Südnorwegen erleben: Drei Wochen Wanderurlaub zu den Highlights und Nationalparks
Silvie Kommentare 0 Kommentare
Norwegen – unsere erste Reise in den hohen Norden
Jedes Jahr stellen wir uns die gleiche Frage: Wohin geht es in den Sommerferien? In den letzten Jahren zog es uns immer wieder in die Alpen oder die Dolomiten – sei es für eine Alpenüberquerung, den Meraner Höhenweg, den Dolomiten Höhenweg 1 und 2 oder eine mehrtägige Klettersteigtour in der Brenta oder den Sextener Dolomiten. Doch ein Ziel spukte schon lange in unseren Köpfen herum: Skandinavien.
2025 war es endlich so weit. Wir konnten drei Wochen Urlaub einplanen – genug Zeit, damit sich die lange Anreise aus der Schweiz lohnen würde. Unsere Wahl fiel auf Norwegen, ein Land, das mit seiner wilden, beeindruckenden Natur schon lange auf unserer Bucketlist stand.
Was uns bisher immer ein wenig abgeschreckt hatte, waren die hohen Preise. Doch 2025 bekamen wir für einen Franken rund 12 norwegische Kronen – plötzlich rückte der Traum in greifbare Nähe.
Die Planung – gar nicht so einfach
Die Planung unseres Norwegen-Abenteuers war deutlich anspruchsvoller als gedacht. Der Rother Wanderführer für Norwegen Süd und Jotunheimen, der Lonely Planet Norwegen und der sehr empfehlenswerte Nordland-Blog waren meine wichtigsten Begleiter in der Vorbereitungsphase. Sie halfen mir dabei, einen ersten Überblick zu bekommen und unsere Optionen einzugrenzen.
Wie immer hatte ich bei der Planung freie Hand – meine Familie gibt mir lediglich ihre Rahmenbedingungen, ich stelle die Route zusammen, präsentiere meine Pläne und beginne dann mit der Buchung. Für mich ist das der schönste Teil der Reise: Meine eigene Traumtour zusammenzustellen.
Ich habe das Glück, dass meine Kinder (15 und 18 Jahre alt) auf all unsere Mehrtagestouren begeistert mitkommen und ich weiss, dass dies überhaupt nicht selbstverständlich ist. Sie schrecken auch vor 9-tätigen Hüttentouren nicht zurück, so dass wir Jahr für Jahr anspruchsvollere Touren mit ihnen planen können.
Unser Fokus liegt klar auf Naturerlebnissen und Wandern, am liebsten mehrtägige Touren mit Übernachtung in Berghütten. Da wir zwischendurch auch einen Tag pro Woche arbeiten wollen (für uns ein idealer Ruhetag zum Erholen), war eine stabile Internetverbindung an diesen Tagen ebenfalls ein wichtiges Kriterium.
Was die Planung jedoch erschwerte: Viele Informationen gibt es nur auf Norwegisch, und nicht alle Webseiten lassen sich problemlos übersetzen. Auch wenn es einige Blogs zu Tageswanderungen oder Camperreisen gibt, fand ich kaum Infos zu Mehrtagestouren – ein Grund mehr, warum ich meine Erfahrungen hier teilen möchte.
Während ich in den Alpen oder Dolomiten teilweise schon im Dezember des Vorjahres Hütten reservieren muss, waren in Norwegen alle Unterkünfte noch im Mai verfügbar. Die Buchungsseite des DNT (Norwegischer Wanderverein) ist erfreulicherweise auf Englisch (und teilweise Deutsch) verfügbar, was die Planung stark erleichtert hat. Vor Ort merkten wir jedoch, dass die Hütten doch oft ausgebucht waren – vor allem Privatzimmer sollte man daher mindestens 2 Monate vorher reservieren. Uns wurde aber auch versichert: Für spontane Wanderer findet sich immer eine Matratze.
DNT – der norwegische Wanderverein
Für all unsere Mehrtagestouren übernachteten wir in Hütten des DNT (Den Norske Turistforening) – ein großartiges Netzwerk, das Wandern in Norwegen wirklich einfach macht. Eine Mitgliedschaft lohnt sich mehrfach: Neben günstigeren Übernachtungspreisen erhält man den DNT-Schlüssel, mit dem man Zugang zu den unbedienten Hütten hat. Diesen Schlüssel kannst du für 100 NOK in DNT-Shops kaufen – und am Ende der Reise zurückgeben oder für die nächste Tour behalten.
In diesen Shops bekommst du auch Kartenmaterial, Outdoor-Kleidung und tolle DNT-Mitbringsel. Unser Favorit: das DNT-Sandwichpapier – stylisch und praktisch zugleich.
Wir entschieden uns für die Familienmitgliedschaft, die bequem über die DNT-App nachweisbar ist. Mit ihr lassen sich auch Buchungen und Zahlungen erledigen.
