2-Tages-Wanderung zur DNT Blafjellenden Hütte
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T2
757m
757m
04:00
May-Nov
9.3km
Die Wanderung von Eikeskog zur DNT-Hütte Blåfjellenden zählt zu den langen, fordernden Tagesetappen im norwegischen Fjell. Sie verbindet das dicht bewaldete Frafjordtal mit der offenen Hochebene oberhalb des Rogaland. Schon am Beginn wartet mit dem Månåfossen ein landschaftliches Highlight: ein Wasserfall, der senkrecht fast 90 Meter in die Tiefe stürzt. Kurz hinter dem Wasserfall liegt die Friluftsgarden Mån, eine restaurierte Gebirgsgutshofanlage mit Übernachtungsmöglichkeiten und Zeltplätzen. Anschließend führt der Weg über viele Stunden durch weite, einsame Landschaften bis zu einer der schönsten Selbstversorgerhütten der Region.
Wir starten bei sonnigem und trockenem Wetter, ideale Bedingungen für eine lange Etappe. Die Strecke ist anspruchsvoll, lang und abwechslungsreich. Unsere Kinder (15 und 18 Jahre) bewältigen die Höhenmeter zügig, doch die Tour erfordert Konzentration und Pausen. Entdeckt habe ich diese Mehrtagestour im Rother Wanderführer Südnorwegen. Auf der Suche nach Blogbeiträgen mit Fotos und ausführlicherer Beschreibung bin ich aber nicht fündig geworden, so dass ich hoffe, dass mein Blogbeitrag dir bei deiner Tourenplanung helfen wird, um einschätzen zu können, ob diese 2-Tages-Wanderung für dich geeignet ist.
Startpunkt Eikeskog
Eikeskog ist ein kleiner Weiler mit wenigen verstreuten Höfen. Die enge Strasse windet sich in zahlreichen Kehren bergauf, bis wir schliesslich den offiziellen Parkplatz erreichen. Hier startet der markierte Pfads ins Tal des Månåfossen. Der Parkplatz ist bereits gut gefüllt, so dass du früh anreisen solltest. Zudem ist der Wasserfall das Ziel zahlreicher Kreuzfahrttouristen, die hier in Reisebussen hergefahren werden, so dass hier einiges los ist. Am Parkplatz gibt es eine Toilette, jedoch kein Trinkwasser.
Die Parkgebühren (NOK 50/Tag) müssen vor Ort bezahlt werden. Möglich ist entweder Barzahlung, über die App EasyPark oder Vipps. Es empfiehlt sich, vorab Bargeld bereitzuhalten oder eine der Apps herunterzuladen, um die Bezahlung problemlos zu erledigen.
Nachdem wir unser Auto abgestellt und die Parkgebühr bezahlt haben, folgen wir dem Touristenstrom hoch zum Wasserfall. Vom Parkplatz aus führt ein gut markierter Pfad in Richtung Wasserfall. Der Weg ist die gesamte Strecke steil und erfordert eine gute Grundkondition. Auf den schwierigeren Abschnitten sind Metallketten oder Leitern befestigt, die den Aufstieg erleichtern und zusätzliche Sicherheit bieten. Die Strecke ist etwa 1 km lang und kann in rund 30 Minuten bewältigt werden. Der Pfad ist uneben, steinig und bei Nässe rutschig. Zwischendurch müssen wir bereits die erste Klamottenschicht ausziehen, da wir ziemlich ins Schwitzen kommen. Wir schlängeln uns an zahlreichen Wanderern vorbei, die bis zum Wasserfall aufsteigen. Am Ende des Aufstiegs erreichen wir einen Aussichtspunkt mit Blick auf den 92 Meter hohen Wasserfall.
Der Månåfossen und die Friluftsgarden Mån
Der grösste Wasserfall der Region Rogaland ist sehr eindrücklich, scheint aber aktuell eher weniger Wasser mit sich zu führen. Wir haben bereits Fotos gesehen, auf denen enorme Wassermassen ins Tal stürzen. Auch wenn es sehr touristisch ist, ist es ein toller Einstieg in diese Tour. Sobald du den Wasserfall hinter dir gelassen hast, wirst du fast alleine unterwegs sein – nur wenige Wanderer laufen weiter.
