Wanderung zur Bockmattlihütte und auf den Gipfel des Bockmattli
Silvie Kommentare 0 Kommentare
Steile Felswände, aussichtsreiche Alpweiden und eine gemütliche Kletterhütte mitten in der Bergwelt des Wägitals: Die Wanderung von Innerthal hinauf zum Bockmattli hat einiges zu bieten. Im November steigen wir bei trockenem Wetter und völlig schneefreien Wegen durch die herbstliche Landschaft zur Kletterhütte auf und wandern anschliessend weiter zum Gipfel auf 1932 Metern. Dabei entdecken wir eine eindrückliche Felslandschaft, folgen spannenden Bergwegen und erleben unterwegs eine Begegnung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Von Innerthal hinauf in die Berge
Wir starten in Innerthal am hinteren Ende des Wägitalersees. Das kleine Dorf liegt eingebettet zwischen den Bergen und ist ein schöner Ausgangspunkt für Wanderungen in dieser Gegend. Unser Ziel ist die Kletterhütte Bockmattli auf rund 1500 Metern. Von dort wollen wir weiter zum Gipfel des Bockmattli auf 1932 Metern aufsteigen. Es steht also ein längerer Wandertag mit ordentlich Höhenmetern bevor.
Der November zeigt sich von seiner freundlichen Seite. Während in höheren Lagen vielerorts bereits Schnee liegt, sind die Wege hier noch schneefrei. Es ist trocken, die Luft klar und die Landschaft wirkt angenehm ruhig. Ich mag diese Jahreszeit, wenn die Natur langsam zur Ruhe kommt, man eher alleine unterwegs ist und die Berge eine ganz eigene Stimmung ausstrahlen. Die Farben sind zurückhaltender als im Sommer, dafür treten die Formen der Landschaft umso deutlicher hervor. Wir lassen Innerthal hinter uns und folgen dem markierten Weg bergwärts. Zunächst geht es über ein Strässchen aus dem Dorf hinaus, bevor wir zunehmend in die bewaldeten Hänge eintauchen. Der Weg steigt stetig an, und wir gewinnen Schritt für Schritt an Höhe.
Durch den Wald zur Schwarzenegg
Es gibt mehrere Wege hoch zur Hütte und wir wählen heute den direktesten. Unter uns liegt der Wägitalersee, der sich zwischen den bewaldeten Hängen durch die Landschaft zieht. An einem klaren Tag wie heute sind die Konturen der Berge besonders gut zu erkennen.
Mit zunehmender Höhe verlassen wir die Teerstrasse und erreichen offeneres Alpgelände. Die markanten Felswände des Bockmattli treten immer deutlicher hervor und geben einen ersten Vorgeschmack auf das Gelände, das uns weiter oben erwartet. Die Kombination aus grasbewachsenen Flanken und steilen Felsformationen macht den besonderen Reiz dieser Gegend aus.
Wir folgen weiterhin den rot-weissen Markierungen und wandern über den Bergrücken in Richtung Kletterhütte. Das Gelände bleibt abwechslungsreich, und mit jedem Höhenmeter wird die Bergwelt eindrücklicher. Die Hütte liegt unterhalb der mächtigen Felswände und ist von den umliegenden Hängen teilweise gut geschützt. Schon von weitem wirkt dieser Platz besonders, denn die steilen Felsen verleihen der Landschaft einen ausgesprochen alpinen Charakter.
Die Kletterhütte Bockmattli
Nach dem längeren Aufstieg erreichen wir die Kletterhütte Bockmattli auf etwa 1501 Metern. Sie liegt an einem eindrücklichen Ort unterhalb der bekannten Bockmattli-Türme, die bei Kletterinnen und Kletterern weit über die Region hinaus beliebt sind. Die mächtigen Felswände prägen die Umgebung und lassen erahnen, weshalb dieses Gebiet für anspruchsvolle Kletterrouten bekannt ist. Auch wer wie wir zu Fuss unterwegs ist, kann sich der Wirkung dieser Felslandschaft kaum entziehen.
