Lisengrat und Himmelsleiter: Anspruchsvolle Säntis Wanderung in den Appenzeller Alpen
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T3
1267m
1267m
06:40
Jul-Okt
12.9km
Diese Rundtour am Säntis verbindet mehrere der bekanntesten Wegabschnitte im Alpstein: den Lisengrat, den Rotsteinpass, die Meglisalp, den Messmer und die Himmelsleiter. Wir sind mit der Seilbahn auf den Säntis gefahren und später auch wieder ins Tal zurück. Dazwischen lagen rund sieben Stunden Gehzeit, hochsommerliche Temperaturen und eine Strecke, die von ausgesetzten Graten über Bergwiesen bis hin zu markanten Felsstufen alles geboten hat.
Schon lange hatten wir vor, endlich mal den Säntis zu besuchen. Schon oft haben wir den markanten Sendeturm bei klarer Sicht von unserem Hausberg Uetliberg gesehen und immer wieder waren wir im Alpstein zum Wandern unterwegs, aber auf den Säntis hatten wir es nach 20 Jahren in der Schweiz bisher noch nie geschafft. Da der Hochsommer die Schweiz mittlerweile fest im Griff hat und damit auch die letzten hartnäckigen Schneefelder am Säntis geschmolzen sind, packten wir die Gelegenheit, um endlich mal den Säntis zu besuchen. Mehrmals hatte ich bereits vom spannenden Lisengrat gelesen und den zahlreichen Wandermöglichkeiten, die der Säntis bietet. Wenn du dir mal die Wanderkarte anschaust, wirst du sehen, dass es Wege aus allen Himmelsrichtungen auf den Säntis gibt.
So musste ich für unsere Tour nur die richtige Route raussuchen und das war wegen der grossen Auswahl gar nicht so einfach. Inspiriert wurde ich vom Blogartikel von Linda von HikingtheAlps, die eine spannende Tour vorschlug und auch ausführlich beschrieb. Ich fand die Idee ganz charmant, zuerst mit der Bahn hochzufahren und dann erstmal die Höhenmeter abzusteigen, bevor es am Ende vom Tag wieder bergauf ging. Der Vorteil war, dass man früh am Morgen bereits am Lisengrat ist und so dem Besucherdrang ein wenig antizyklisch begegnen kann.
Anreise und Start
Unser Tag beginnt an der Talstation der Säntis-Schwebebahn in Schwägalp. Parkmöglichkeiten sind wirklich reichlich vorhanden und wir sind erstaunt, wie voll der Parkplatz an einem Samstag bereits um 08:30 war. Da die Gondel alle 30 Minuten fährt, lohnt es sich, deine Anfahrt ein wenig danach zu planen, damit du sie nicht gerade verpasst. Beachte für deine Planung, dass die Bahn im Jahr 2026 saniert wird!
Die Fahrt mit der Gondel auf 2502 m ist schon für sich ein Erlebnis. Je höher du kommst, umso mehr öffnet sich das Panorama, das weit über das Appenzellerland, ins Toggenburg und bis zu den Glarner Alpen reicht.
Oben lohnt es sich, ein paar Minuten auf der Plattform zu verbringen und sich erstmal das Alpstein-Gebiet aus dieser Perspektive anzuschauene. Am besten aber nicht zu lange, da deine Bucket List für zukünftige Wanderungen sonst sehr lang werden könnte.
Über den Lisengrat zum Rotsteinpass
Der Einstieg in den Lisengrat ist schnell erreicht. Du steigst erstmal zum Berggasthaus Alter Säntis ab (hier gibt es auch ein günstiges Matratzenlager, welches sich empfiehlt, wenn du mal den Sonnenauf- und – untergang am Gipfel beobachten möchtest). Wir überqueren die sehr gut besuchte Terrasse und laufen entlang eines ersten ausgesetzten, aber gesicherten schmalen Wanderweg zum Einstieg vom Lisengrat.
Der schmale Grat zieht sich spektakulär zwischen felsigen Türmen entlang, immer wieder gesichert mit Stahlseilen. Technisch ist er gut machbar, verlangt aber Trittsicherheit und einen sicheren Blick. Es benötigt kein Klettersteigset, aber wir haben einige mit Bandschlingen, Karabiner und Klettergurt gesehen. Rechts und links fallen die Flanken steil ab, und immer wieder bieten sich kurze Momente, stehen zu bleiben und einfach zu schauen. Obwohl wir gegen 9 Uhr sehr früh gestartet sind, kommen uns bereits zahlreiche Wanderer entgegen. Ob die wohl in der Gegend übernachtet haben oder wirklich bereits aus dem Tal aufgestiegen sind?