Etwa 1,3 Kilometer hinter dem Wasserfall liegt die Friluftsgarden Mån. Die Hütte ist Teil einer restaurierten Gebirgsgutshofanlage. Die Unterkunft bietet Zimmer für rund 30 Personen, einen Aufenthaltsraum, sanitäre Einrichtungen und Zugang zu frischem Wasser. Wer möchte, kann die Nacht hier verbringen oder die Zeltplätze entlang des Flusses nutzen. Das Gelände ist ruhig und bietet ausreichend Platz für Familien. Der untere Bereich der Hütte ist zugänglich und es befindet sich ein kleines Museum dort. Wer hier übernachten möchte, muss sich vorrangig einen Schlüssel besorgen, um in die Schlafbereiche zu gelangen. Wenn du genügend Zeit hast, würde ich dir eine Übernachtung in dieser Hütte vorschlagen, da sich die Tour bis zur Blafjellenden-Hütte so um ca. 1 Stunde verkürzt und du hier eine traumhafte Hütte zum Übernachten haben wirst!
Aufstieg ins Fjell
Hinter der Friluftsgarden Mån verändert sich die Landschaft deutlich. Aus dem dichten Wald wird offenes Gelände mit Birken, Farnen und kleinen Moorflächen. Der Weg verläuft entlang des Flusses, mal auf schmalen Pfaden, mal über Steintreppen. Wir queren kleine Bäche über Steine und Bohlen.
Mit zunehmender Höhe öffnen sich die Täler. Hinter jeder Kuppe erwarten uns neue Ausblicke: sanfte Hügel wechseln sich mit felsigen Platten ab, dazwischen liegen zahlreiche Seen und Tümpel. Der Boden ist sumpfig, dennoch bei trockenem Wetter gut begehbar. Wir erreichen einen alpin wirkenden Abschnitt und müssen für die nächsten 30 Minuten unzählige Steinblöcke überqueren. Wir kommen nur langsam voran – der Weg ist immer wieder uneben, schmal und erfordert viel Konzentration.
Wir erreichen den ersten See, laufen jedoch oberhalb von diesem auf einem Höhenweg. Der Weg verläuft entlang des bewaldeten Hangs in leichtem Auf und Ab. Am Ende vom See steigen wir hinab und erreichen den Zufluss. Hier am Bach finden wir den perfekten Platz für unsere Mittagspause. Die Kinder springen wagemutig ins doch eher frische Wasser. Da wir bei gefühlten 30 Grad unterwegs sind, ist dies eine willkommene Erfrischung. Der Weg bietet zwar viel Schatten, aber wir sind auch sehr häufig der Sonne ausgesetzt.
Ein weiter Weg durch das Hochland
Der Weg nach Blåfjellenden zieht sich über viele Stunden. Die Distanz beträgt rund 20 Kilometer, mit etwa 1.000 Höhenmetern im Aufstieg. Selbst geübte Wanderer benötigen dafür einen ganzen Tag. Die Strecke ist lang und stellenweise eintönig, doch immer wieder öffnen sich weite Panoramen.
Markant sind die vielen Seen und Wasserläufe. Kristallklares Wasser sammelt sich in Mulden und glitzert in der Sonne. Manche Seen liegen zwischen runden Granitkuppen, andere sind langgestreckt. Wir füllen an mehreren Stellen Trinkwasser nach – eine große Erleichterung auf dieser Etappe. Wir haben jeder 2 Wasserflaschen mit insgesamt 1,5l Fassungsvermögen dabei. Auf dieser Tour hätte jedoch eine 1l-Wasserflasche ausgereicht, da wir immer wieder an fliessenden Bächen unsere Flaschen auffüllen können.
Der Weg ist relativ gut ausgeschildert bzw. mit dem roten T versehen. Jedoch wächst die Vegetation hier sehr üppig, so dass die Wege teilweise überwachsen sind. Wir vermuten, dass viele aufgrund der Länge der Etappe andere Zustiege zur Hütte wählen, so dass der Weg wohl eher weniger begangen wird. Ich empfehle dir daher, den gpx-Track auf dein Handy zu laden und eine Offline-Karte dabeizuhaben, so dass du unterwegs bei Unsicherheit immer prüfen kannst, ob du noch auf dem richtigen Weg bist.
Nachdem wir am ersten grösseren See entlanggelaufen sind, wechseln wir die Seite und erreichen nach einem fast dschungelartigen Waldstück einen zweiten grossen See. Wir haben aus unserer erhöhten Position einen tollen Blick ins Tal und sehen vor allem, welches Stück noch vor uns liegt. Der Weg führt hinab zum See und dort laufen wir in einem entspannten Auf und Ab am Ufer entlang. Wir passieren sogar kleine Strände, die sich perfekt zum Baden eignen würden!