Zudem gibt es noch die DNT Hyttebetaling App, mit welcher Zahlungen für den benutzten Proviant oder auch Unterkunft in Selbstbedienerhütten vorgenommen werden können. Diese können gespeichert werden und später bei Netzverfügbarkeit getätigt werden.
Die verschiedenen Hüttentypen
Der DNT unterscheidet zwischen drei Hüttentypen:
- Bediente Hütten
- Selbstversorgerhütten mit Proviant
- Komplett unbediente Selbstversorgerhütten
Bediente Hütten
Diese bieten Vollpension – abends gibt es ein reichhaltiges 3-Gänge-Menü, morgens ein üppiges Frühstücksbuffet. Fürs Mittagessen kannst du dir Sandwiches machen, eingewickelt ins ikonische DNT-Brotpapier. Ein typisches norwegisches Ritual: Die Gäste machen sich zuerst ihre Sandwiches, bevor sie selbst frühstücken.
Das Buffet ist beeindruckend: Fischsalate, Rote Bete, diverse Wurstsorten, Aufstriche, Gurken, Eier, Haferbrei mit Zimt und Zucker, selbstgemachte Marmeladen, Müsli, Cornflakes, Fruchtsäfte… Im Vergleich dazu wirken die Frühstücke in SAC-Hütten fast spartanisch.
Das Abendessen ist meist sehr fleischlastig. Als Vegetarier war ich oft die Ausnahme – aber es war überall möglich, eine fleischlose Option zu bekommen. Generell erinnern die bedienten Hütten mehr an Berghotels als an einfache Unterkünfte – es wird dafür gesorgt, dass niemand hungrig bleibt.
Strom gibt es meist über einen Generator, der nachts abgeschaltet wird – daher unbedingt vor dem Schlafengehen Geräte laden.
Selbstversorgerhütten – rustikal & charmant
Wer Norwegen wirklich spüren will, sollte mindestens eine Nacht in einer Selbstversorgerhütte verbringen. Diese Hütten sind einfach, urig und unglaublich gemütlich. Sie liegen meist an Seen oder Quellen, wo du Wasser holen kannst – mit den typischen großen Metalleimern.
Duschen? Fehlanzeige. Stattdessen geht’s zum Baden in den See – erfrischend bei warmem Wetter, eine Überwindung bei Kälte.
Gekocht wird mit Gas, und das nötige Geschirr und Besteck ist vorhanden. Du bringst dein komplettes Essen selbst mit – Abendessen, Frühstück, Snacks, Tee/Kaffee.
Unsere Auswahl:
- Abends: kalorienreiches Nudelgericht zum Aufkochen
- Frühstück: Müsli mit Milchpulver
- Mittag: vorab gemachte Sandwiches
- Nachtisch: eine Packung Toffifee für alle
Selbstversorgerhütten mit Proviant
Diese bieten eine Art große Vorratskammer, aus der du dich bedienen kannst. Die Preise liegen nur leicht über Supermarktniveau. Bezahlt wird mit der App Hyttebetaling, sobald du wieder Netz hast. Auch die Übernachtung lässt sich dort abrechnen, falls du sie nicht vorher gebucht hast.
Diese Option ist ideal für Mehrtagestouren – du sparst Gewicht, indem du nur einen Teil der Verpflegung mitnimmst und vor Ort ergänzt.
Am Abreisetag wird erwartet, dass du dein Zimmer aufräumst, das Bett machst und den Boden nass aufwischst – so bleibt die Hütte auch für die nächsten Gäste einladend.
In einigen Hütten gibt es in der Hauptsaison einen ehrenamtlichen Hüttenwart, der den Ablauf erklärt und nach dem Rechten sieht.
Anreise
Für die Reise nach Norwegen stehen dir mehrere Möglichkeiten offen. Wir haben uns für die Fahrt mit dem Auto entschieden – genauer gesagt mit unserem VW-Bus, den wir gleichzeitig als Unterkunft auf Campingplätzen nutzen konnten.
Zwischen Norwegen und dem europäischen Festland gibt es verschiedene Fährverbindungen, die bekanntesten starten ab Kiel (Deutschland) oder Hirtshals (Dänemark). Da die Preise für die Verbindung Kiel–Oslo geradezu astronomisch hoch waren, wählten wir für die Hinfahrt die günstigere Alternative: von Hirtshals nach Kristiansand. Diese Route passte nicht nur besser zu unserem Budget, sondern lag auch strategisch günstig für unsere geplante Rundreise. Wer seine Reise lieber weiter nördlich beginnen möchte, kann von Hirtshals aus auch die Nachtfähre nach Stavanger nehmen.
Eine andere Möglichkeit ist die Anreise per Flugzeug. Planst du eine ähnliche Rundreise wie wir, solltest du vor Ort unbedingt ein (Miet-)Auto einplanen, da viele Wanderungen nur mit dem Auto erreichbar sind. Eine Ausnahme bildet das Gebiet Jotunheimen: Von Oslo aus gibt es eine direkte Busverbindung, sodass du für diese Tour kein eigenes Fahrzeug benötigst.
