Dem türkisblauen Limmerensee entgegen: Aufstieg zur SAC Muttseehütte (2501m)

Dem türkisblauen Limmerensee entgegen: Aufstieg zur SAC Muttseehütte (2501m)

trekking

T3

789m

789m

04:50

Jun-Okt

11.4km

Die Wanderung von Kalktrittli über die Muttseehütte zum Muttchopf und zurück durch den Stollen zum Limmerensee ist eine der Touren, die gleich mehrere Facetten miteinander verbinden: ein technisch leicht anspruchsvoller und landschaftlich eindrucksvoller Zustieg, eine eindrückliche Staumauer, die etwas abgeschiedene Lage der Hütte, ein Gipfel mit überraschend weitem Blick und zum Schluss ein Rückweg durch einen kilometerlangen Stollen.

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Ich bin mit einer Gruppe von der Freizeitapp Spontacs unterwegs. Die Tour stand schon sehr lange auf meiner Liste (wer kennt das Foto vom Muttchopf nicht), und das Wetter versprach zunächst einen sonnigen Tag mit kurzer Regenunterbrechung. Dass wir dann kurz vor der Hütte in ein kräftiges Gewitter mit Regen, Hagel und Donner geraten würden, gehörte am Ende zu den Momenten, die man nicht unbedingt plant, die eine Wanderung aber besonders einprägsam machen.

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Ausgangspunkt: Kalktrittli

Unser Ausgangspunkt ist die Bergstation Kalktrittli oberhalb von Tierfehd im Glarnerland. Schon die Anfahrt durchs Linthtal wirkt eindrücklich: je weiter wir fahren, desto schmaler wird das Tal, bis am Ende die Straße bei Tierfehd endet. Von hier bringt uns die kleine Werkseilbahn in wenigen Minuten nach oben. Hier lohnt es sich, früh anzureisen, da die Bahn nur 8 Personen nach oben transportieren kann und es dadurch zu langen Wartenzeiten kommen kann. Wir starteten um kurz vor 08:30 Uhr und dann kam ein ziemlicher Ansturm an Besuchern. Die Bahn fährt ohne Personal, so dass du dein Ticket (CHF20/Erwachsener für Hin- und Rückfahrt) selber am Automaten löst und dieses dann einscannst. Bei der Rückfahrt scannst du das gleiche Ticket unten wieder ein, um durch die Schranke zu kommen. An der Talstation gibt es einen grossen, kostenlosen Parkplatz. Leider gibt es kein Postauto nach Tierfehd. Es gibt jedoch ein Alpentaxi, welches dich regelmässig nach Tierfehd bringt (vorher unbedingt reservieren!). 

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Die Station liegt auf rund 1860 Metern Höhe. Hier oben wirkt die Landschaft sofort alpiner, auch wenn die Umgebung durch die Kraftwerksanlagen technisch geprägt ist. Wir besprechen uns kurz, welchen Weg wir wählen sollen und entscheiden uns aufgrund der Wettervorhersage für die linke Tür – auf dem Hinweg auf dem T3 Wanderweg bis zur Hütte und auf dem Rückweg dann durch den Stollen. Ich würde die Tour genau so empfehlen, da der T3-Weg im Aufstieg viel angenehmer als im Abstieg ist und man dann auch den Limmerensee beim Abstieg immer vor Augen hat und sich nicht umdrehen muss. 

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Der Weg hinauf zur Muttseehütte

Der Pfad zieht sich in weiten Serpentinen den Hang hinauf. Der steile Weg beginnt bereits direkt beim Ausgang der Seilbahn. Der Weg ist schmal und leicht ausgesetzt und an einigen Stellen mit einer Kette gesichert. So hast du bereits zu Beginn der Wanderung etwas Action. Da wir uns als Gruppe erstmal besser kennenlernen müssen, sind wir viel am Plaudern, so dass man die anspruchsvollen Stellen fast gar nicht mitbekommen und von allen problemlos gemeistert werden. 