Wir passieren einen weiteren Wasserfall und laufen in leicht alpinem Gelände am Ufer das Bachs entlang. Wir wünschen uns mittlerweile, dass die Hütte endlich in Sichtweite kommt, aber vorher müssen wir noch ein von Felsen durchzogenes, leicht ansteigendes Wegstück passieren, bis die Hütte endlich sichtbar wird.
Der Versuch, ein Schaf zu retten
Die Vegetation oberhalb der Waldgrenze ist karg, aber vielfältig: niedrige Birken, Moose, Flechten und Heidelbeersträucher prägen das Bild. Wir treffen auf Schafe, die frei durch das Hochland ziehen. Ihre Glocken sind von weitem zu hören.
Plötzlich stoppt mein Mann und meint, dass hier ein Schaf feststecken würde. Erst glaube ich, dass er einen Scherz macht, aber da steckt wirklich ein junges Schaf im Schlamm fest. Die Situation ist jedoch ohne Hilfsmittel aussichtslos, da der Schlamm über 1 m tief ist. Für 30 Minuten versuchen wir, das Schlamm aus seiner misslichen Lage zu befreien und haben es zur Hälfte raus, als es sich bewegt und wieder zurückrutscht. Wir geben ihm Wasser und Gras, welches es gierig frisst. Mehr können wir leider nicht machen. Wir werden am Folgetag aber eine Email an die zuständige Behörde mit Angabe des genauen Standortes und der am Schaf befestigten Nummer schicken, damit sie den Schäfer informieren können.
Zum Glück ist ganz in der Nähe der Bach, so dass wir uns abduschen können – wir riechen sehr stark nach Schaf und werden den Geruch noch ein paar Tage an uns tragen. Schnell stellen wir fest, dass die Hütte auf dem Hügel, welche wir gesehen haben, zwar wunderschön gelegen ist, aber immer noch nicht unsere DNT-Hütte ist.
Ankunft bei der Blåfjellenden-Hütte
Nach vielen Stunden Marsch und einem letzten, sehr steilen Anstieg erreichen wir die Blåfjellenden-Hütte. Sie liegt auf rund 600 Metern Höhe am Rand eines Hochplateaus. Mehrere Hütten bilden zusammen ein harmonisches Ensemble, umgeben von Felsen, Birken und einem kleinen Badesee. Die Hütten verteilen die Besucher gut, sodass auch größere Gruppen ausreichend Platz finden. Wir können gar nicht glauben, dass wir statt der geplanten 5-6 Stunden fast 9 Stunden unterwegs waren (30 Minuten davon gehen aber für die versuchte Schafsrettung drauf). Wir sind sehr fitte Wanderer, aber in Norwegen rechnet man besser mit 2km/h bei der Wanderplanung. Zudem waren wir an einem heissen Tag unterwegs und es gibt nur wenig Schatten auf dieser Tour, was uns noch langsamer gemacht hat.
Die Architektur ist typisch für moderne DNT-Hütten: Holz dominiert die Fassaden, große Glasflächen lassen viel Licht in die Aufenthaltsräume und bieten einen weiten Blick auf das Fjell. Die Hütte wirkt funktional und zugleich wohnlich. Besonders die Terrasse fällt auf. Sie erstreckt sich entlang der Haupthütte und bietet Raum zum Sitzen und Ausruhen. Von hier aus haben wir einen direkten Blick auf die umliegenden Seen, Felsformationen und die offene Hochebene. Wir sind total begeistert von „unserer“ ersten DNT-Hütte – da habe ich ja wirklich die perfekt gelegene Hütte ausgesucht. Schnell kommen wir mit Norwegern ins Gespräch, die heute auch hier übernachten werden und die uns bestätigen, dass die Hütte für norwegische Verhältnisse einen besonders schönen Blick hat!
Die Hütte ist eine Selbstversorgerhütte. Proviant bringen wir selbst mit, gekocht wird in der gut ausgestatteten Küche. Diese umfasst mehrere Kochstellen, Töpfe, Geschirr, Besteck und ausreichend Arbeitsfläche für Gruppen. Die Aufenthaltsräume sind hell und großzügig, mit langen Tischen, an denen sich mehrere Wanderer gleichzeitig niederlassen können. Auch bei voller Belegung bleibt genug Raum, um Mahlzeiten vorzubereiten und gemeinsam zu essen.
