Hardangervidda Trekking: Tag 1 von Valldalsvatnet zur Litlos-Hütte

Hardangervidda Trekking: Tag 1 von Valldalsvatnet zur Litlos-Hütte

trekking

T2

626m

183m

07:00

Jun-Okt

22.8km

Die Wanderung von Valldalsvatnet zur DNT-Hütte Litlos führt durch das westliche Hochplateau der Hardangervidda, eines der größten Hochgebirgsmassive Europas. Wir unternehmen diese 3-Tages-Wanderung als Familie mit unseren wanderbegeisterten Kindern (15 und 18).  Die Tour ist Teil des gut markierten Wanderwegenetzes des DNT (Den Norske Turistforening) und bietet Wanderern die Gelegenheit, die weite, unberührte Natur des norwegischen Hochlands zu erleben. 

Die Hardangervidda ist Europas größte Hochplateau- und Wildnisregion, geprägt von weiten Tundralandschaften, unzähligen Seen und einer einzigartigen Tierwelt, darunter die größte Rentierherde des Kontinents (welche wir leider nicht gesehen haben). Der Nationalpark zeichnet sich durch seine endlosen, offenen Weiten aus und der Möglichkeit, unberührte Natur über lange Strecken zu erleben, ohne auf Zivilisation zu stoßen. 

Wenn du also eine Wanderung suchst, auf welcher du größtenteils alleine unterwegs sein wirst, bist du in dieser Region perfekt aufgehoben. 

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Unsere geplante Mehrtageswanderung verläuft durch abwechslungsreiches Gelände: von Seen und Mooren über karge Hochflächen bis zu sanften Berghängen. Die durchgehende Markierung mit dem für Norwegen typischen roten T-Zeichen sowie gelegentliche Holz-Wegweiser erleichtert die Orientierung und macht die Route für erfahrene Tageswanderer oder Mehrtageswanderer, die unterwegs zelten oder in DNT-Hütten übernachten möchten, gut planbar.

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Übernachtung am Startpunkt der Wanderung

Da wir eine lange erste Etappe vor uns haben, möchten wir so nah wie möglich am Startpunkt der Wanderung übernachten, um früh starten zu können. Nach einiger Recherche finde ich heraus, dass es einen Parkplatz für Wanderer gibt, der genügend Platz für Autos bietet. Da wir mit unserem VW-Bus unterwegs sind, können wir im Auto und Zelt schlafen und sind dadurch bei der Platzwahl sehr flexibel. 

Die Anreise gestaltet sich sehr abenteuerlich. Zu Beginn des langgezogenen Valldalsvatnet-See weist ein Schild neben der Strasse darauf hin, dass diese geschlossen ist. Wir stehen neben einer Baustelle, so dass dieses Schild sehr plausibel erscheint. Zum Glück treffen wir auf Bauarbeiter, die uns versichern, dass die Strasse befahrbar ist. Da dies die einzige Strasse zum Startpunkt der Wanderung ist, bin ich erleichtert, als wir auf der engen und holprigen Strasse die nächsten 45 Minuten bis zum Ende vom See fahren. Unterwegs soll es laut der App Park4Night mehrere Stellplätze am See geben, aber wir können keinen einigen finden, der zur Beschreibung oder den Bildern in der App passt. So fahren wir bis zum Wanderparkplatz, der bereits mit ca. 40 Autos sehr gut gefüllt ist. Wow – hier ist ja echt was los, das hätten wir gar nicht erwartet. So ergattern wir einen der letzten Plätze und denken uns nichts, als wir bald schon von süssen, zutraulichen Schafen umgeben sind. Jöh – sind die herzig. Nach dem Abendessen gehen wir früh zu Bett und müssen feststellen, dass Schafe nachts nicht schlafen und ständig mit Fressen beschäftigt sind. Dies wäre ja kein Problem, wenn sie nicht alle eine Glocke um den Hals hätten. Immer wieder laufen sie direkt an unserem Zelt und Auto entlang und bringen uns so um den Schlaf und in den Wahnsinn. 

