Erfahrungsbericht vom Alpin8 Everesting-Event im Brandnertal 2025

Erfahrungsbericht vom Alpin8 Everesting-Event im Brandnertal 2025

trekking

T2

9146m

0m

36:00

Jun

70km

Kennst du diese verrückten Ideen, die dich einfach nicht mehr loslassen? Genau so ging es mir, als ich 2023 zum ersten Mal vom Everesting im Brandnertal hörte. Das Konzept kannte ich bereits – in den USA ist Everesting längst ein beliebtes Event geworden –, doch in Europa war es bisher ein Novum. Als dann eine Bloggerkollegin begeistert davon berichtete, war ich sofort Feuer und Flamme. Nur wenige Tage später beschloss auch mein Mann, mitzumachen – und so meldeten wir uns im Dezember an.

In meinem Erfahrungsbericht von 2024 habe ich bereits viele Tipps und Einblicke geteilt – vielleicht hilft er dir ja, falls du selbst einmal teilnehmen möchtest.

everesting_2025_brandnertal_alpin8_
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Irgendwann trudelte der Newsletter von Alpin8 in unser Postfach, und kurz überlegte ich, ob ich noch einmal teilnehmen sollte. Ich hatte mein persönliches Everest-Ziel ja eigentlich schon im Vorjahr erreicht. Doch dann meinte mein Mann zu Jahresbeginn, es wäre doch die perfekte Motivation, um regelmäßig zu trainieren und wieder gemeinsam Touren zu unternehmen. Ich erinnerte mich sofort an die Strapazen – aber auch an die besondere Atmosphäre und die großartige Organisation. Und ehe wir uns versahen, waren wir wieder angemeldet – bereit, zum zweiten Mal die 8848 Höhenmeter in Angriff zu nehmen.

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Vorbereitung – Höhenmeter sammeln bis zum Abwinken

Wie auch im letzten Jahr erhielten wir vom Alpin8-Team einen durchdachten Trainingsplan. Diesmal klebte er jedoch nicht mehr ausgedruckt an der Tür – wir wussten inzwischen ziemlich genau, was auf uns zukommt. Jede freie Minute wurde genutzt, um Höhenmeter zu sammeln: vor der Arbeit, nach Feierabend, an Wochenenden. Dank unseres Hausbergs direkt vor der Haustür – mit 350 Höhenmetern und 1000 Stufen – standen uns ideale Trainingsbedingungen zur Verfügung. So schaffte ich in den Wochen vor dem Event bis zu 4000 Höhenmeter pro Woche.

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Im Gegensatz zum Vorjahr verzichteten wir auf Extremtouren mit 3000 Höhenmetern und planten stattdessen Hüttenwanderungen mit moderaten 2000 Höhenmetern – was mich als begeisterte Hüttensammlerin besonders freute.

Viele der anderen Teilnehmer kamen aus eher flachen Regionen wie Norddeutschland oder den Niederlanden – sie trainierten fleißig mit dem Stepper. Auch ich musste kurz vor dem Event eine Woche in Berlin verbringen – dort suchte ich verzweifelt nach einem Hügel und freute mich schließlich über eine kleine Anhöhe mit immerhin 70 Höhenmetern.

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Packliste – weniger ist mehr

Im ersten Jahr hatten wir unsere eigene Verpflegung mitgebracht – diesmal verzichteten wir darauf, denn die Verpflegung vor Ort war ausgezeichnet. Stattdessen lag unser Fokus auf der richtigen Kleidung und den passenden Schuhen. Ich schwor auf einen Schuhwechsel nach jeder dritten Runde – inklusive frischer Socken. Das beugte nicht nur Blasen vor, sondern veränderte auch die Belastung für den Fuß.

Mein Rucksack blieb wie auch beim letzten Mal zu Hause – ich lief lediglich mit einer kleinen Bauchtasche für mein Handy sowie mit Wanderstöcken. Verpflegung und Wasser? Nicht nötig – die Organisation war so gut, dass man alles unterwegs bekam.

Unsere Wechselkleidung deponierten wir im Auto bei der Talstation. Andere Teilnehmer legten sie oben bei der Bergstation ab. Beide Varianten hatten ihre Vorteile – wir waren jedenfalls bestens für alle Wetterlagen gerüstet.

