Wanderung entlang der Levada de Caldeirão Verde (PR9) auf Madeira

Wanderung entlang der Levada de Caldeirão Verde (PR9) auf Madeira

trekking

T1

50m

50m

03:00

Jan-Dez

13.2km

Die Wanderung zur Caldeirão Verde ist weit mehr als ein schöner Spaziergang durch den Wald. Sie ist eine Reise entlang der Levadas, eines der beeindruckendsten Bewässerungssysteme Europas. Über Jahrhunderte hinweg graben Arbeiter diese schmalen Wasserkanäle von Hand in die steilen Berghänge Madeiras, um das regenreiche Nordplateau mit den trockeneren Regionen im Süden zu verbinden.

Heute bilden die Levadas ein einzigartiges Wegenetz, das sich über mehr als 2.000 Kilometer über die Insel zieht. Viele dieser Wege sind inzwischen perfekte Wanderpfade, die selbst abgelegene Regionen zugänglich machen – und gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Geschichte und Lebensweise der Insel geben. Auch der Weg zum Caldeirão Verde folgt einer solchen Levada und vermittelt von Anfang an dieses besondere Gefühl, Teil eines alten, funktionierenden Systems zu sein.

Ein Großteil der Wanderung führt durch den Laurissilva-Wald, ein immergrüner Lorbeerwald, der zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Dieser Wald ist ein Relikt aus der Tertiärzeit und existiert in dieser Form heute fast nur noch auf Madeira. Feuchtigkeit, Nebel und milde Temperaturen schaffen hier ein Mikroklima, das sich sofort bemerkbar macht.

Moosüberzogene Bäume, Farne in allen Größen, tropfende Felswände und das stetige Rauschen des Wassers begleiten dich auf dem gesamten Weg. Gerade an bewölkten oder leicht regnerischen Tagen entfaltet der Wald seine ganze Magie. Die Farben wirken intensiver, die Geräusche gedämpfter, und die Wanderung bekommt fast etwas Märchenhaftes.

Die Tour zählt zu den spektakulärsten und daher auch am meisten begangenen Levadawanderungen.

Die Levada wurde größtenteils in eine Felswand geschlagen und es ist immer wieder erstaunlich, wie es Bäumen und Sträuchern gelingt, sich an den senkrechten Hängen festzuhalten. An der Endstation der Tour stürzt sich ein beeindruckender Wasserfall in eine kleine Gumpe – Hartgesottene nutzen das kühle Nass gerne für ein Bad.

Wanderung_Levada_Caldeirao_Verde_
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Bereits die Anreise nach Queimadas ist ein Abenteuer für sich. Von Santana aus kommend wird die Strasse immer steiler und steiler. Während sie zu Beginn noch breit ist, verengt sie sich immer mehr und wir hoffen, dass uns an den kritischen Stellen kein Auto entgegenkommt. Kurz vorm Parkplatz müssen wir jedoch ein langes Stück wieder retour fahren, was immer sehr abenteuerlich ist.
 
Am Parkplatz angekommen gehen wir erstmal zur Information. Wir haben nämlich ein wunderschönes Foto in unserem Reiseführer gesehen, welches hier aufgenommen wurde und welches wir unbedingt sehen möchten. Es handelt sich um eine sehr fotogene Treppe aus natürlichen Materialen, die im Rhodedendronpark steht. Du findest das Foto als Titelfoto in diesem Beitrag. Diese Treppe befindet sich übrigens direkt oberhalb das Häuschens (vom Parkplatz aus kommend links den Hang hoch).
 
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In Queimadas hat es einen herrlichen Picknickplatz umgeben von einem kleinen Teich mit Enten, einem Museum, dem strohgedeckten Casa de Abriga, mehreren Sitzgelegenheiten und einem wunderschönen Park.. Wir überqueren eine kleine Brücke und starten dort direkt mit  unserer Wanderung, die mit PR9 ausgeschildert ist. Gleich zu Beginn der Wanderung laufen wir an riesigen Bäumen vorbei, die mit ihren geschwungene Ästen ein tolles Fotomotiv abgeben. 

Wanderung_Levada_Caldeirao_Verde_
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Der anfangs sehr breite Waldwanderweg entlang der Levada do Caldeirão Verde wird allmählich schmaler. Steile Abschnitte von bis zu 100 m Höhenunterschied wirken nicht so beängstigend, da der dichte Bewuchs am Rande des Weges den Abgrund nur erahnen lässt. Nach einer Weile eröffnet sich uns eine Aussicht auf die Nordküste, und tief unten im Tal liegt malerisch auf einem Plateau der kleine Ort Ilha.