Am nächsten Morgen sind wir erleichtert, dass es endlich losgeht, und wünschen uns, den Rest des Urlaubs keinen Schafen mehr zu begegnen;-)

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Planung einer langen Etappe

Generell habe ich bei meiner Planung für unseren Wanderurlaub in Norwegen häufig unterschiedliche Zeitangaben für die einzelnen Etappen gefunden. Ich schaue meist nur auf die Zeitangaben und Höhenmeter und selten auf die Kilometer. Bei dieser Tour sollte man besser auch mal einen Blick auf die Länge der Tour werfen – wir haben nämlich eine sehr lange Etappe vor uns, zwar mit wenigen Höhenmetern, aber dafür knapp 23 Kilometer. Wir werden daher den ganzen Tag unterwegs sein und nach ca. 8 Stunden (inklusive Essens- und Badepausen) auf der Hütte sehr erschöpft ankommen. 

Bei fast allen unseren Norwegen-Wanderungen sind die Hütten knapp 20 Kilometer voneinander entfernt und bei meiner Planung ist mir das nicht weiter aufgefallen. Wenn man allerdings wie wir nur in Hütten übernachtet und kein Zelt dabei hat, sollte man sich dessen bewusst sein und derart lange Etappe über 3 oder mehr Tage auch laufen wollen. 

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Aufstieg in die Hardangervidda

Nach dem Seeufer beginnt der eigentliche Aufstieg. Am Parkplatz führt eine kleine Brücke über einen Bach und ein Wasserfall stürzt sich in die Tiefe. Der Weg führt über einen steilen Hang, der unseren Puls direkt zum Start in die Höhe treibt. Nach ca. 45 Minuten sehen wir in der Ferne die DNT Middalsbu-Hütte – an dieser werden wir am letzten Tag vorbeikommen. Wir biegen vorher an einer unscheinbaren Wegkreuzung links ab – hier navigierst du am besten mit deiner Karte, um diese Abzweigung nicht zu verpassen. Es folgt ein sehr steiler Aufstieg für die nächsten 30 Minuten, bis wir fast alle Höhenmeter des Tages hinter uns gebracht haben. 

Hier oben bietet sich ein weiter Ausblick über das Tal und den unter uns liegenden Valldalsvatnet See. 

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Immer wieder passieren wir kleine Bäche, die über einfache Holzbrücken oder Trittsteine überquert werden. 

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Die rote T-Markierung ist zuverlässig gesetzt, sodass die Orientierung auch in leicht nebligen Bedingungen möglich ist.

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Während des Aufstiegs verändert sich die Landschaft deutlich. Die Vegetation wird spärlicher, und das Gelände wird von vereinzelten Felsen, Moorflächen und kleinen Hügeln geprägt. Die Tiere der Region sind meist scheu, doch mit etwas Glück lassen sich Rentiere, Schneehasen oder vereinzelte Vögel beobachten. Wir haben bei unserer 3-Tages-Tour kein Glück und sehen weder Rentiere noch andere Tiere. 

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Das Plateau ist ökologisch interessant. Moose, Flechten und niedrig wachsende Sträucher dominieren die Vegetation. In den sumpfigen Bereichen wachsen seltene Pflanzen, die an die feuchten Bedingungen angepasst sind. Wanderer sollten die markierten Wege nicht verlassen, um die empfindliche Flora nicht zu beschädigen. Kleine Bäche durchziehen das Plateau, und je nach Jahreszeit kann der Untergrund teilweise sumpfig sein. Trittsicherheit ist daher unerlässlich. Ich würde auch knöchelhohe Wanderschuhe empfehlen, um nasse Füsse zu vermeiden. 

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Mittagspause am Badesee

Zur Mittagszeit erreichen wir einen wunderschönen Badesee. Der heutige Tag ist sehr heiss und schnell sind wir alle im Wasser. Im Vergleich zu anderen Seen ist dieser jedoch eher frisch, so dass nur unser ältester Sohn mit dem ganzen Körper ins Wasser geht. Wir sind froh über die Abkühlung und nachdem wir uns verpflegt und die Wasserflaschen aufgefüllt haben, laufen wir beschwingt weiter.

Tipp: Du kannst in Norwegen deine Wasserflasche in jedem fliessenden Gewässer auffüllen, so dass jeder von uns bei dieser Tour nur eine 1-Liter-Flasche dabei hatte. 