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Nach dem ersten Anstieg flacht der Weg merklich ab und wir erreichen eine kleine Hochebene mit dem Blick auf einen eindrücklichen Kessel. Oha, da müssen wir also hoch. Von weitem denkt man hier, dass es da doch keinen Weg geben kann, aber je näher man kommt, wird klar, dass es sich hier um einen relativ breiten Weg handelt, der sich den Berg hochschlängelt. 

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Das Wetter ist zu diesem Zeitpunkt noch sonnig, die Temperaturen sind angenehm, und wir genießen die stetig besser werdende Aussicht. Doch am Himmel sammeln sich nach und nach dunkle Wolken. Wir bemerken sie sofort und besprechen kurz in der Gruppe, dass wir zügig weitergehen.

Als wir uns der Hütte nähern, zieht das Wetter plötzlich zu. Der Wind frischt auf, und innerhalb weniger Minuten schlägt die Stimmung um: Blitz, Donner, starker Regen und sogar Hagel prasseln auf uns nieder. Trotz Regenjacke sind wir schnell durchnässt, die Wege verwandeln sich in kleine Rinnsale, und jeder sucht den kürzesten Weg nach oben. Zum Glück sind es nur noch wenige Höhenmeter bis zur Hütte.

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Zwischenstopp in der vollen Hütte

Völlig durchnässt erreichen wir die Muttseehütte auf 2501 Metern. Drinnen ist es voll – kein Wunder, denn auch andere Gruppen sind vom Gewitter überrascht worden. Der Eingangsbereich ist voller nasser Jacken und Schuhe, Stimmengewirr erfüllt die Stube. Das Hüttenwartsteam kümmert sich rührend um uns, reicht sogar Handtücher und Bügel, um die nassen Sachen aufzuhängen. Sie sind überwältigt vom plötzlichen Ansturm und geben ihr Bestes! Unsere Gruppe findet einen passenden Tisch und wir rücken zusammen, damit jeder Platz findet. Zwischen Suppe und Würstchen lernen wir uns immer besser kennen und bald schon handeln die Gespräche von tiefgreifenden und auch überraschenden Themen. Es wird viel gelacht – wir haben den perfekten Mix aus verschiedenen Persönlichkeiten und Charakteren erwischt, um einen tollen gemeinsamen Tag zu erleben. 

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Weiter zum Muttchopf

Als wir wieder aufbrechen, klart der Himmel auf. Der Regen ist vorbei, der Wind trägt die Wolken davon, und die Sonne zeigt sich. Der Nebel, der eben noch alle Sicht verschluckt hat, löst sich bald auf und gibt den Blick frei.

Von der Hütte ist der Muttchopf schnell erreicht. Der Weg führt in wenigen Serpentinen hinauf, der Anstieg dauert kaum eine halbe Stunde. Oben stehen wir auf einem unscheinbaren, aber lohnenden Gipfel.

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Wir erreichen die Aussicht, auf die wir den ganzen Tag schon gewartet haben und er ist genauso überwältigend wie vermutet. Wow – ist das schön hier oben! Unter uns liegt der Muttsee, eingerahmt von schroffen Bergen. Das Wasser leuchtet intensiv, und in der Ferne erkennen wir weitere Gipfel der Glarner Alpen. Der Kontrast könnte kaum größer sein: eben noch Donner und Hagel, jetzt klare Sicht und Sonnenschein.

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Am Muttchopf und am Muttsee ist das Wildcampen in den letzten Jahren zunehmend zu einem Problem geworden, vor allem durch den Boom von Social Media und den beliebten Instagram-Blick auf den See. Viele Besucher haben dort übernachtet, um bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang die perfekten Fotos zu machen – oft außerhalb der markierten Wege und ohne Rücksicht auf die Natur.