Die Wanderung ist durchgängig rot-weiss markiert und hervorragend gesichert. Wir fragen uns, wie diese Bewertung zustande gekommen ist und würden die Tour eher mit T3 bewerten. Sie ist mit etwas Erfahrung aber sehr gut machbar und hat keine Stellen, die sehr schmal oder sehr ausgesetzt sind, so dass du dich hier auch wohlfühlen wirst, wenn du leichte Höhenangst hast.
Ankunft an der Rotsteinpasshütte
Nach ungefähr 1 Stunde erreichen wir die Rotsteinpasshütte, die auf einem kleinen Sattel liegt und einen weiten Blick ins Tal bietet. Auch hier kannst du günstig im Massenlager übernachten oder aber in einem der 3 kleineren Zimmer. Die Hütte eignet sich perfekt für die erste Einkehr. Wir entscheiden uns aber dagegen, da wir noch ein ziemliches Stück vor uns haben und laufen nach einer kurzen Trinkpause weiter in Richtung Meglisalp.
Abstieg zur Meglisalp
Vom Pass führt der Weg leicht und relativ bequem bergab, erst durch karges Schuttgelände, dann über zunehmend grüne Hänge. Auf diesem Wegstück kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen, da man sich nicht stark konzentrieren muss. Bald tauchte die Meglisalp auf – eine Siedlung aus historischen Alpgebäuden, eingebettet in eine offene Mulde, mit Blick hinauf zu den Felswänden des Säntis.
Die Meglisalp liegt auf rund 1.520 Metern Höhe im Alpsteinmassiv im Kanton Appenzell Innerrhoden. Eingebettet in ein grünes Hochtal, ist sie von steilen Felswänden umgeben und nur zu Fuß erreichbar. Die kleine Siedlung besteht aus einem Berggasthaus, einigen Alpbetrieben und der Kapelle Maria zum Schnee, die 1904 erbaut wurde. Im Sommer weiden hier Kühe, und es wird traditionell Käse hergestellt, was der Meglisalp ihren authentischen Charakter verleiht. Wanderer erreichen sie entweder von Wasserauen über den Seealpsee, vom Säntis über den Lisengrat und Rotsteinpass oder von der Ebenalp über den Schäfler. Dank der abgeschiedenen Lage und der eindrucksvollen Kulisse ist die Meglisalp ein beliebter Rast- und Übernachtungsort auf Mehrtagestouren.
Bei meinem ersten Besuch (an einem Freitag im November) war ich fast alleine hier oben und die Alp mit ihrer kleinen Kapelle kam mir wie ein Kraftort vor. Heute ist hier wirklich sehr viel los, das Restauraunt ist gut besucht und vom Kraftort nicht viel zu spüren. Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen für unser Mittagessen, bestellen ein kaltes Getränk und ruhen unsere bereits müden Beine aus.
Aufstieg zur Ageteplatte
Von der Meglisalp aus begann der nächste Anstieg hoch zur Ageteplatte. Der Weg zum Messmer zieht sich in Serpentinen über freie Wiesenhänge, bevor er in felsigeres Gelände übergeht. Auch hier gab es kaum Schatten, und die Wärme stieg zwischen den Felsen noch einmal an.
Oben angekommen, öffnete sich der Blick in mehrere Richtungen: zurück zur Meglisalp, seitlich auf die Felsabbrüche des Säntis und nach vorne auf die letzten Meter unserer Tour. Die Ageteplatte ist kein ausgesprochener Gipfel, aber ein hervorragender Aussichtspunkt – und für uns ein kurzer Moment zum Durchatmen.
Tipp: Wenn du die Tour verkürzen möchtest, kannst du auf direkterem Weg von der Meglisalp zurück zum Säntis laufen. Wenn du mit den Öffentlichen unterwegs bist, kannst du von der Meglisalp auch absteigen.
Es folgt ein überaus spannender T3-Abschnitt (immer noch rot-weiss markiert), um zum Berggasthaus Messmer zu gelangen. Hier ist etwas Vorsicht geboten, aber auch dieser Weg ist hervorragend ausgebaut und gesichert.
Ankunft am Messmer
Das Alpsteingebiet hat eine einzigartige Dichte an Berggasthäusern, so dass wir bereits das nächste erreicht haben. Auch im Berggasthaus Messmer kannst du in kleinen Zimmern oder auch Massenlagern übernachten, um das Alpsteingebiet zu erkunden. Wer möchte, könnte auch hier einkehren oder auch die Wasserflasche auffüllen.
Über die Himmelsleiter zurück zum Säntis
Vom Berggasthaus folgt ein Anstieg von knapp 1000 Höhenmetern, die es deutlich in sich haben. Wir sind bereits ein paar Stunden unterwegs und die Hitze macht uns merklich zu schaffen. Allerdings ist dieser Abschnitt landschaftlich wirklich grandios und lohnenswert! Bald erreichen wir alpines, steiniges Gelände und der Wanderweg verschwindet. Wir folgen nunmehr den Wegmarkierungen, die auf Steinblöcke gepinselt wurden.