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Übernachten – direkt am Start 

Neu in diesem Jahr: Der Parkplatz an der Talstation durfte offiziell als Übernachtungsplatz genutzt werden – rund 40 Fahrzeuge standen dort über Nacht. Im Jahr zuvor waren es nur etwa zehn. Wer im Auto schlafen oder sogar einen Camper nutzen kann, spart sich die Unterkunft und steht morgens direkt am Start. Wer es lieber komfortabler mag, sollte frühzeitig eine Ferienwohnung oder ein Hotel buchen – idealerweise direkt bei der Palüdbahn.

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Check-In – Willkommen zurück!

Der Check-in verlief erneut herzlich und gut organisiert – mit offizieller Begrüßung im Gemeindesaal. Vertreter der Bergbahn, des Tourismusbüros und der Bergwacht hießen uns willkommen. Es war schön zu sehen, wie viele bekannte Gesichter vom Vorjahr dabei waren – und wie sehr sich die Region über dieses Event freut.

Neben Profis wie Bergsteigerin Tamara Lunger, Trail-Runnerin Gela Allmann und dem bekannten österreichischen Tennisspieler Dominik Thiem waren auch einige Influencerinnen mit Kamerateam am Start. Nach der Begrüßung fuhren wir zum Parkplatz, bereiteten alles vor – und gingen früh schlafen.

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Samstagmorgen – Startlinie. Stirnlampe. Gänsehaut.

Am Samstagmorgen ging es früh los: Gegen 4 Uhr trudelten die ersten Teilnehmer auf dem Parkplatz ein – viel Schlaf war also nicht mehr möglich. Um 4:45 Uhr standen wir bereit an der Palüdbahn, voller Vorfreude auf den Start. Da ich das Everesting bereits einmal erfolgreich absolviert hatte, setzte ich mir diesmal ein neues Ziel: Entweder unter 24 Stunden zu bleiben oder sogar die 10.000 Höhenmeter zu knacken. Ob das geklappt hat? Dazu später mehr.

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Runde 2 vom Everesting – schneller, effizienter, motivierter

Dieses Jahr hatten wir Glück mit dem Wetter – kein Regen, angenehme Temperaturen. 2024 hatte ich am Samstagabend gegen 21 Uhr abbrechen müssen, weil es heftig zu regnen begann und ich während der Talfahrten stark fror. Diesmal wollte ich versuchen, ohne Pause durchzukommen.

Ich reduzierte den Schuhwechsel auf jede dritte Runde, was mir deutlich Zeit sparte. Mir wurde schnell bewusst: Wer möglichst wenige und kurze Pausen macht, gewinnt nicht nur Zeit – auch die körperliche Belastung bleibt insgesamt erträglicher, weil man seltener „wieder anlaufen“ muss. Trotzdem nahm ich mir bei jedem Aufstieg kurz Zeit für ein Foto am Selfie-Spot – das gehört einfach dazu.

Beeindruckt hat mich der erneute „Sieger“ des Events: Mit Unterstützung seiner Freundin, die ihm Snacks und Getränke direkt in der Seilbahn reichte, schaffte er die Strecke in unglaublichen 13,5 Stunden – ohne an der Verpflegungsstation anzuhalten. Ein Paradebeispiel für fokussiertes, strukturiertes Vorgehen.

Die Teilnehmerzahl war dieses Mal auf rund 220 gestiegen, im Vorjahr waren es etwa 175. Dennoch wirkte die Strecke nie überfüllt. Die Verpflegungspunkte, die Bergbahn und die Wege – alles funktionierte reibungslos und ohne Wartezeiten. Und es blieb immer Zeit für einen kurzen Plausch mit anderen Teilnehmenden.

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Nachts – der Körper sagt: „Pause!“

Ich lief eine Runde nach der anderen und kam gut voran. Immer mehr Teilnehmende kamen ins Ziel und bogen rechts ab, wo zwischen zwei Alpin8-Fahnen das Ziel wartete. Mein Mann hatte sich inzwischen schlafen gelegt – er hatte mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen.