Seit diesem Jahr gilt deshalb ein striktes Campingverbot, das vom Kanton Glarus erlassen wurde. Laut den aktuellen Mitteilungen wird dieses Verbot streng kontrolliert, um die empfindliche alpine Umgebung zu schützen und die Belastung durch Massenübernachtungen einzudämmen. Wer dennoch am See oder in der Nähe der Hütte zeltet, muss mit Bussen rechnen.

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Ich habe überlegt, ob ich überhaupt einen Blogbeitrag über diese Wanderung schreiben soll, um nicht zum Boom weiter beizutragen. Ich habe mich aber aktiv dafür entschieden, da mein Fokus die Wanderung zur Hütte ist und ich meine Leser auf alle Hüttenwanderungen mitnehmen möchte. Man kann den Sonnenauf- oder -untergang auch wunderbar erleben, wenn man in der Hütte übernachtet – denk einfach daran, diese vor allem fürs Wochehnende rechtzeitig zu reservieren. 

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Rückweg durch den Stollen

Der Abstieg führt uns zurück in Richtung Hütte und dann in Richtung Stollen, der den Muttsee mit der Seilbahnstation verbindet. Auch dieser Weg ist spannend angelegt, bietet das ein oder andere leicht anspruchsvolle Stück und bietet einen unglaublichen Blick auf den türkis schimmernden See. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus – die Eindrücke der Glarner Bergwelt in Kombination mit dem Limmerensee sind wirklich einmalig!

 

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Rückweg durch den Stollen

Ein besonderer Teil der Tour ist der rund drei Kilometer lange Stollen, der den Muttsee direkt mit der Seilbahnstation Kalktrittli verbindet. Er wurde im Rahmen des Kraftwerksprojekts Linth-Limmern angelegt und dient in erster Linie der Logistik und dem Unterhalt der Anlagen. Dass er für Wanderer zugänglich ist, macht ihn zu einer ungewöhnlichen Ergänzung der Route.

Beim Betreten wechseln wir abrupt die Welt: draußen Sonne, Berge und Weite, drinnen Dunkelheit, gleichmäßige Kühle und ein schnurgerader Gang. Ohne Beleuchtung geht hier nichts. Der Weg ist breit und eben, fast wie ein unterirdischer Korridor, doch die Monotonie fordert Konzentration. Nach einigen hundert Metern verliert man das Zeitgefühl, Gespräche hallen von den Wänden wider, die Schritte klingen endlos. Glücklicherweise gibt es in regelmässigen Abständen eine Anzeige, wie weit es bis zu welchem Ausgang ist, so dass man sich ein wenig an dieser orientieren kann. Ich empfehle dir, eine Jacke für diesen Teil der Wanderung mitzunehmen (am Ende hatte ich sogar kalte Hände bei Aussentemperaturen von über 20 Grad). 

Nach rund einer Dreiviertelstunde sehen wir endlich das Licht am anderen Ende. Plötzlich stehen wir wieder draußen – der Kontrast zwischen kilometerlanger Finsternis und dem weiten Blick ins Tal könnte nicht grösser sein!

Tipp: Auf dem Rückweg machen wir noch einen Zwischenstopp in Glarus und besuchen das hübsche Café Gastrorollbar „Goes Garden“. Ein idealer Ort, um den schönen Tag ausklingen zu lassen!

 

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ECKDATEN

Dauer4:50 Stunden
Länge11.4 km
Höhenunterschied↗ 789m ↘ 789m
SchwierigkeitT3
LageKanton Glarus
Tour durchgeführt imAugust 2025
Geeignet für KinderFür bergerfahrene Kinder ab ca. 6 Jahre geeignet. In diesem Alter mit Übernachtung. Für Teenager gut als Tagestour machbar.
Genaue RouteKalktrittli – Muttseehütte – Muttchopf – Muttsee – Stollen – Kalktrittli
Geeignet für KinderwagenNein
Geeignet für HundeJa
BuchempfehlungRother Wanderführer Glarnerland

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