Im folgenden Abschnitt befindet sich im Sommer immer noch lange ein Schneefeld. Mittlerweile ist dieses aber abseits des Wanderwegs und für uns kein Hindernis. Wir folgen die nächsten 20 Minuten einem überaus spannenden Abschnitt, der sehr stark an einen Klettersteig erinnert. Wir warten auf eine uns entgegenkommende Gruppe, da man hier nur schwer queren kann.
Der Aufstieg über die Himmelsleiter ist der markanteste Schlussabschnitt der Tour. Steile Stufen, Metalltritte und Geländer führen durch eine Felsscharte hinauf. Technisch ist der Weg einfach, aber die Steigung fordert noch einmal Kraft.
Ausrüstung und Hinweise
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Schuhe: Feste Bergschuhe mit guter Profilsohle. Uns sind zahlreiche Trailrunner mit Trailrunningschuhen entgegengekommen, aber für Wanderer eignen sich Bergschuhe besser.
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Wasser: Mindestens 2 l pro Person bei warmem Wetter. Auffüllmöglichkeiten an der Rotsteinpasshütte, in der Meglisalp und Mesmer.
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Sonnenschutz: Kaum Schatten, Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille unbedingt einpacken.
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Trittsicherheit: Erforderlich für Lisengrat, Ageteplatte und Himmelsleiter.
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Zeit: Rund 7 Stunden Gehzeit inkl. Pausen. Betriebszeiten der Seilbahn im Blick behalten.
- Tickets: Seilbahntickets am besten im Voraus online kaufen, um Wartezeiten zu vermeiden.
Persönliche Eindrücke
Diese Tour hat viele Gesichter: den luftigen Lisengrat, die offene Weite der Meglisalp, den sanften, aber schweißtreibenden Anstieg zum Messmer und die steilen Stufen der Himmelsleiter. Besonders in Erinnerung bleibt mir der stetige Wechsel zwischen felsigen, alpinen Passagen und den grünen, offenen Hängen – und die Wärme, die an diesem Tag alles begleitete.
Es ist eine lange, aber technisch nicht extrem schwierige Tour, die sehr viel Abwechslung auf kompaktem Raum bietet. Und selbst mit der Unterstützung der Seilbahn hat man das Gefühl, einen ganzen Querschnitt durch den Alpstein erwandert zu haben.
Fazit
Die Rundtour über den Säntis, Lisengrat, Rotsteinpass, Meglisalp, Messmer und Himmelsleiter ist eine lohnende Tageswanderung für trittsichere Wanderer. Sie kombiniert Panoramawege, historische Alpgebiete und gesicherte Steigpassagen. Bei klarem Wetter ist die Fernsicht außergewöhnlich – und durch die Nutzung der Seilbahn bleibt der Schwerpunkt auf dem Erleben der Höhenwege. Für uns war es ein heißer, aber sehr eindrucksvoller Tag in einer der schönsten Regionen der Ostschweiz.
Tipp: Falls du die Wanderung in die andere Richtung planst, musst du auf der Ankunftsebene nach der gelben Tür suchen. Durch diese durchgehen, bis du die Wendeltreppe erreichst. Ab hier geht es dann durch einen langen, dunklen Tunnel, bis du den Start der Himmelsleiter erreichst. Du findest hier im Blog 2 Fotos, um dir die Orientierung zu erleichtern.
Übernachtung: Mit dem Wohnwagen/VW-Bus kannst du an der Talstation der Schwebebahn auf ausgewiesenen Parkplätzen übernachten. Alternativ würde ich dir empfehlen, in Schwägalp und Umgebung zu übernachten, um die Tour früh starten zu können. Falls du wie wir aus Zürich anreist, empfehle ich dir eine Abreise um 7 Uhr im Zürich, um die Bergbahn um 8:30 Uhr zu erwischen.
Bist du an weiteren Touren im Alpstein interessiert? Da ich sehr gerne in dieser Gegend unterwegs bin, findest du mehrere Wanderungen auf meinem Blog:
ECKDATEN
| Dauer | 6:40 Stunden |
| Länge | 12.9 km |
| Höhenunterschied | ↗ 1267m ↘ 1267m |
| Schwierigkeit | T3 |
| Lage | Kanton St. Gallen |
| Tour durchgeführt im | August 2025 |
| Geeignet für Kinder | Die ganze Tour ist für Kinder zu lang, für motivierte ältere Teenager aber zu schaffen. Mit jüngeren Kindern in einem der zahlreichen Berggasthäuser übernachten und die Tour auf 2 Tage verlängern. |
| Genaue Route | Säntis – Lisengrat – Rotsteinpasshütte – Meglisalp – Ageteplatte – Messmer – Himmelsleiter – Säntis |
| Geeignet für Kinderwagen | Nein |
| Geeignet für Hunde | Nein |
| Buchempfehlung | Die 22 schönsten Wanderungen im Alpstein |