Bei unserem Besuch ist die Hütte geschlossen. Trotzdem wirkt sie ausgesprochen einladend. Nach dem anstrengenden Aufstieg lassen wir uns auf einer Bank nieder, trinken etwas und geniessen die Ruhe der Umgebung. Die Hütte fügt sich wunderbar in die Berglandschaft ein und vermittelt genau jene gemütliche Atmosphäre, die man sich nach einer längeren Wanderung wünscht. Es ist leicht vorstellbar, wie schön es hier an einem warmen Sommertag sein muss, wenn Wanderer und Kletterer auf der Hütte einkehren und sich über ihre Erlebnisse austauschen. Heute bleibt es bei einem kurzen Halt, denn unser eigentliches Ziel liegt noch weiter oben.
Die Kletterhütte ist für uns ein wichtiger Zwischenpunkt auf dem Weg zum Gipfel. Bis hierher haben wir bereits einen grossen Teil des Aufstiegs geschafft. Gleichzeitig verändert sich die Umgebung nun spürbar. Die Felswände rücken näher, das Gelände wird steiler und die Wege führen in eine deutlich alpinere Landschaft. Nach einer kurzen Pause machen wir uns deshalb wieder auf den Weg und folgen den Markierungen bergwärts.
Oberhalb der Hütte: Felsen und spannende Wegabzweigungen
Oberhalb der Kletterhütte wird die Wegführung interessanter. Immer wieder zweigen blau-weiss markierte Bergwege ab, die in steileres und anspruchsvolleres Gelände führen. Die Abzweigungen wecken durchaus die Neugier, denn sie versprechen weitere spannende Routen durch die Felslandschaft. Für unsere heutige Tour bleiben wir jedoch auf dem rot-weiss markierten Weg in Richtung Bockmattli.
Der Weg führt durch die Chälen weiter in Richtung Bockmattlipass. Die Landschaft wird zunehmend felsiger, und die steilen Wände bilden eine eindrückliche Kulisse. Was von unten noch wie eine geschlossene Felswand wirkt, zeigt sich hier als abwechslungsreiche Landschaft aus Türmen, Rinnen und grasbewachsenen Flanken. Mit jedem Schritt verändert sich die Perspektive, und wir können immer besser erkennen, wie sich der überaus steile Weg durch dieses Gelände schlängelt.
Gipfelglück auf dem Bockmattli
Schliesslich erreichen wir den Gipfel des Bockmattli auf 1932 Metern. Von Innerthal bis hierher haben wir rund 1000 Höhenmeter überwunden. Es ist ein schöner Moment, nach dem stetigen Aufstieg oben anzukommen und die Aussicht in Ruhe geniessen zu können. Die steilen Felsformationen, die offenen Hänge und die weiter entfernten Gipfel ergeben ein eindrückliches Panorama. Der November verleiht der Landschaft eine besondere Stimmung. Die Natur befindet sich irgendwo zwischen Herbst und Winter: Die Vegetation hat sich weitgehend zurückgezogen, doch der Schnee lässt noch auf sich warten.
Der 360-Grad-Blick vom Gipfelkreuz ist wirklich umwerfend! Wir sind komplett alleine hier oben und haben einen tollen Rundblick. Nach dem langen Aufstieg fühlt sich die Gipfelpause besonders verdient an.
Nach einer ausgiebigen Pause auf dem Gipfel geht es auf dem gleichen Weg wieder bergab. Unterwegs begegnen wir einigen anderen Wanderern, man grüsst sich, wechselt vielleicht ein paar Worte und geht dann wieder seiner Wege. Eine dieser Begegnungen wird mir allerdings besonders in Erinnerung bleiben. Eine uns entgegenkommende Wanderin erkennt mich und spricht mich auf meinen Blog off-the-trail.de an. Ich bin im ersten Moment ziemlich überrascht. Seit sechs Jahren schreibe ich über meine Wanderungen, halte Erlebnisse fest und teile Fotos und Eindrücke von den Touren. Natürlich weiss ich, dass Menschen die Beiträge lesen. Trotzdem bleibt das Ganze meist etwas Abstraktes: Ich schreibe zu Hause am Computer, veröffentliche einen Bericht und irgendwann wird er irgendwo gelesen.