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An einer Stelle, an der die Levada nicht passierbar ist, wird sie auf der rechten Seite über einen schmalen Pfad umgangen. Die Levada führt dann ins Tal der Ribeira dos Cedros, und der Kanal wird elegant über das Schluchtbett auf einer geschwungenen Brücke geführt. Dort stoßen wir auf einen 50 Meter hohen Wasserfall, der in die Levada hinabstürzt. Da es die letzten Wochen fast nicht geregnet hat, ist der Wasserfall heute eher ein kleines Rinnsal. Vor dem Wasserfall können wir das Flussbett bequem auf einer Brücke überqueren. Anschließend kommen wir zu einigen schwindelerregenden Abschnitten, die jedoch durchgehend mit Drahtzäunen gesichert sind.

Wanderung_Levada_Caldeirao_Verde_
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Wir gelangen zum ersten, ca. 20 Meter langen Tunnel. Die stockdunklen Tunnel sind für unsere Kinder immer das Highlight der Wanderung! Aufgrun der Krümmung in der Mitte ist auch dieser zappenduster und die Kinder haben ihren Spass. Nach etwa 3 Minuten erreichen wir den Abzweig nach Ilha (PR 1.1) bevor wir den zweiten Tunnel erreichen. Dieser Tunnel ist etwa 200 Meter lang und manchmal feucht. Kaum haben wir uns an das Tageslicht gewöhnt, stoßen wir auf den dritten Tunnel. Obwohl er einen großzügig dimensionierten Eingang hat, entpuppt er sich schnell als eng und niedrig. Das Besondere daran ist, dass sich nach starken Regenfällen bis zu 10 Zentimeter hoch Wasser darin ansammeln kann, was unangenehm ist. Bei unserem Besuch steht das Wasser zwar nur 1-2 cm hoch, aber wir weichen trotzdem auf das Mäuerchen aus, um trockenen Fusses zum Ende des Tunnels zu gelangen.

Wanderung_Levada_Caldeirao_Verde_
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Im Gegensatz dazu verfügt der dritte Tunnel über ein wunderschönes Galeriefenster in der Mitte. Nach einem kurzen vierten Tunnel fließt die Levada in die atemberaubende Schlucht der Ribeira Grande.

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Etwa 15 Minuten nach dem letzten Tunnel verlassen wir die Levada vor einem breiten Überlauf und folgen einem felsigen Pfad nach links hinauf. Nach nur 100 Metern stehen wir im Caldeirão Verde, einer beeindruckenden Senke mit steil aufragenden Wänden, die sich auf 905 Metern Höhe befindet. Ein Wasserfall füllt am Fuß dieser Wand ein kleines Becken. Wagemutige gehen im kalten Nass sogar baden!

Wanderung_Levada_Caldeirao_Verde_
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Auch dieser Wasserfall führt bei unserem Besuch nur wenig Wasser und ist nach Regenfällen bestimmt viel eindrücklicher!

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Wer möchte, kann von hier noch weiter bis zum Caldeirão do Inferno wandern. Bei unserem Besuch war dieser Abschnitt jedoch gesperrt, so dass es sich lohnt, vorrangig zu prüfen, ob der Wanderweg geöffnet ist.

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Nach einer kurzen Pause am Wasserfall machen wir uns wieder auf den Rückweg. Wir bleiben noch einen Moment stehen, werfen einen letzten Blick auf das herabstürzende Wasser und lassen die kühle, feuchte Luft auf uns wirken, bevor wir uns langsam umdrehen. Der Rückweg verläuft auf dem gleichen Pfad wie der Hinweg, entlang der Levada, durch Tunnel und vorbei an den bekannten Felswänden.

Für unsere Kinder fühlt sich dieser Abschnitt allerdings schnell wie ein nicht enden wollender Weg an. Die anfängliche Begeisterung weicht nach und nach der Ungeduld, und die Frage „Wie lange noch?“ taucht in immer kürzeren Abständen auf. Schritt für Schritt wird deutlich, wie gleichförmig der Weg sein kann, wenn man müde ist und das große Highlight bereits hinter sich liegt.

Ja, der Wanderweg zieht sich tatsächlich ein wenig in die Länge. Die Levada schlängelt sich scheinbar endlos durch den Wald, und irgendwann sieht eine Kurve aus wie die nächste, ein Tunnel wie der vorherige. Moosbewachsene Felsen, tropfende Wände und das leise Plätschern des Wassers begleiten uns weiterhin – wunderschön, aber eben auch monoton, besonders aus Kinderperspektive.

Wir können unseren Kindern diesen Eindruck nicht verübeln. Gerade auf dem Rückweg fehlt oft das Ziel vor Augen, und die Beine werden schwerer. Kleine Pausen, kurze Spiele am Wegesrand und das bewusste Wahrnehmen der Umgebung helfen, die Zeit etwas zu verkürzen. Und so erreichen wir schließlich – müde, aber zufrieden – wieder den Ausgangspunkt, mit dem Gefühl, gemeinsam ein echtes Naturabenteuer erlebt zu haben.