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Unser Badesee zieht sich ziemlich in die Länge und so schön er auch ist, kommen uns die 1,5 Stunden Wanderung an seinem Ufer ewig vor. Dafür ist der Weg unkompliziert und entspannt. Es folgt eine Überquerung eines etwas breiteren und tieferen Bachs. Ich hole mir dabei nasse Füsse und meine Schuhe trocknen den restlichen Tag nicht mehr. Da wir noch 2 Stunden Wanderung vor uns haben, ist das eher unangenehm und erhöht die Gefahr für Blasen. Von daher würde ich dir empfehlen, es wie mein Sohn auf dem Foto zu machen und besser die Schuhe bei diesen Bächen auszuziehen. Auf der restlichen Wanderung werde ich das auch beherzigen und immer wieder die Schuhe zum Bachqueren ausziehen. 

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Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und wir hoffen, bald an der Hütte anzukommen. Wir laufen am Ufer eines weiteren Sees (hier werden wir morgen entlanglaufen) und wir überqueren (sicheren Fusses auf einer Brücke) einen grösseren Bach mit einem kleinen Wasserfall. Vor uns liegt der See, an dessen Ufer die Litlos-Hütte liegt.

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Die DNT-Hütte Litlos liegt in greifbarer Nähe

Wir erreichen das Seeufer und können die Hütte auf der gegenüberliegenden Seite sehen. Auf dieser Seite des Sees sehen wir zahlreiche Zelte, die sich einen wunderbaren Ort für die Nacht ausgesucht haben. Wir müssen jedoch auf die andere Seite des Sees (noch wissen die Kinder nicht, dass wir morgen genau dieses Stück wieder zurücklaufen müssen..). Uff, wir hatten gehofft, dass es nicht mehr so weit sein würde, aber wir werden wohl mindestens weitere 30 Minuten unterwegs sein, bis wir die Hütte erreicht haben. 
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Litlos liegt idyllisch am Ufer eines kleinen Sees, umgeben von sanften Berghängen. Die Hütte selbst ist aus Holz gebaut und bietet einfache, aber komfortable Unterkünfte für Wanderer. Sie ist als Rast- und Übernachtungspunkt auf der Hardangervidda gut etabliert. Eine warme Mahlzeit und Frühstück können hier eingenommen werden. Besonders in der Hochsaison ist eine Reservierung empfehlenswert. Ich habe unser 4-Bett-Zimmer ungefähr 2 Monate vor unserer Tour gebucht und habe in allen Hütten die gewünschten (Familien-)Zimmer buchen können. 

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Die Hütte verfügt über warme Duschen, Steckdosen (Achtung: Der Generator wird nachts abgestellt) und Mehrbettzimmer. So schlafen wir in einem einfachen, aber zweckmässigen 4-Bett-Zimmer. Nach einer Dusche und frischen Klamotten sieht die Welt schon wieder ganz anders aus!

Das Abendessen wird im Essensraum serviert und ist sehr fleischlastig. Ich bestelle auf Hütten immer vorsichtshalber vegetarisch, merke aber bald, dass ich damit in Norwegen eher die Ausnahme bin. So steht ein riesiger Teller mit Fleischmassen genau vor meiner Nase und sogar meine Männer sind sehr zurückhaltend, während die Norweger herzhaft zugreifen. Nach dem Essen setzen wir uns noch in den gemütlichen Aufenthaltsraum und schauen uns norwegische Bücher an, bevor wir dann bald nach dem anstrengenden Tag ins Bett fallen. 

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Hier geht es zu allen Etappen unserer Tour durch den Hardangervidda-Nationalpark:

Und hier findest du die Liste all unserer Wanderungen in Südnorwegen:

ECKDATEN

Dauer6:30 Stunden
Länge22.8 km
Höhenunterschied↗ 626m ↘ 183m
SchwierigkeitT2
LageKommune Ullensvang, Norwegen
Tour durchgeführt imJuli 2025
Geeignet für KinderTechnisch sehr einfach, aber konditionell sehr anstrengend. Am besten mit älteren Teenagern planen, nicht mit jüngeren Kindern.
BuchempfehlungRother Wanderführer Norwegen Süd

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