Wanderung zum Kjeragbolten – Norwegens berühmtester Felsblock
Silvie Kommentare 0 Kommentare
T2
757m
757m
04:00
May-Nov
9.3km
Der Kjeragbolten ist einer der bekanntesten Fotospots Norwegens. Ein tonnenschwerer Felsblock, eingeklemmt zwischen zwei senkrechten Felswänden, hängt 1.000 Meter über dem Lysefjord. Der Anblick ist spektakulär – ebenso wie die Wanderung dorthin. Die Tour gilt als anspruchsvoll und ist nichts für Anfänger. Wer sich aber die Mühe macht, wird mit eindrucksvollen Ausblicken und einer der bekanntesten Felsformationen Skandinaviens belohnt.
Ausgangspunkt Øygardstøl
Der Startpunkt liegt am Parkplatz Øygardstøl (auch als Kjerag-Parkplatz bekannt) auf etwa 640 Metern Höhe. Von Stavanger aus fährt man gut zwei Stunden mit dem Auto, die letzten Kilometer über eine schmale, kurvige Bergstraße. Am Parkplatz befindet sich ein kleines Restaurant mit Toiletten. Hier beginnt der markierte Wanderweg zum Kjeragbolten.
Da wir früh starten wollten, haben wir einige Kilometer vom Parkplatz entfernt in unserem VW-Bus übernachtet (es hat hier zahlreiche kostenlose Stellplätze, am besten bereits nachmittags mit der Stellplatzsuche starten). So sind wir bereits gegen 7:30 Uhr am Parkplatz und können dort unsere Tour starten. Durch den frühen Start wirst du relativ alleine unterwegs sein und beim Kjeragbolten auch nur wenige andere Besucher antreffen. So werden dir erst beim Rückweg die Menschenmassen entgegenkommen.
Die Tour ist offiziell mit rund 5 Stunden Gehzeit ausgeschildert (wir haben insgesamt 4 Stunden benötigt), bei einer Gesamtstrecke von etwa 11 Kilometern (hin und zurück) und ca. 800 Höhenmetern im Auf- und Abstieg.
Erste Steilstufe – Eisenketten und glatte Felsen
Direkt hinter dem Parkplatz beginnt der erste Aufstieg. Über blankgeschliffene Felsplatten geht es steil nach oben. Eisenketten sind im Fels verankert, an denen man sich festhalten kann. Bei Nässe oder Schnee sind diese Passagen rutschig und erfordern Vorsicht.
Nach etwa 30 Minuten erreicht man eine erste Hochfläche, die sich deutlich abflacht. Der Blick öffnet sich zurück ins Tal. Schon hier wird deutlich, wie karg die Landschaft ist: graue Felsen, spärliche Vegetation, kleine Seen in Mulden.
Zweiter Anstieg über Felsplatten
Nach einer kurzen Passage über eine leicht gewellte Hochfläche folgt bereits der nächste Aufstieg. Auch hier dominieren glatte Felsplatten, teilweise wieder mit Ketten gesichert. Der Weg bleibt technisch fordernd, verläuft aber ohne nennenswerte Abstiege.
Oben weitet sich die Aussicht erstmals in Richtung Fjell-Landschaft: helle Granitflächen, kleine Schmelzwasserseen und kaum Vegetation.
Dritter Aufstieg – der letzte Anstieg vor dem Kjerag
Ein dritter, längerer Aufstieg folgt. Auch hier helfen Eisenketten an den steilen Passagen. Danach erreicht man eine weite, offene Hochfläche, die fast eben verläuft. Von hier sind es noch rund zwei Kilometer bis zum Kjeragbolten. Der Weg führt sanft ansteigend über Felsplatten, vorbei an kleinen Rinnen, in denen sich Wasser sammelt. Kunstvoll wurden auch hier Felsplatten zu Treppenstufen aufgeschichtet, die dir den Aufstieg erleichtern, jedoch sehr steil sind!
Am Rand des Lysefjords
Plötzlich öffnet sich der Blick: Mehr als 1.000 Meter tief fällt die Wand senkrecht in den Lysefjord ab. Der 42 Kilometer lange Fjord zieht sich zwischen steilen Berghängen in die Ferne. Der Kontrast zwischen der offenen Hochfläche und dem abrupten Abbruch ist eindrucksvoll.
Ab hier folgt der Weg den Felsplatten leicht abwärts, bis der markante Kjeragbolten in Sicht kommt.
Der Kjeragbolten
Der Felsblock ist rund 5 Kubikmeter groß und steckt wie eingeklemmt zwischen zwei Felswänden. Direkt darunter geht es 984 Meter in die Tiefe.
Viele Besucher wagen den Schritt auf den Block, um das berühmte Foto zu machen. Technisch ist es einfach: ein kleiner Sprung über eine Spalte von kaum einem halben Meter. Doch psychologisch ist es eine Herausforderung. Links und rechts fällt die Wand sofort ab.