In Norwegen sind viele Straßen mautpflichtig. Dein Kennzeichen wird dabei automatisch per Kamera erfasst. Am einfachsten registrierst du dein Fahrzeug im Voraus bei epass24 – einige Monate nach deinem Urlaub erhältst du dann bequem die Rechnung. Eine ausführliche Erklärung zu den Mautgebühren findest du im Beitrag von Nordlandblog.
Anmerkung: Wir haben mittlerweile unsere Abrechnung für die Mautgebühren bekommen und CHF12 bezahlt.
Übernachten
Während unserer Mehrtageswanderungen übernachteten wir in DNT-Hütten in gemütlichen 4-Bett-Zimmern. Die übrigen Nächte verbrachten wir auf Campingplätzen oder standen frei. Dank des norwegischen Jedermannsrechts ist das problemlos möglich: Mit Zelt, Wohnwagen oder Bus darf man – sofern keine Verbotsschilder vorhanden sind – überall mit mindestens 150 Metern Abstand zu Gebäuden übernachten. Diese Möglichkeit nutzten wir zweimal, um direkt am Startpunkt einer Wanderung zu nächtigen.
Die Übernachtung auf den meisten Campingplätzen war mit rund CHF 30 pro Nacht sehr günstig. Lediglich in größeren Städten wie Odda und Oslo zahlten wir etwa EUR 60 pro Nacht und reservierten im Voraus, um sicher einen Stellplatz zu bekommen. Auf allen anderen Plätzen, insbesondere beim Preikestolen, waren keine Reservierungen nötig – die Betreiber versicherten uns im Voraus, dass stets genügend freie Stellplätze verfügbar sind.
Norwegen bietet natürlich auch eine Vielfalt an Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Gerne kannst du auf der unten angezeigten Karte rumstöbern, um ein Gefühl für Preise und Unterkünfte zu bekommen.
Internet unterwegs
Da bei meinem Schweizer Mobilfunkanbieter kein Datenvolumen für Norwegen inklusive ist, habe ich mir eine erstaunlich günstige eSIM bei Holafly besorgt. Dies klappt ganz unkompliziert und schnell. Beachte, dass du fürs Aktivieren der meisten eSIMs häufigt eine Internetverbindung benötigst, so dass du dafür entweder ein WLAN vor Ort benötigst oder ggf. auch schon zuhause erledigen kannst. Du kannst deine eSIM hier bestellen – mit dem Code OFFTHETRAIL erhälst du 5% Rabatt. Sobald du die eSIM aktiviert hast, kannst du diese dann bei deinen Einstellungen aktivieren und deine eigentliche deaktivieren, um Roamingkosten zu vermeiden.
Unser genauer Reiseplan
| Tag | 🗺️ | Aktivität |
|---|---|---|
| 1–2 | 🚗 | Anreise |
| 3–4 | 🥾 | 2-Tages-Wanderung zur Selbstversorgerhütte Blafjellenden |
| 5 | 🥾 | Wanderung zum Kjeragbolten |
| 6 | 🥾 | Wanderung zum Preikestolen |
| 7 | 💻 | Pausentag (Co-Working) in Odda |
| 8 | 🥾 | Wanderung zur Trolltunga |
| 9 | 🥾 | 3-Tages-Wanderung Hardangervidda: Tag 1 Litlos |
| 10 | 🥾 | 3-Tages-Wanderung Hardangervidda: Tag 2 Hellevassbu |
| 11 | 🥾 | 3-Tages-Wanderung Hardangervidda: Tag 3 Middalsbu |
| 12 | 🥾🚗 | Wanderung Vøringsfossen, Fahrt Richtung Jotunheimen |
| 13 | 💻 | Pausentag (Co-Working) in Jotunheimen |
| 14 | 🥾 | 5-Tages-Wanderung Jotunheimen: Tag 1 Glitterheim |
| 15 | 🥾 | 5-Tages-Wanderung Jotunheimen: Tag 2 Spiterstulen |
| 16 | 🥾 | 5-Tages-Wanderung Jotunheimen: Tag 3 Leirvassbu |
| 17 | 🥾 | 5-Tages-Wanderung Jotunheimen: Tag 4 Gjendebu |
| 18 | 🥾 | 5-Tages-Wanderung Jotunheimen: Tag 5 Besseggen |
| 19 | 🚗 | Fahrt nach Oslo |
| 20 | 🏙️ | Oslo |
| 21 | 💻 | Pausentag (Co-Working) in Oslo |
| 22 | 🥾 | Wanderung Kolsåstoppen |
| 23 | 🚗 | Heimfahrt |
Weitere Aktivitäten in Norwegen
Mountaincart bei Geilo: wenn ich das meinen Jungs gezeigt hätte, hätten sie wohl den ganzen Urlaub davon gesprochen. Da wir leider keine Zeit in Geilo eingeplant hatten, werden wir uns das wohl für den nächsten Besuch aufheben. Solche Mountaincarts kennen wir schon aus der Schweiz und sie sind ein echtes, rasantes Erlebnis!