Dass mich nun tatsächlich jemand draussen in den Bergen erkennt und darauf anspricht, ist etwas völlig anderes. Es ist das erste Mal, dass mir das seit dem Start meines Blogs passiert, und ich freue mich unglaublich darüber. Es ist nur ein kurzer Moment während einer langen Wanderung, aber für mich bedeutet er sehr viel. Plötzlich bekommt das Schreiben eine ganz persönliche Verbindung zu den Menschen, die meine Berichte lesen. Genau solche Erlebnisse zeigen mir, weshalb ich mit dem Bloggen angefangen habe. Ich möchte meine Touren festhalten, die Landschaften zeigen, die mich begeistern, und anderen Menschen Ideen für eigene Wanderungen geben. Dass jemand meine Beiträge tatsächlich verfolgt und mich sogar draussen darauf anspricht, ist eine schöne Bestätigung. Neben dem Gipfel und der Aussicht nehme ich damit auch eine ganz persönliche Erinnerung von diesem Tag mit nach Hause.
Der Abstieg zurück nach Innerthal
Unser Abstieg verläuft erstmal zur Hütte und von dort auf einer Alternativroute hinab nach Innerthal. Dies kannst du ganz flexibel entscheiden, da es mehrere Routen ins Tal gibt. Während eine viel auf Asphalt verläuft (aber dafür kürzer ist), verläuft eine etwas längere Route über eine schöne Variante auf Wanderwegen.
Der Abstieg zieht sich noch einmal, auch wenn wir nun keine neuen Höhenmeter mehr sammeln müssen. Nach dem Gipfelerlebnis ist es angenehm, wieder auf vertrautem Weg unterwegs zu sein. Wir lassen die Eindrücke des Tages Revue passieren und geniessen die letzten Abschnitte der Wanderung. Schliesslich erreichen wir wieder Innerthal. Hinter uns liegt eine abwechslungsreiche Bergtour, die uns vom See über die Alpweiden zur Kletterhütte und hinauf auf einen aussichtsreichen Gipfel geführt hat.
Fazit: Ein besonderer Novembertag
Die Wanderung von Innerthal über die Kletterhütte Bockmattli auf den Gipfel ist eine lohnende Tour für alle, die gerne stetig bergauf wandern und sich auch in steilerem Gelände wohlfühlen. Der Weg führt durch unterschiedliche Landschaften, vom Wald über offene Alpweiden bis in die felsige Umgebung oberhalb der Hütte. Besonders schön ist die Kombination aus der einladenden Kletterhütte und dem aussichtsreichen Gipfel. Der Aufstieg fordert Kondition, und im oberen Teil sind Trittsicherheit und Konzentration wichtig. Die rot-weissen Markierungen helfen bei der Orientierung, während die blau-weissen Abzweigungen daran erinnern, dass es in dieser Gegend auch anspruchsvollere Routen gibt.
Unser Novembertag zeigt sich von seiner besten Seite. Kein Schnee, trockene Wege und klare Sicht machen die Tour zu einem rundum gelungenen Erlebnis. Doch neben der Landschaft und dem Gipfelerfolg bleibt vor allem die Begegnung mit dem Wanderer in Erinnerung, der mich auf meinen Blog anspricht. Nach sechs Jahren Bloggen ist das ein ganz besonderer Moment für mich. Er zeigt mir, dass die Geschichten, die ich von meinen Wanderungen mit nach Hause bringe, tatsächlich Menschen erreichen. Und vielleicht ist genau das neben den Bergen selbst einer der schönsten Gründe, immer wieder loszuziehen, neue Wege zu entdecken und die Erlebnisse anschliessend aufzuschreiben.
ECKDATEN
| Dauer | 5:40 Stunden |
| Länge | 12.6 km |
| Höhenunterschied | ↗ 1060m ↘ 1060m |
| Schwierigkeit | T3 |
| Lage | Kanton St. Glarus |
| Tour durchgeführt im | November 2025 |
| Geeignet für Kinder | Mit bergerfahrenen und ausdauernden Teenagern. Mit jüngeren Kindern ist die Tour zu lang oder aber man übernachtet in der Kletterhütte Bockmattli. |
| Geeignet für Kinderwagen | Nein |
| Geeignet für Hunde | Ja |
| Buchempfehlung | Rother Wanderführer Glarnerland |
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