Alpenpässenweg: Etappe 6 Splügen – Thalkirch

Alpenpässenweg: Etappe 6 Splügen – Thalkirch

trekking

T2

1045m

805m

05:40

Jul-Okt

14.7km

Wir sind auf einer dreitägigen Wanderung unterwegs, und diese erste Etappe soll gleich ein Höhepunkt werden: von Splügen über den Safierberg hinunter ins wilde Safiental. Der Alpenpässe-Weg gilt als eine der schönsten, aber auch forderndsten Weitwanderrouten der Schweiz – und heute bekommen wir einen Vorgeschmack auf beides. Regen, Wolken und ein stürmischer Passübergang begleiten uns, aber genau das macht die Tour unvergesslich.

Bereits im Vorjahr war ich mit einer Freundin auf einer 4-tägigen Tour entlang des Alpenpässewegs unterwegs – damals im Wallis. Dieses Jahr soll es nun in Graubünden weitergehen. Die ursprünglich geplanten 4 Tage müssen wir spontan auf 3 Tage verkürzen – am ersten Wandertag sind starke Regenfälle und potentielle Erdrutsche vorhergesagt, so dass wir erst einen Tag später anreisen. Bei der von uns gewählten 4-Tages-Tour ist das auch problemlos möglich, da wir immer im Tal übernachten werden und jede Etappe daher mit den Öffentlichen zu erreichen ist. 

[Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Surselva Tourismus und Graubünden Ferien]
 
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Start in Splügen (1457m)  – ein Dorf mit Geschichte

Der kleine Ort Splügen wirkt am frühen Morgen noch verschlafen. Kopfsteinpflaster, alte Walserhäuser und ein Hauch von Geschichte – man spürt, dass hier seit Jahrhunderten Reisende den Weg über die Alpen suchen. Das Dorf liegt an einem wichtigen historischen Übergang: über den Splügenpass führte schon im Mittelalter eine Handelsroute nach Italien. Seit dem 13. Jahrhundert leben Walser in Splügen. Durch den Saumhandel entstanden wohlhabende Familien und prächtige Steinhäuser. Mit der Gotthardbahn im 19. Jahrhundert verlor der Pass jedoch an Bedeutung, und viele Bewohner wanderten aus.

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Wir erreichen das Dorf mit dem Postauto, welches in Chur gestartet ist und uns bereits während der Fahrt durch wunderschöne Landschaften kutschiert hat. So wird bereits die Anreise zu einem Erlebnis! 

Nach unserer Ankunft besuchen wir den lokalen Supermarkt für einen kleinen Snack und eine kleine Bäckerei für einen Kaffee. Wir starten im Nieselregen, die Dächer glänzen feucht, und die Gassen sind leer. Nur das Rauschen des Hinterrheins begleitet uns, bevor wir das Dorf hinter uns lassen und auf den Weg Richtung Safierberg einschwenken.

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Aufstieg in die Stille

Nachdem wir die letzten engen Gassen des Dorfes hinter uns gelassen haben, beginnt der erste Abschnitt direkt hinterm Dorf. Der Weg beginnt gleich sehr steil, unser Puls schlägt schneller und wir müssen bereits die erste Kleidungsschicht ablegen. Immer wieder drehen wir uns um und sehen Splügen kleiner werden – ein Postkartendorf, eingerahmt von hohen Bergen, deren Spitzen im Grau verschwinden.

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Der Weg zieht sich durch Wiesen, vorbei an vereinzelten Ställen und Alphütten. Kühe stehen träge im Regen, das Glockengeläut hallt durch das Tal. Trotz des Wetters hat der Aufstieg etwas Meditatives: Schritt für Schritt, immer weiter hinauf, begleitet vom gleichmäßigen Tropfen des Regens auf die Kapuze. Wir passieren eine eingezäunte Schafsherde, welche aufmerksam von mehreren nervösen Herdenschutzhunden bewacht wird, die uns nicht aus den Augen lassen und ausgiebig anbellen. 

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Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation spärlicher. Aus saftigem Grün wird karger Almboden, durchsetzt mit Felsen. Nur noch kleine Alpenblumen trotzen dem rauen Wetter: gelber Enzian, Alpenrosen, vereinzelt ein Edelweiß. Der Weg führt entlang eines kleinen Flüsschens, welches nach den Regenfällen des Vortags eifrig vor sich hin plätschert. Noch viel beeindruckender sind jedoch die unzähligen Wasserfälle, die nach den gestrigen starken Regenfällen deutlich mehr Wasser führen und kräftiger rauschen als gewöhnlich. Das zusätzliche Volumen lässt sie breiter wirken und feine Gischt legt sich in die Umgebung.

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Am Safierberg (2486 m) – Wind und Wolken

Nach rund 1000 Höhenmetern und drei Stunden Aufstieg erreichen wir schließlich den Safierberg, den Übergang ins Safiental. Hier oben auf 2486 m ist die Landschaft rau und ungeschminkt: graues Geröll, vereinzelte Schneefelder selbst im Spätsommer, und ein Wind, der uns fast von den Beinen weht. Die Wolken jagen über den Grat, mal versperren sie die Sicht völlig, dann geben sie für wenige Sekunden den Blick auf die umliegenden Gipfel frei. 

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Der Blick von hier aufs Safiental ist wirklich atemberaubend und für mich eines der Highlights des heutigen Tages! Heute ist es kein Ort zum langen Verweilen, und doch spürt man die Faszination dieser Wildnis. Man fühlt sich klein und verletzlich, aber gleichzeitig lebendig. Keine Straße, kein Dorf in Sicht – nur Berge, Geröll und das Gefühl, weit weg von der Welt zu sein. Wir ziehen die Jacken enger und machen uns an den Abstieg, froh über jeden Schritt, der uns dem Schutz des Tals näherbringt.

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Abstieg ins Safiental

Der Abstieg fordert volle Konzentration. Nasse Steine und rutschiger Boden lassen uns langsamer werden, die Knie brennen, und wir merken, dass wir schon viele Stunden unterwegs sind. Doch je weiter wir hinunterkommen, desto freundlicher wird die Landschaft. Aus Geröllfeldern werden wieder Wiesen, erste Sträucher und Lärchen tauchen auf. 

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Das Safiental – Abgeschiedenheit pur

Das Safiental gehört zum Naturpark Beverin und ist eines der ursprünglichsten Täler Graubündens. Kein großer Touristenstrom, keine Skigebiete, keine modernen Bauten – stattdessen traditionelle Walserhäuser, Alpwiesen und viel Stille. Wir befinden uns hier in einem Seitetal der Bündner Surselva. Die Bewohner sind Nachfahren der Walser, die im 13. Jahrhundert hierherkamen und die Bergtäler besiedelten. Ihre Kultur prägt das Tal bis heute: Holzhäuser mit Schindeldächern, eigene Dialekte und eine enge Verbundenheit mit der alpinen Landwirtschaft.

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Gerade diese Abgeschiedenheit macht den Reiz aus. Wer hierher kommt, sucht Ruhe und Ursprünglichkeit. Es gibt nur eine schmale Straße, die sich durchs Tal schlängelt, und das Gefühl, „am Ende der Welt“ angekommen zu sein, stellt sich schnell ein. Gleichzeitig spürt man den Stolz und die Herzlichkeit der Menschen, die dieses Tal bewohnen und bewirtschaften.

Die Natur zeigt sich vielfältig: artenreiche Blumenwiesen, die im Sommer in allen Farben leuchten, dunkle Wälder mit Lärchen und Fichten, und darüber die kargen Gipfel, wo Steinböcke und Gämsen ihre Heimat haben. Wer die Augen offenhält, entdeckt Murmeltiere oder hört ihren schrillen Warnpfiff über die Hänge hallen.

Wir folgen dem Flüsschen Rabiusa und und erreichen eine Art Amphitheater (der Ort wird hier passenderweise auch „Z‘hinderscht“ genannnt). Nach einem weiteren, sehr imposanten Wasserfall passieren wir die ersten Höfe, die wirklich sehr einsam liegen. Wir gelangen zum markanten Ausgleichsbecken der Kraftwerke Zevreila und erreichen das Berggasthaus Turrahus. In Turra endet diese Etappe offiziell. Hier gibt es einen kleinen Hofladen, eine Bushaltestelle und einen Ausstellungsstall. Da wir im Gasslihof übernachten, folgen wir der kleinen Fahrstrasse für weitere 800m, bis wir diesen erreicht haben. 

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Schwierigkeit der Etappe

 Mit knapp 20 Kilometern und rund 1000 Höhenmetern im Aufstieg gehört diese Etappe zu den anspruchsvolleren Touren. Vor allem bei Regen, wie wir ihn hatten, erfordert sie Kondition, Trittsicherheit und gute Ausrüstung. Der lange Abstieg ins Safiental geht in die Beine, und die wechselhaften Wetterbedingungen am Pass können schnell zur Herausforderung werden.  

Doch genau das macht den Reiz aus: Die Kombination aus alpiner Einsamkeit, kulturellen Kleinoden in den Dörfern und der wilden Landschaft macht diese Etappe besonders. Wer hier unterwegs ist, sollte nicht nur Kondition, sondern auch ein Faible für Abenteuer und Unberechenbarkeit mitbringen.

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Ankunft am Gasslihof

Nach einem langen Tag erreichen wir schließlich den Gasslihof, unser Quartier für die Nacht. Der Hof liegt idyllisch, eingebettet in die Hänge des Safientals, mit Blick auf Wiesen und Wälder. Drinnen empfängt uns eine warme, gemütliche Atmosphäre – Holz, einfache, aber liebevoll eingerichtete Zimmer und ein Hauch von bäuerlicher Tradition.

Unser Zimmer überrascht uns: modern ausgebaut, mit einem hellen, neuen Bad, das in starkem Kontrast zur Einfachheit draußen steht. Um ins Zimmer zu gelangen, müssen wir den Kopf einziehen und die Decken des im Jahr 1739 errichteten Walser Bauernhauses hängen tief durch. Im Jahr 2019 sind hier 4 Gästezimmer für insgesamt 12 Gäste errichtet und die alten Holzbalken sichtbar gemacht worden. Nach Stunden im Regen fühlt sich die heiße Dusche wie purer Luxus an. Das Bett ist kuschelig, und die Kombination aus Tradition und Moderne macht das Ganze besonders charmant.

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Ein echtes Highlight ist der kleine Hofladen, in dem Produkte vom eigenen Hof angeboten werden: luftgetrocknetes Fleisch, frische Milchprodukte, Käse, Butter – alles hausgemacht und mit Liebe produziert. Perfekt für eine Wanderverpflegung oder als Genussmoment am Abend.

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Außerdem bietet der Gasslihof eine ganz besondere Übernachtungsmöglichkeit: eine Bubble-Unterkunft im Freien. Eine durchsichtige Kuppel, mitten in der Natur, von der man nachts direkt in den Sternenhimmel schaut. Bei klarer Sicht muss das ein unvergessliches Erlebnis sein – fast wie draußen schlafen, aber doch geschützt und komfortabel.

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Nicht zuletzt sind es die Menschen, die den Gasslihof so besonders machen. Freundlich, herzlich, hilfsbereit – man fühlt sich sofort willkommen. Nach einem langen Wandertag ist es genau die Art von Gastfreundschaft, die man sich wünscht. Zudem wurden wir abends köstlich mit einem 3-Gänge-Menü verköstigt – alles aus regionalen Zutaten und wirklich sehr schmackhaft!

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Fazit

Die sechste Etappe des Alpenpässe-Wegs ist keine leichte Wanderung, vor allem nicht bei schlechtem Wetter. Aber sie ist ein echtes Abenteuer: von der Geschichte in Splügen über die Wildnis am Safierberg bis zur Abgeschiedenheit des Safientals. Wir spüren, dass dieser Weg uns nicht nur körperlich fordert, sondern auch reich beschenkt – mit Eindrücken, Ruhe und einer Nähe zur Natur, die man selten so intensiv erlebt. Besonders hervorzuheben ist die Einsamkeit der Gegend – wir haben keinen anderen Wanderer getroffen und waren komplett alleine unterwegs!

Der Regen, die Wolken, der Wind – all das gehört zu dieser Etappe, macht sie ehrlich und echt. Und am Ende wartet die Wärme des Gasslihofs: moderne Zimmer, herzliche Menschen, köstliche Produkte vom Hof und sogar die Möglichkeit, unter dem Sternenhimmel zu schlafen. Besser könnte eine mehrtägige Wanderung nicht beginnen.

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Möchtest du mehr über die nächsten Etappen lesen? Hier geht es zu den folgenden beiden Tagen: 

Etappe 7 Thalkirch – Duvin

Etappe 8 Vella – Lumbrein

ECKDATEN

Dauer5:40 Stunden
Höhenunterschied↗ 1045 Hm, ↘ 805 Hm
Länge14.7 km
SchwierigkeitT2 (mittel)
LageKanton Graubünden
Genaue RouteSplügen – Safierberg – Thalkirch
Tour durchgeführt imAugust 2025
Geeignet für KinderAb Teenageralter. Die Tour ist technisch nicht schwierig, aber konditionell anstrengend, da eher lang.
BuchempfehlungAlpenpässeweg: Die schönsten Pässe der Schweiz erleben

Falls du eine weite Anreise hast und am Vortag bereits in der Gegend übernachten möchtest oder aber Etappe 5 vom Alpenpässeweg gewandert bist, schau dir am das Hotel Speluca Brauerei und Genusshotel in Splügen an, welches tolle Bewertungen hat. Zudem gibt es in Splügen einen Volg-Supermarkt, wo du dich mit Snacks und Sandwiches eindecken kannst, bevor du die Etappe 6  beginnst. 

Offenlegung: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Survelva Tourismus und Graubünden Tourismus entstanden. Meine Meinung, Ansichten und Tipps bleiben davon unbeeinflusst, der Tourismusverband hat keinerlei Vorgaben zur Berichterstattung gemacht.

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