Mit Einbruch der Dunkelheit wurde auf die Nachtstrecke gewechselt. Zwar war sie technisch weniger anspruchsvoll, doch ich vermisste die landschaftlich reizvollere Tagesstrecke. Nach und nach ließ meine Konzentration nach, ich begann zu stolpern und fror bei den Talfahrten. Noch drei Runden lagen vor mir. Im Jahr zuvor hatte ich an diesem Punkt noch fünf Runden vor mir gehabt, als ich ins Bett ging – dieses Mal gönnte ich mir bewusst eine Pause. Ich wollte mir den Spaß an der Sache nicht verderben. Die Erschöpfung war zu groß, die Schritte zu schwer, die Motivation zu niedrig.

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Sonntagmorgen – letzter Push

Am Sonntag klingelte mein Wecker um 6 Uhr. Ich wusste: Jetzt oder nie. Drei Runden mussten noch geschafft werden, und die Zeit bis zur Cut-Off war machbar. Mein Mann, inzwischen wieder fitter, begleitete mich. Wir liefen im lockeren Tempo, plauderten viel, hielten an den Verpflegungsstationen. Es fühlte sich gut an – ich war froh über die Pause in der Nacht. Und so erreichte ich schließlich nach etwa 30 Stunden stolz und überglücklich das Ziel. Die weinrote Kappe – das Symbol des persönlichen Everest – wurde mir überreicht. Ich hatte es geschafft. Ein zweites Mal.

Noch besser: Ich war sogar schneller als beim ersten Mal. Und das Wichtigste – gesund, unverletzt und zufrieden im Ziel. Der Moment, rechts abbiegen zu dürfen, um den letzten Aufstieg zu feiern, war einfach unbeschreiblich.

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Mein Mann gibt Gas!

Während ich kurz vor 12 Uhr meine 17 Runden abgeschlossen hatte, stand mein Mann bei 14 Runden. Am Morgen war ihm klar, dass ein vollständiges Everesting schwierig werden würde – daher begleitete er mich zunächst gemütlich. Doch nun war er wieder topfit. Voller Energie verkündete er, die letzten drei Runden noch zu versuchen – bis zur Cut-Off um 15 Uhr.

Ich wurde zur Unterstützerin: reichte ihm Snacks in der Seilbahn, lud ihn unterwegs mental auf. Seine Aufstiegszeiten lagen wieder bei 45–50 Minuten – beeindruckend, nach so einem schwierigen Start. Um 14:05 Uhr ging er in die finale Runde – er hatte 55 Minuten Zeit.

Ich wartete oben an der Bergstation, gemeinsam mit anderen Teilnehmenden. Die Spannung stieg – und dann, um 14:50 Uhr, tauchte er auf. Er hatte es geschafft! Tränen standen mir in den Augen, als er zwischen den Alpin8-Fahnen ins Ziel lief. Was für ein Finish – frenetisch bejubelt von allen anderen, die wussten, was er da geleistet hatte.

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Abschluss & Emotionen

Nach dem Zieleinlauf versammelten wir uns zur Verabschiedung. Erste Bilder wurden als Diashow gezeigt, ein Video sorgte für Gänsehaut. Es war ein sehr emotionaler Moment – so viele Menschen, die gemeinsam über sich hinausgewachsen waren. Und wieder einmal war die Organisation makellos – mit unglaublich viel Herzblut, Hingabe und Liebe zum Detail von Saskia, Flores, ihren Freunden und Familien. 
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Gibt es eine dritte Teilnahme?

Vielleicht. Unser ältester Sohn wollte schon bei beiden Events teilnehmen – wurde aber erst eine Woche nach dem Event 2025  volljährig. 2026 wäre er bereit. Und ich? Natürlich werde ich ihn supporten. Ob als Helferin oder vielleicht doch ein drittes Mal als Teilnehmerin – wer weiß. Manchmal reicht schon ein einziger Newsletter, und schon beginnt das Abenteuer erneut.

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ECKDATEN

Dauer34 Stunden
Höhenunterschied↗ 17x 520 Höhenmeter = 8848 Höhenmeter
Länge3.5 km pro Aufstieg
SchwierigkeitT2 (mittel)
LageBrandnertal (Österreich)
Genaue RouteBrand – Palüdbahn
Event geplant imJuni 2024
Geeignet für KinderAnmeldung ab 18 Jahren möglich.

Werbehinweis: Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung für ALPIN8. Mir wurden für das Event 2 reduzierte Tickets zur Verfügung gestellt.

Viele Fotos in diesem Beitrag: © Sport- und Event-Fotograf Marius Holler

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