5-Hütten Panoramaweg: Von der Bergseehütte zur Voralphütte in den Urner Alpen
Silvie Kommentare 0 Kommentare
T4
466m
724m
05:00
Jun-Okt
5.1km
Die zweite Etappe führt von der Bergseehütte zur Voralphütte und ist landschaftlich abwechslungsreich, konditionell aber moderat anspruchsvoll. Auf rund 6 Stunden Gesamtzeit inklusive Pausen bewältigt man etwa 800 Höhenmeter im Aufstieg und 400 Höhenmeter im Abstieg. Die Route ist überwiegend blau-weiß markiert und verläuft über alpine Wiesen, felsdurchsetzte Hänge und viele Blockfelder.
An diesem Tag hängen tief liegende Wolken über den Gipfeln, sodass die Sicht stark eingeschränkt ist. Außerdem hat es in der Nacht zuvor geregnet, wodurch Felsen und Pfade noch feucht und rutschig sind. Eigentlich wollten wir direkt von der Hütte zum „Krokodil“-Klettersteig aufsteigen und den Grossteil unseres Gepäcks auf der Hütte lassen. Wir glauben aber nicht so recht an unseren Plan und probieren es am Morgen nach dem Frühstück aus. So stehen wir im Nebel am Einstieg und steigen die ersten Tritte hinauf. Der Fels ist aber nass und daher sehr rutschig und wir haben keine Lust, irgendwann im Klettersteig festzustecken und absteigen zu müssen. Zudem haben wir den Klettersteig bereits vor ca. 20 Jahren gemacht, so dass wir die tollen Tiefblicke auf den Göscheneralpsee bereits kennen. Vielleicht werden wir ein anderes Mal zurückkehren, da uns der Klettersteig wirklich sehr gut gefallen hat!
Start an der Bergseehütte
Die Wanderung beginnt direkt an der Bergseehütte auf 2.370 Metern Höhe. Der Weg verläuft entweder entlang des Klettersteigs oder man nimmt den Weg in Richtung Göscheneralpsee und zweigt dann am Wegweiser links a. Es folgt ein ca. 1 stündiger Aufstieg über Blockfelder. Trittsicherheit ist besonders in den ersten Abschnitten notwendig, da nasse Steine rutschig sein können. Die blau-weiße Markierung führt zuverlässig durch das Gelände.
Tief hängende Wolken begrenzen die Sicht. Gipfel und Bergseen verschwinden im Dunst, sodass sich die Wanderung zunächst auf den unmittelbaren Weg konzentriert. Die Route ist trotz des Nebels gut zu erkennen – zahlreiche blau-weisse Markierungen sind auf den Steinen aufgemalt.
Pass Bergseeschijen und Klettersteig
Nach etwa einer Stunde erreicht der Weg den Pass Bergseeschijen. Hier befindet sich ein kurzer Klettersteig über einen felsigen Abschnitt, gesichert mit Stahlseilen und Eisenklammern. Die Passage erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, ist aber für geübte Bergwanderer problemlos begehbar. Auch wenn es in den meisten Beschreibungen dieser Passage nicht erwähnt ist, ist ein Klettersteigset hier doch sehr hilfreich. Vor allem im Abstieg ist der letzte Abschnitt des Klettersteigs etwas unangenehm, da der letzte Eisentritt sehr hoch angebracht ist.
Am Ende des Klettersteigs schauen wir plötzlich ins nächste Tal und sehen einen Wanderwegweiser direkt vor uns. Oops. das hätten wir jetzt gar nicht erwartet. Wer möchte, kann hier seinen Rucksack deponieren und in ca. 30 Minuten zum Gipfel des Bergseeschijen aufsteigen. Der Aufstieg im alpinen Gelände ist blau-weiss markiert. Bei den heutigen Wolken entscheiden wir uns aber dagegen und wir wollen auch unsere Kräfte für die kommenden Stunden und den folgenden Tag aufsparen.
Auf der Rückseite des Felsens führt der Weg sehr steil über ein riesiges Geröllfeld bergab. Wir sind froh, hier nicht im Aufstieg hochzulaufen, da es brutal steil ausschaut. Wir werden hier die nächsten 90 Minuten nur über Geröll laufen – das mag ich ja gar nicht. Allerdings kann man solch spektakuläre Pässe auch nur mit Geröllfelder erreichen, so dass ich diesen Preis wohl zahlen muss.
