Meraner Höhenweg mit Kindern: Von Hochmuth zu den Muthöfen, Longfall zum Quellenhof
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Vier Jahre sind vergangen, seit wir zuletzt auf dem Meraner Höhenweg unterwegs waren. Umso besonderer fühlt es sich an, wieder hier zu stehen und einen Abschnitt zu gehen, der weniger von großen Zielen lebt als vom ruhigen Dahinwandern entlang der Sonnenhänge oberhalb von Meran. Die Route von Hochmuth über die Muthöfe bis Richtung Longfall und hinunter zum Quellenhof zeigt einmal mehr, wie vielseitig sich dieser Weg gestalten lässt.
Der Meraner Höhenweg zählt zu den abwechslungsreichsten Fernwanderwegen in Südtirol und führt auf rund 100 Kilometern rund um den Naturpark Texelgruppe. Er verläuft meist auf mittleren Höhenlagen zwischen etwa 1.400 und 1.800 Metern und kombiniert gut begehbare Wege mit ständig wechselnden Landschaften, von schattigen Waldpassagen bis zu offenen Hängen mit weitem Talblick. Durch zahlreiche Zustiege ins Tal und eine sehr gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel lässt sich der Weg flexibel in Etappen oder auch als einzelne Tageswanderungen begehen. Damit gehört er zu den vielseitigsten und zugänglichsten Höhenwegen der Alpen.
Anreise und ein belebter Start in Hochmuth
Die Anreise verläuft unkompliziert. Vom Dorf Tirol bringt uns die Seilbahn hinauf nach Hochmuth, und schon während der Fahrt öffnet sich der Blick immer weiter ins Tal. Die Dächer von Meran rücken in die Tiefe, die Hänge gegenüber werden sichtbar, und darüber zeichnen sich die noch schneebedeckten Gipfel ab. Du wirst über das Schloss Tirol schweben und hast eine tolle Perspektive auf diese während der Fahrt – wenn möglich daher auf der linken Seite der Seilbahn stehen.
Oben angekommen empfängt uns direkt das typische Bild dieses bekannten Einstiegs: viele Menschen, geschäftiges Treiben, Stimmen, die sich überlagern. Wanderer schnüren ihre Schuhe, Gruppen sortieren sich, irgendwo klirren Kaffeetassen auf einer Terrasse. Hochmuth ist kein stiller Ort – und genau das gehört hier dazu.
Die Luft ist mild, fast schon frühlingshaft warm. Die Sonne steht noch nicht hoch, aber sie hat bereits Kraft. Gleichzeitig liegt noch diese klare Morgenluft in der Höhe, die alles ein wenig frischer wirken lässt.
Wir lassen uns Zeit, kommen erst einmal an. Der Blick schweift immer wieder hinaus ins Etschtal, das jetzt im weichen Licht liegt. Es ist einer dieser Momente, in denen man noch nicht losgehen möchte, weil schon das Stehenbleiben genug ist.
Noch bevor wir uns auf den Weg machen, biegen wir in Richtung Gasthaus Steinegg auf einen schmalen Pfad ab. Nach wenigen Minuten steilen Aufstiegs erreichen wir die Aussichtsplattform. Von hier wirkt alles noch einmal weiter. Die Landschaft öffnet sich, die Hänge ziehen sich in die Ferne, und irgendwo dahinter erahnt man schon die höheren Lagen des Höhenwegs. Die Plattform ist ein Ort, an dem man automatisch stehen bleibt. Kameras werden gezückt, Perspektiven ausprobiert, immer wieder ein Schritt nach links oder rechts. Von hier steigen wir wieder zum Ausgangsort ab und beginnen dort unsere Tour.
Entlang der Muthöfe – der Weg findet seinen Rhythmus
Die ersten Meter auf dem Meraner Höhenweg fühlen sich vertraut an. Der Weg ist breit, gut angelegt, und zieht sich nahezu eben entlang der Hänge. Genau das macht diesen Abschnitt so angenehm – kaum steile Anstiege, stattdessen ein gleichmäßiges Dahinwandern.
Mit jedem Schritt wird es etwas ruhiger. Der Trubel rund um Hochmuth bleibt schnell zurück, und die Geräusche verändern sich. Statt Stimmen hört man jetzt wieder mehr Natur: das Rascheln im Wald, das Summen der ersten Insekten, das entfernte Läuten von Kuhglocken. Die Muthöfe liegen verstreut am Hang, eingebettet zwischen Wiesen, Trockenmauern und kleinen Wegen und wir erreichen diese nach ungefähr einer halben Stunde. Hier wirkt alles ein wenig langsamer. Wir kommen an alten Höfen vorbei, sehen Holzstapel, gepflegte Gärten und immer wieder diese typischen Balkone mit Blick ins Tal.