Die Schlafräume sind einfach, aber funktional. Mehrere kleine Zimmer bieten Stockbetten mit Matratzen, Decken und Kissen. Wie in allen DNT-Hütten ist ein eigener Hüttenschlafsack notwendig. Für Familien oder kleine Gruppen bieten die Zimmer ausreichend Privatsphäre. Für uns habe ich ein 4-Bett-Zimmer gebucht, welches im Haupthaus gelegen ist. Die anwesenden norwegischen Gäste erklären uns, wie alles funktioniert und wo man Wasser vom See holen kann.
Besonders praktisch ist der Zugang zu Wasser: Trink-, Koch- und Abwaschwasser holen wir aus dem nahegelegenen Badesee, ein kurzer Pfad führt vom Hüttenbereich zum Ufer. Wenn die Im Sommer bietet der See zudem die Möglichkeit für ein erfrischendes Bad. Die Hütte verfügt über sanitäre Einrichtungen, ausreichend Toiletten und Waschmöglichkeiten.
Die Blåfjellenden-Hütte ist sowohl Ziel einer langen Tagesetappe als auch Ausgangspunkt für weitere Touren. Von hier aus führen Wege nach Sandvatn, zurück Richtung Månåfossen oder hinunter zum Lysefjord bei Flørli. Die Kombination aus funktionaler Ausstattung, großzügigen Aufenthaltsbereichen und dem direkten Zugang zur Natur macht sie zu einer der angenehmsten Selbstversorgerhütten in der Region Rogaland.
Am Abend besprechen wir den nächsten Tag mit einheimischen Wanderern. Wir wollten ursprünglich den gleichen Weg zurücklaufen, können es uns aber gar nicht so richtig vorstellen und suchen daher nach kürzeren Alternativen. Zudem waren wir die einzigen Besucher, die vom Tal aufgestiegen sind. Alle anderern Wanderer sehen im Vergleich zu uns recht frisch aus und hatten viel kürzere Zustiege. So entscheiden wir uns für den direkten Abstieg nach Hunnedalen, um von dort mit dem Taxi oder Bus zum Ausgangsort zurückzukommen, wo unser Auto abgestellt ist.
ECKDATEN
| Dauer | 7:00 Stunden |
| Länge | 14.1 km |
| Höhenunterschied | ↗ 640m ↘ 168m |
| Schwierigkeit | T2 |
| Lage | Kommune Gjesdal, Norwegen |
| Tour durchgeführt im | Juli 2025 |
| Geeignet für Kinder | Technisch grösstenteils einfach, aber konditionell und durch den Wegezustand sehr anstrengend. Nur mit älteren Teenagern planen, nicht mit jüngeren Kindern. |
| Buchempfehlung | Rother Wanderführer Norwegen Süd |
Tag 2: Abstieg nach Hunnedalen
Nach einer erholsamen Nacht brechen wir nach dem Frühstück auf. Wir wollen uns nicht wirklich von der Hütte trennen – wir haben uns sehr wohlgefühlt und die Landschaft ist wirklich einrücklich! Wir mögen die Idee einer Selbstversorgerhütte und natürlich auch die so tyische rote Aussenfarbe der norwegischen Häuser, die sich perfekt vom Hintergrund der Landschaft abheben.
Das Wetter ist sonnig und klar, die Sicht weit. Unmittelbar hinter der Hütte führt der Pfad über Holzplanken. Diese hätten wir bei unserer gestrigen Wanderung gut gebrauchen können, da wir dort oft durch feuchtes Moos laufen mussten und ziemlich nasse Füsse bekamen. Es ist ein sanfter Einstieg in die heutige Wanderung.
Von der Hütte führen viele weitere Wanderwege zu nahegelegenen Hütten, so dass wir unterwegs viele Wanderer treffen, die auch für mehrere Tage unterwegs sind. Du kannst hier mehrere Hütten miteinander kombinieren und so deine Traumtour zusammenstellen.
Über Moore und sumpfige Senken
Nachdem wir den ersten steilen Aufstieg geschafft haben, flacht der Weg merklich ab. Die Weite fällt auf: Wasserflächen, Moose und Flechten prägen den ersten Teil des Aufstiegs. Von hier hat man einen weiten Blick über das Fjell.
Bald folgt eine Zone mit Mooren und feuchten Senken. Holzbohlen erleichtern an einigen Stellen den Übergang, doch auch hier bleibt der Boden weich und erfordert etwas Aufmerksamkeit.
Mehrfach queren wir kleine Bäche, die klar und kalt durch das Gelände ziehen. An den Ufern wächst Wollgras, das im Sonnenlicht auffällt. Trotz sumpfiger Abschnitte wirkt die Landschaft bei schönem Wetter freundlich und offen.