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Zum Glück erreichen wir den Ausgangspunkt dann doch schneller als gedacht. Die schmale Straße windet sich ein letztes Mal durch den grünen Hang, bevor wir an einem fast leeren Picknickplatz ankommen. Ein paar Holzbänke stehen verstreut zwischen Bäumen, das Gras ist feucht, und aus der Ferne hört man nur das leise Rascheln der Blätter im Wind. Für einen kurzen Moment fühlt es sich an, als wären wir ganz allein hier oben. Genau diese Ruhe macht den Ort so besonders – ein Platz zum Durchatmen, Ankommen und Innehalten, bevor es weitergeht.

Nur leider hält diese Idylle nicht überall an. Die wirklich hübsch anzusehende Casa de Abriga, die direkt in der Nähe liegt, ist auf gefühlt jedem Reiseführer über Madeira abgebildet. Entsprechend belebt geht es hier zu: Überall stehen Menschen mit Smartphones, Kameras und Stativen, suchen den perfekten Winkel und posieren immer wieder neu vor der kleinen Hütte. Vor allem zahlreiche Instagrammerinnen – begleitet von ihren meist geduldig wartenden Fotografen – füllen den Platz mit Klickgeräuschen und kurzen Regieanweisungen. Die Atmosphäre wirkt plötzlich weniger ruhig, fast ein wenig inszeniert.

Wir bleiben dennoch kurz stehen, schauen uns die Casa de Abriga an und verstehen sofort, warum sie so beliebt ist. Gleichzeitig merken wir aber auch, dass wir genau dafür eigentlich nicht hier sind. Also entscheiden wir uns, nicht allzu lange zu verweilen, lassen den Trubel hinter uns und machen uns bald wieder auf den Weg.

Die Heimreise führt uns über die abenteuerliche, enge Straße hinab nach Santana. Kurve um Kurve schlängelt sich die Fahrbahn durch die steilen Hänge, immer wieder eröffnen sich Blicke auf das grüne Tal und die zerklüftete Landschaft des Nordens. Langsam kehrt die Ruhe zurück, der Trubel bleibt oben zurück – und wir nehmen genau dieses Gefühl mit: das Wissen, dass man die schönsten Orte manchmal nur kurz besucht, um sie dann wieder der Stille zu überlassen.

Wanderung_Levada_Caldeirao_Verde_
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Anreise: Nur mit Mietwagen/Taxi möglich. Enge, steile Strasse mit Ausweichmöglichkeiten. Viel Gegenverkehr. Oben grosser, gebührenpflichtiger Parkplatz, der meist gegen Mittag voll belegt ist. Wer mit dem Bus unterwegs ist, nimmt ab Santana ein Taxi.

Unterkunft: Wir haben in Santana in einer empfehlenswerten Ferienwohnung übernachtet. Von dort ist es mit dem Auto nicht weit zum Start der Wanderung.

Verpflegung: Ca. 1 l Wasser pro Person. Wasser kann unterwegs nicht aufgefüllt werden. Da die Wanderung grösstenteils im Schatten verläuft, benötigt man nicht allzu viel Wasser. Beim Start der Wanderung befindet sich ein kleines Café, welches Snacks und Getränke verkauft. 

Schuhe: Benötigt nicht zwingend Wanderschuhe. Turnschuhe mit gutem Profil ausreichend.

Wetter: Wanderung ist auch bei Regen möglich, da sie vorwiegend im Wald verläuft. Kurz vorm Wasserfall bedarf es bei Regen aber der notwendigen Aufmerksamkeit, da der Weg auf dem Levada-Mäuerchen rutschig werden kann. 

Beste Zeit und Tagesplanung: Die Caldeirão-Verde-Wanderung ist ganzjährig möglich, doch besonders schön ist sie im Frühling und Herbst. Dann ist die Vegetation üppig, die Temperaturen angenehm und die Wasserfälle gut gefüllt. Im Sommer lohnt es sich, früh zu starten, um der Hitze und den größeren Besucherzahlen zu entgehen.

Plane für die Wanderung inklusive Pausen mindestens 3-4 Stunden ein. Auch wenn der Weg technisch leicht ist, lebt diese Tour vom bewussten Gehen, vom Stehenbleiben und vom Beobachten der Natur.

ECKDATEN

Dauer2:45 Stunden
Höhenunterschied↗ 50 hm ↘ 50 hm
Länge13.2 km
Schwierigkeiteinfach
LageSantana (Madeira)
Genaue RouteQueimadas – Caldeirao Verde – retour
Tour durchgeführt imMai 2023
Geeignet für KinderProblemlos. Breiter, einfacher Wanderweg neben der Levada. Kurz vorm Wasserfall wird der Weg sehr schmal und eng – kleinere Kinder müssen hier wohl an die Hand genommen werden. Nie zu ausgesetzt, immer gesichert.
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