Nach vier Jahren wieder hier zu sein, fühlt sich unerwartet vertraut an. Viele Erinnerungen kommen zurück – an lange Tage am Höhenweg, an Hütten, die noch vor uns lagen. Jetzt ist es anders. Ruhiger vielleicht, bewusster. Zudem sind wir auch nur noch zu dritt unterwegs, da unser ältester Sohn bereits eigene Wege geht. Es ist ein seltsames Gefühl, an welches man sich als Elternteil erstmal gewöhnen muss.
Unterwegs mit Blick – Frühling im Tal, Winter in den Bergen
Der Weg bleibt weiterhin angenehm flach mit der einen oder anderen Steigung. Immer wieder öffnet sich der Blick ins Tal, und es ist genau dieser Kontrast, der den Tag prägt. Unten zeigt sich der Frühling in sattem Grün, in blühenden Bäumen und warmem Licht. Weiter oben dagegen liegen noch Schneefelder, die Gipfel wirken kühl und klar.
Nachdem wir den anfänglich einfachen und breiten Wanderweg hinter uns gelassen haben, fängt der für uns spannende Wanderweg an. Kurz hinter den Muthöfen biegt man steil links ab (Achtung: Wegweiser etwas versteckt) – ab hier beginnt der für uns interessante Teil der Tour! Wunderschön angelegte Steinstufen wechseln sich ab mit Ketten und der Weg verläuft weiter im regelmässigen Bergauf und Bergab. Bei einer Stelle wird sogar vor Eis- und Steinschlag gewarnt, so dass man diese schnell passieren soll.
Einkehr am Gasthaus Longfall
Nach einem längeren steilen Abstieg taucht das Gasthaus Longfall vor uns auf. Es liegt etwas abseits am Hang, eingebettet zwischen Wald und offenen Wiesen, und wirkt wie ein kleiner Ruhepol entlang des Weges. Von hier aus könnte man weiter in die Texelgruppe aufsteigen oder aber auf einem der beiden Waalwege ins Tal hinablaufen.
Die Terrasse öffnet sich zur Talseite hin, und während wir uns setzen, fällt der Blick weit hinaus ins Passeiertal. Wir gönnen uns die wohlverdiente Mittagspause und lassen die Eindrücke wirken. Das leise Stimmengewirr, das Klappern von Geschirr, dazwischen immer wieder Stille. Es ist keine große Hütte, kein Trubel wie am Anfang der Tour – eher ein stiller Zwischenstopp, der gut in den Rhythmus dieses Tages passt. Während die Bewertungen im Netz fast durchweg begeistert klingen, bleibt unser Eindruck vom Essen eher zurückhaltend. Es ist solide, aber ohne besondere Höhepunkte. Das Knödeltris sticht dabei positiv heraus und bleibt am ehesten in Erinnerung.
Nach der Pause am Gasthaus Longfall gehen wir zunächst noch gemeinsam weiter. Der Weg bleibt dabei in seinem abwechslungsreichen Charakter, der sich schon vor Longfall deutlich gezeigt hat: immer wieder steigt er leicht an, fällt wieder ab und zieht sich in Wellen entlang der Hänge. Dieses ständige Auf und Ab begleitet uns auch jetzt weiter und macht den Abschnitt lebendig, ohne wirklich anstrengend zu wirken.
Der Wald wird dichter, und zwischen den Bäumen öffnen sich immer wieder kurze Fenster ins Passeiertal. Diese Wechsel aus geschützten, schattigen Passagen und freien Ausblicken prägen den Weg. Mal geht es über weiche Waldböden, dann wieder über etwas steinigere Abschnitte, die kurz die Aufmerksamkeit fordern, bevor der Pfad erneut in ruhigere Linien zurückfindet. Der Weg ist hervorragend gesichert und bereits im April in einem super Zustand. Somit eignet er sich auch für Wanderanfänger oder jüngere Kinder, ohne dass man sich Sorgen über Ausgesetztheit oder Schwierigkeitsgrad machen muss.