Kleine Seen und abwechslungsreiche Passagen
Auf halber Strecke erreichen wir mehrere kleine Seen. Der Weg führt teils am Ufer entlang, teils über kleine Felsrücken. In den stillen Wasserflächen spiegeln sich Himmel und Berge, wodurch die Landschaft besonders eindrucksvoll wirkt.
An warmen Tagen bieten sich diese Seen auch für eine kurze Rast oder gar einen Badestopp an. Der Weg bleibt abwechslungsreich, mit schmalen Pfaden und kurzen Anstiegen.
Abstieg ins Hunnedalen
Nach etwa fünf Kilometern setzt der eigentliche Abstieg ins Tal ein. Heute Der Pfad führt in langen Kurven abwärts, verliert rund 300 Höhenmeter und bringt uns Schritt für Schritt näher an die Straße.
An diesem sonnigen Tag sind viele Norweger unterwegs. Uns kommen zahlreiche Wanderer entgegen, die in der Gegend Sommerhütten haben. Freundlich wechseln sie ein paar Worte, fragen nach unserem Ziel oder erzählen kurz von ihren Hütten.
Diese Begegnungen verleihen der Etappe einen geselligen Charakter. Im Fjell, das sonst oft von Einsamkeit geprägt ist, entsteht so ein lebendiges Bild, das typisch für norwegische Sommerwochen ist.
Die Vegetation verändert sich deutlich: Aus niedrigen Birken werden größere Bäume, Farne und dichteres Buschwerk kommen hinzu. Der Kontrast zwischen der kargen Hochfläche oben und dem grünen Tal unten wird spürbar.
Ankunft im Tal
Nach einem letzten, steilen Abstieg erreichen wir das Hunnedalen. Der Pfad endet direkt an der Straße und in der Umgebung sind mehrere grosse Parkplätze zu sehen. Wir suchen vergeblich eine Bushaltestelle und auch das lokale Taxiunternehmen kann uns nicht weiterhelfen. Mist – so hatten wir uns das nicht vorgestellt. So bleibt uns nichts anderes übrig, als per Anhalter zurück zum Auto zu fahren. Da wir mit 4 Personen wohl nicht mitgenommen werden, beschliessen wir unser Glück zu zweit zu probieren und die Kinder zurückzulassen. Ein vorbeispazierender Norweger hat uns nämlich vom Ehrenkodex der Norweger erzählt, dass es selbstverständlich ist, Wanderer mitzunehmen, wenn es keine Busverbindung hat. Nach ca. 20 Minuten haben wir Glück und ein norwegisches Pärchen bietet uns ihre Hilfe an. Als wir ihnen berichten, wo genau wir hinmüssen, fahren sie sogar einen 30-minütigen Umweg, um uns direkt am Parkplatz von unserem Auto rauszulassen. Wir sind total baff – soviel Freundlichkeit hatten wir gar nicht erwartet. Und zusätzlich hatten wir ein sehr interessantes Gespräch mit ihnen über Norwegen, die Eigenheiten der Einwohner, ihre Sprache. Endlich können wir all die Fragen stellen, die uns in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sind. Unsere Kinder sind überglücklich, als wir sie schliesslich am Wartepunkt aufnehmen – sie hatten sich auf eine viel längere Wartezeit eingestellt.
Fazit
Ich bin hin- und hergerissen, ob ich die Wanderung so empfehlen soll, wie wir sie durchgeführt haben. Wenn ich die Tour ein zweites Mal planen würde, würde ich das Auto in Hunnedalen lassen und von dort eine 2- oder 3-Tages-Tour planen. Logistisch ist unsere Tour nur per Anhalter machbar. Auf der anderen Seite hätten wir dann den ersten Tag verpasst, an welchem wir komplett alleine unterwegs waren und uns langsam der Hütte genähert haben. Die ursprünglich geplante Tour (gleicher Weg hin und zurück) würde ich hingegen nicht empfehlen, da es dann zwei doch sehr lange Tage sein werden.
ECKDATEN
| Dauer | 3:00 Stunden |
| Länge | 7.8 km |
| Höhenunterschied | ↗ 276m ↘ 279m |
| Schwierigkeit | T2 |
| Lage | Kommune Gjesdal, Norwegen |
| Tour durchgeführt im | Juli 2025 |
| Geeignet für Kinder | Technisch und konditionell relativ einfach, mit Kindern ab ca. 8 Jahren möglich. |
| Buchempfehlung | Rother Wanderführer Norwegen Süd |