierig oder ausgesetzt. |
| Genaue Route | St. Martin Gigerwaldsee – Alp Sardoa – Sardonahütte |
| Geeignet für Kinderwagen | Nein |
| Geeignet für Hunde | Ja |
| Buchempfehlung | Erlebnisreiche SAC-Hütten: Bergabenteuer für Familien |
Falls du eine weite Anreise hast und am Vortag bereits in der Gegend übernachten möchtest, schau dir am besten Bad Ragaz an. Dort hat es eine Vielfalt an Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem kann ich dir die Wanderung zur Taminaschlucht sehr empfehlen, die du auch als Halbtagestour einplanen kannst.