Wir gehen noch eine ganze Weile gemeinsam weiter, nehmen den Rhythmus des Weges an, der sich ständig leicht verändert. Gerade diese Mischung aus kleinen Anstiegen, kurzen Abstiegen und flachen Stücken macht den Abschnitt überraschend vielseitig. Nichts wirkt monoton, alles bleibt in Bewegung, ohne dass es je wirklich steil oder extrem wird.
Irgendwann öffnet sich erneut eine dieser besonderen Stellen am Hang. Eine einzelne Bank steht dort, fast unscheinbar und doch perfekt platziert. Der Blick reicht weit ins Passeiertal hinaus, über die gegenüberliegenden Hänge bis hin zu den noch schneebedeckten Gipfeln in der Ferne. Wir setzen uns für einen Moment. Es ist einer dieser Plätze, an denen der Weg kurz in den Hintergrund tritt und nur die Landschaft zählt.
Nach dieser Pause setzen wir den Weg fort. Die Route bleibt weiterhin im gleichen Charakter: Waldstücke wechseln sich mit offenen Abschnitten ab, der Pfad steigt leicht an und fällt wieder ab, ohne je ganz zur Ruhe zu kommen. Je näher wir Richtung Riffian kommen, desto mehr kündigt sich die Nähe zum Tal an. Wir laufen am Berggasthof Walde vorbei (Restaurant und Zimmer) und am wirklich herrlich gelegenen Unterthurnerhof (Bauernhof mit Übernachtungsmöglichkeit) vorbei – beide eignen sich hervorragend, wenn du die Tour hier unterbrechen möchtest.
An der Bushaltestelle Rifian, Abzweigung Gfeis, kommt schließlich der Punkt, an dem sich unsere Wege teilen. Unser Sohn steigt hier in den Bus ins Tal (er muss sich nach einer Knie-Operation immer noch schonen), während wir noch ein Stück weitergehen und den Tag in unserem eigenen Tempo ausklingen lassen.
Der Abstieg zum Quellenhof – zurück ins Tal
Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir den Höhenweg verlassen. Der Abstieg nach Saltaus beginnt unscheinbar, wird dann aber schnell steiler. Nach den vielen flachen Kilometern fühlt sich das zunächst ungewohnt an.
Der Weg führt durch Wald, über Wurzeln und schmale Pfade. Die Schritte werden konzentrierter, der Blick geht öfter nach unten. Gleichzeitig wird es wärmer, je tiefer wir kommen. Zwischen den Bäumen blitzt immer wieder das Tal durch. Häuser werden sichtbar, Straßen, das Leben unten, das sich ganz anders anfühlt als die Ruhe hier oben.
Unser Weg endet schließlich direkt beim Luxushotel Quellenhof – ein Kontrast, der kaum stärker sein könnte. Noch eben unterwegs auf schmalen Pfaden und durch Waldstücke, stehen wir plötzlich zwischen elegant gekleideten Hotelgästen und einer völlig anderen Welt. Mit Wanderschuhen und Rucksack wirkt dieser Übergang fast surreal. Wir halten uns nicht lange auf und gehen direkt weiter zur nahegelegenen Bushaltestelle, um von dort wieder zurück zum Ausgangspunkt der Tour zu gelangen.
Möchtest Du mehr über den Meraner Höhenweg erfahren? Ich habe all unsere Etappen von unserer Fernwanderung auf dem Meraner Höhenweg beschrieben. Dort findest Du auch Infos zu Kosten, Planung und eine Packliste.
ECKDATEN
| Dauer | 6:10 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 606m ↘ 1461m |
| Länge | 16.4 km |
| Schwierigkeit | T2 |
| Lage | Südtirol, Italien |
| Genaue Route | Hochmuth – Muthöfe – Longfall – Quellenhof |
| Tour durchgeführt im | April 2026 |
| Geeignet für Kinder | Ab ca. 8 Jahren. Technisch grösstenteils einfach, gelegentlich schmale, leicht ausgesetzte Wege. Mit Kindern unbedingt eine kürzere Etappe einplanen und unterwegs übernachten. |
| Buchempfehlung | Meraner Höhenweg |
Bist Du an weiteren Mehrtageswanderungen in Italien interessiert? Auf meiner Webseite findest Du zahlreiche Beschreibungen von Touren, die ich mit meiner Familie unternommen habe: wir wanderten 5 Tage entlang des Meraner Höhenwegs, waren 3 Tage im Rosengarten (Dolomiten) unterwegs, haben eine einsteigerfreundliche 3-Tages-Tour in den Sextener Dolomiten gemacht und in sind 3 Tage durch die Cinque Terre gewandert.
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