Wer den Schritt nicht gehen möchte, kann den Block von der Seite betrachten. Auch so lässt sich die Besonderheit dieser geologischen Formation erleben.
Abstecher zur Kjerag-Wand
Nur wenige Minuten entfernt liegt die sogenannte Kjerag-Wand, ein weiterer spektakulärer Aussichtspunkt. Von hier blickt man senkrecht in die Tiefe des Fjords. Basejumper nutzen diese Stelle, um mit Fallschirmen in den Fjord zu springen – ein Hinweis darauf, wie steil und hoch die Wand ist.
Rückweg
Der Rückweg erfolgt auf derselben Route. Durch die drei Aufstiege und Abstiege summieren sich die Höhenmeter, was die Tour insgesamt anstrengend macht. Bei Nässe oder Nebel erhöhen sich die Anforderungen deutlich, da die Felsen sehr glatt werden und die Orientierung schwieriger ist.
Anforderungen und Ausrüstung
Die Wanderung zum Kjeragbolten gilt als anspruchsvolle Bergtour. Sie setzt folgende Ausrüstung voraus:
Wanderschuhe mit gutem Profil
Wetterfeste Kleidung, da das Wetter rasch umschlagen kann
Verpflegung und Wasser für den ganzen Tag
Trittsicherheit und gute Kondition
Beste Jahreszeit
Die Route ist nur von Juni bis Oktober begehbar. Vor und nach dieser Zeit liegt meist Schnee, der den Weg unpassierbar macht.
In den Sommermonaten Juli und August ist die Strecke stark frequentiert. Wer es ruhiger möchte, startet früh am Morgen oder spät am Nachmittag.
Praktische Infos
Anreise
Mit dem Auto: Ab Stavanger über die RV13 und die Bergstraße bis Øygardstøl (ca. 2 Stunden).
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: In der Sommersaison verkehren direkte Busse von Stavanger bis zum Kjerag-Parkplatz. Fahrzeit etwa 2,5 Stunden.
Parken
Am Øygardstøl-Parkplatz stehen ausreichend Stellplätze zur Verfügung. Die Parkgebühr beträgt ca. 300 NOK pro Tag (Stand 2025). Bezahlung per Karte oder App.
Übernachten
Lysebotn: Kleines Dorf am Ende des Fjords, nur wenige Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Hier gibt es einen Campingplatz, Hütten und ein einfaches Hotel.
Stavanger: Größere Auswahl an Unterkünften, jedoch deutlich weiter entfernt.
Wer früh starten möchte, übernachtet am besten in Lysebotn oder Umgebung.
Einkehr
Am Startpunkt Øygardstøl gibt es ein Restaurant mit Snacks, warmen Gerichten und Getränken. Unterwegs gibt es keine Verpflegung.
Vergleich mit Preikestolen
Der Kjeragbolten wird oft mit dem nahegelegenen Preikestolen (Pulpit Rock) verglichen. Beide liegen am Lysefjord, unterscheiden sich aber deutlich:
Preikestolen: kürzer, einfacher, sehr viel stärker besucht, 604 m über dem Fjord
Kjeragbolten: länger, schwieriger, weniger überlaufen, 984 m über dem Fjord
Wer Zeit hat, kann beide Touren kombinieren und erhält zwei ganz unterschiedliche Perspektiven auf den Lysefjord. Ich würde die Touren allerdings an zwei verschiedenen Tagen einplanen, da sie doch eine gewisse Länge haben und du so beide Touren besser geniessen kannst.
Fazit
Die Wanderung zum Kjeragbolten zählt zu den eindrucksvollsten Touren Norwegens. Sie ist fordernd, belohnt aber mit einem einzigartigen Naturerlebnis und spektakulären Ausblicken.
Der Felsblock selbst ist weltweit bekannt und zieht jedes Jahr viele Besucher an. Doch auch abseits des Blocks bietet die Tour ein authentisches Fjell-Erlebnis – mit glatten Granitflächen, karger Vegetation und dem plötzlichen Blick in die Tiefe des Lysefjords.
Wer ausreichend Zeit, Kondition und Respekt vor den alpinen Bedingungen mitbringt, erlebt hier eine der schönsten Wanderungen Norwegens.
ECKDATEN
| Dauer | 4:00 Stunden |
| Länge | 9.3 km |
| Höhenunterschied | ↗ 757m ↘ 757m |
| Schwierigkeit | T2 |
| Lage | Kommune Sandnes, Norwegen |
| Tour durchgeführt im | Juli 2025 |
| Geeignet für Kinder | Ja, ab ca. 10 Jahren. Steiler Aufstieg, technisch leicht anspruchsvoll. Beim Kjerag unbedingt auf die Kinder aufpassen! |
| Geeignet für Hunde | Ja, aber an der Leine |
| Buchempfehlung | Rother Wanderführer Norwegen Süd |