Langsam reisst die Wolkendecke auf und immer wieder erhaschen wir einen Blick auf einen blauen Himmel. Hochkonzentriert hüpfen wir weiter von Stein zu Stein und freuen uns, als sich endlich ein „richtiger“ Wanderweg vor uns zeigt, welchem wir während der nächsten Stunde folgen können.
Vor uns öffnet sich der Blick auf die Granitberge, die hinter der Voralphütte liegen und wo die morgige Etappe entlangführen wird.
Der folgende Abschnitt führt relativ entspannt bergauf, bevor es wieder alpiner wird und der 2. Pass des Tages vor uns liegt.
Pass am Horenfellistock
Anschließend führt der Weg in Richtung des Horenfellistocks, der eine Höhe von etwa 2.580 Metern erreicht. Der Pass am Horenfellistock ist der zweite alpine Übergang dieser Etappe und verläuft über Blockfelder und felsige Wiesenabschnitte. Trittsicherheit ist kurz vorm Pass und vor allem beim Abstieg auf der anderen Seite erforderlich.
Auf dem Pass treffen wir die ersten Wanderer des heutigen Tages. Es ist eine grössere Gruppe aus der französischen Schweiz, die auch auf dem 5-Hütten-Panoramaweg unterwegs sind und den Weg in die andere Richtung laufen. Wir plaudern kurz und geniessen dann den unglaublichen Blick auf die Hinterseite vom Sustenhorn. Es ist einer dieser Wow-Momente, wenn man hier hochkommt und sich plötzlich der Blick auf den Gletscher und die umliegende Bergwelt freigibt. Wie froh sind wir, dass sich mittlerweile die Wolken komplett verzogen haben und wir endlich wieder blauen Himmel sehen!
Die Schlüsselstelle im Abstieg befindet sich direkt zu Beginn und ist mit einem dünnen Drahtseil gesichert. Sobald diese überwunden ist, führt der Weg sehr steil bergab, so dass es sich hier lohnt, die Wanderstöcke aus dem Rucksack zu holen, um die Knie zu entlasten und ein sicheres Gefühl im Abstieg zu haben.
So steigen wir für ungefähr 1 Stunde immer weiter bergab, überqueren kleine Bäche und geniessen den Weg, der mittlerweile deutlich einfacher geworden ist, so dass man sich nicht mehr so stark konzentrieren muss.
Je näher wir der Hütte kommen, umso vertrauter wird die Gegend. Immerhin sind wir hier vor 2 Jahren mit unserer jährlichen Familienwanderung direkt vom Tal aufgestiegen und können diesen Weg auch bereits schon unter uns sehen.
Wir überqueren eine letzte Brücke (diese wird im Herbst abmontiert) und ein letzter steiler Aufstieg bringt uns zur Hütte hoch.
Wir übernachten an einem Sonntag in der Hütte und es hat nur sehr wenig andere Gäste. Einige von ihnen kennen wir bereits vom Vorabend, da sie auf der gleichen Route überwegs sind.
Auf der Hütte leben 6 Hühner, die wir am Nachmittag beobachten und die sich hier pudelwohl fühlen. Abends gehen sie in einen angrenzenden Hühnerstall und sind so geschützt. Zudem gibt es eine Murmeltierfamilie, die ihr Loch direkt vorm Fenster des Essensaals hat und die man perfekt von dort beobachten kann.
ECKDATEN
| Dauer | 5:00 Stunden |
| Länge | 5.1 km |
| Höhenunterschied | ↗ 466m↘ 724m |
| Schwierigkeit | T4 |
| Lage | Kanton Uri |
| Tour durchgeführt im | September 2025 |
| Geeignet für Kinder | Der 5-Hütten-Panoramaweg ist für ausdauernde, trittsichere Teenager ab ca. 15 Jahren geeignet. Die 2. Etappe ist technisch anspruchsvoll. |
| Genaue Route | Bergseehütte – Bergseeschijen – Horefellistock – Voralphütte |
| Geeignet für Hunde | Ja |
| Buchempfehlung | Hüttentrekking Band 2: Schweiz: 36 Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte |