Jotunheimen Trekking: Tag 5 von Memurubu über den Bessegen-Grat nach Gjendesheim

Jotunheimen Trekking: Tag 5 von Memurubu über den Bessegen-Grat nach Gjendesheim

trekking

T4

1042m

1033m

05:50

Jun-Okt

14.1km

Am fünften Tag unserer Tour zeigt sich Norwegen von seiner besten Seite: strahlender Sonnenschein, klare Sicht und angenehme Temperaturen. Nach vier Tagen mit bewölktem Wetter ist dieser Tag der wichtigste unserer Wanderung, denn er führt über den berühmten Besseggen-Grat, eine der bekanntesten und landschaftlich spektakulärsten Routen Norwegens.

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Ich stehe vor allen anderen auf und gehe noch vor dem Frühstück hinaus. Der Sonnenaufgang an der Hütte ist atemberaubend: Der See liegt völlig ruhig da, während die Sonne gerade hinter den Bergen aufsteigt. Das Licht färbt die Wasseroberfläche goldorange und lässt die umliegenden Hänge in sanften Farben leuchten. Ich laufe in Richtung Fähranleger und komme an zahlreichen Zelten vorbei. Es gibt offizielle Stellplätze, und die Infrastruktur umfasst Wasserstellen und einfache Plumpsklos. 

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Auf dem Weg entdecke ich eine kleine Gruppe sehr süßer Ziegen, die neugierig die Umgebung erkunden. Für mich ist dieser Sonnenaufgang sicherlich eines der Highlights dieses Tages und ein Moment, den ich lange in Erinnerung behalten werde.

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Mit dem Boot nach Memurubu

Die erste Etappe führt anschließend über den See: Mit der Fähre von Gjendebu nach Memurubu legen wir die rund 30-minütige Strecke zurück. Das Boot fährt regelmäßig, gut organisiert, und bietet ausreichend Platz für Wanderer und ihr Gepäck. Direkt am Anleger in Gjendebu legen wir ab, das Wasser glänzt türkis im Sonnenlicht. Vom Boot aus fällt der Blick auf die steilen Berghänge, die sich fast senkrecht aus dem See erheben. Die Felsen wirken imposant, die Wasseroberfläche glatt und klar.

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Das Boot ist gut besucht. Viele Wanderer nutzen die Fahrt, um Zeit zu sparen oder ihre Tour zu verkürzen. Einige Familien mit kleinen Kindern, aber auch Gruppen mit großen Rucksäcken, die mehrtägige Touren planen, sind an Bord. Wir beobachten die unterschiedlichen Wandererprofile und merken schon jetzt, dass der Grat heute gut besucht sein wird.

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Ankunft in Memurubu

An der Memurubu-Hütte steigen wir aus. Die Anlage liegt direkt am Seeufer und dient als Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Grat. Es gibt hier die Möglichkeit, Gepäck direkt nach Gjendesheim schicken zu lassen, was viele Wanderer tun – wir entscheiden uns jedoch, alles selbst zu tragen. Die Hütte ist gut besucht, und an der Uferkante liegen Rucksäcke und Wanderschuhe, die für die Tour vorbereitet werden.

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Wir verlassen das Gelände von Memurubu und folgen den roten „T“-Markierungen in Richtung Besseggen. 

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Beginn des Anstiegs

Nach dem Verlassen von Memurubu folgen wir zunächst einem Höhenweg, der nach einem steilen Anstieg langsam abflacht. Wir wandern über die Hänge oberhalb des türkisblauen Gjende-Sees, der sich links von uns erstreckt. Nach etwa drei Stunden erreichen wir einen kleineren See, den Bessvatnet, von dem ein beeindruckender Wasserfall in die Tiefe stürzt. Unter uns glitzert der große Gjende-See, dessen smaragdgrüne Wasseroberfläche von der Sonne zum Leuchten gebracht wird.

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Nachdem wir den Wasserfall passiert haben, erreichen wir schließlich den See, an dessen Ufer wir bereits am ersten Tag unserer Tour entlanggelaufen sind. Hier beginnt der eigentliche Aufstieg auf den Besseggen-Grat. Der Pfad wird nun anspruchsvoller: lose Steine, kleine Felsstufen und teilweise schmale Passagen erfordern volle Konzentration. Der Grat zieht sich mehrere Kilometer entlang eines schmalen Kammrückens. Auf der linken Seite fällt der Berg steil hinunter zum Bessvatnet, auf der rechten Seite zum Gjende-See.

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Anspruchsvoller Gratweg

Der Pfad über den Grat ist anspruchsvoll. Einige Stellen erfordern kleine Klettereinlagen, vor allem auf den schmalen Passagen mit steilen Abstürzen. Die rote Markierung leitet sicher über die schwierigsten Stellen, aber Trittsicherheit und Konzentration sind unabdingbar. 

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Es fällt auf, dass auch Familien mit ca. achtjährigen Kindern unterwegs sind. Viele kleinere Kinder gehen geschickt, aber an steilen Stellen müssen sie von Erwachsenen begleitet werden. Andere Wanderer mit großen Rucksäcken kämpfen deutlich – speziell im Abstieg ist die Route deutlich schwieriger. Die meisten erfahrenen Wanderer empfehlen daher, den Grat im Aufstieg zu machen. Wenn du also flexibel in deiner Tourenplanung bist, würde ich dir empfehlen, die Tour in Memurubu zu starten und nicht in Gjendesheim. 

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Landschaftliche Höhepunkte

Die Ausblicke auf beiden Seiten des Grats sind atemberaubend. Nach Osten fällt der Blick über den Bessvatnet, dessen Wasser dunkelblau schimmert. Nach Westen reicht die Sicht über den Gjende-See, dessen smaragdgrünes Wasser durch die Sonne besonders intensiv wirkt. Die Sonne beleuchtet die Felsen, die Schatten kontrastieren stark mit dem hellen Wasser.

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Unterwegs treffen wir immer wieder Wanderer, die stehen bleiben, Fotos machen oder die Aussicht genießen. Der Grat zieht sich lang, und die Landschaft wechselt zwischen felsigen Abschnitten, schmalen Pfadpassagen und grasbewachsenen Zwischenflächen. Kleine Felsstufen und Schutthänge erfordern genaues Hinsehen. Trittsicherheit ist überall wichtig. Es hat jedoch immer genügend Platz, um sich auszuweichen oder gar zu überholen. 

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Auf- und Abstiegskombinationen

Wir achten darauf, die schwierigsten Stellen zu Fuß im Aufstieg zu nehmen. Viele andere Wanderer haben im Abstieg bereits Schwierigkeiten, vor allem die mit schweren Rucksäcken. Lose Steine und schmale Passagen erschweren die sichere Fortbewegung. Im Aufstieg ist das Gleichgewicht einfacher zu halten, und die Route lässt sich kontrolliert bewältigen.

Unterwegs treffen wir immer wieder Gruppen, die große Pausen einlegen oder diskutieren, wie viel Kraft die Route kostet. Viele haben die Länge der Tour unterschätzt und kämpfen deutlich. Besonders im Abstieg würden schwere Rucksäcke und nachlassende Kondition die Route deutlich schwieriger machen.

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Blick auf den See und Rast

Nach gut zwei Stunden Aufstieg erreichen wir eine Anhöhe, von der sich der Blick noch einmal weitet. Rechts liegt der Gjende-See, links der Bessvatnet. Die Sonne reflektiert auf dem Wasser, die Farben leuchten intensiv. Der Pfad bleibt anspruchsvoll. Kleine Klettereinlagen wiederholen sich, besonders auf dem mittleren Abschnitt des Grats. Die roten „T“-Markierungen führen uns sicher, dennoch erfordert jeder Schritt volle Konzentration. Auf den schmalen Stellen gehen wir hintereinander, um Platz für andere Wanderer zu lassen.

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Ankunft in Gjendesheim

Nach mehreren Stunden erreichen wir schließlich Gjendesheim, das östliche Ende des Gjende-Sees. Die Hütte und der Parkplatz liegen direkt am Seeufer. Vor uns liegt die große Cafeteria, die deutlich mehr Betrieb zeigt als alle vorherigen Hütten. Wanderer kommen aus allen Richtungen an, tauschen Routeninformationen aus oder genießen das erste kalte Getränk nach der Anstrengung.

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Rückfahrt zum Parkplatz

Vom Hüttengelände fahren wir mit dem Bus zurück zum Parkplatz, wo wir das Auto für die gesamte Tour geparkt hatten. Die Busfahrt ist kurz, aber angenehm. Unterwegs ziehen die Berge und Seen langsam an uns vorbei. Die letzten fünf Tage ziehen Revue vor unserem inneren Auge vorbei: von den ruhigen Etappen in Hochgebirgslandschaften bis hin zur vollen touristischen Route am Besseggen-Grat.

Der Besseggen-Grat bei sonnigem Wetter erweist sich als landschaftlicher Höhepunkt der gesamten Tour. Die Strecke ist anspruchsvoll, die Kletterstellen erfordern Trittsicherheit, und die Länge darf nicht unterschätzt werden. Auch wenn man immer wieder Familien mit jüngeren Kindern gesehen hat, darf nicht vergessen werden, dass eine gute Kondition und Erfahrung im alpinen Gelände Voraussetzung für diese Tour ist. Die Aussicht auf Gjende-See und Bessvatnet ist unvergleichlich, und die Route sollte – wenn möglich – im Aufstieg begangen werden, da der Abstieg für deutlich schwieriger ist.

ECKDATEN

Dauer5:50 Stunden
Länge14.1 km
Höhenunterschied↗ 1042m ↘ 1033m
SchwierigkeitT4
LageGemeinde Vågå , Norwegen
Tour durchgeführt imJuli 2025
Geeignet für KinderTour technisch im Grat sehr anspruchsvoll. Haben unterwegs Kinder ab ca. 8 Jahren gesehen. Diese müssen zwingend schwindelfrei und bergerfahren sein. Konditionell anspruchsvoll mit ca. 6 Stunden.
BuchempfehlungRother Wanderführer Norwegen Süd

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