Zwischen Frühling und Winter: Auf den Weissenbergen zur Sunnenhöreli

Zwischen Frühling und Winter: Auf den Weissenbergen zur Sunnenhöreli

trekking

WT2

723m

723m

05:15

Dez-Mär

12.8km

Ein Tag zwischen den Jahreszeiten: Unten fast schneefrei, oben noch Winterweiß – die SchweizMobilroute 991 führt von Matt hoch zum Skihaus Stäfeli. Von dort wieder absteigen entlang der Route (Rundtour) oder ohne Markierungen entlang der Skitourenroute bis zum Gipfel des Sunnenhöreli. 

Eine Schneeschuhtour, die Kraft, Orientierungssinn und Geduld verlangt – und dafür mit herrlichen Ausblicken und alpiner Stille belohnt.

schneeschuhtour_matt_weissenberge_sunnenhöreli_
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Es ist einer dieser Tage, an denen sich der Winter nicht entscheiden kann. Unten im Tal liegt kaum Schnee, die Wiesen sind stellenweise braungrün und die Sonne wärmt schon überraschend kräftig. Weiter oben, dort wo die Schatten länger werden und der Wind freier zieht, wartet noch eine andere Welt. Genau in diese Übergangszone führt unsere Tour entlang der SchweizMobilroute 991 Weissenberge. 

Der Startpunkt liegt in Matt. Ein kleines Dorf, ruhig und zurückhaltend, eingerahmt von steilen Flanken. Wir stehen früh am Morgen an der Talstation der Seilbahn Matt–Weissenberge. Die Rucksäcke sind schwerer als sonst, die Schneeschuhe außen befestigt. Noch wissen wir nicht, dass wir sie länger tragen werden, als uns lieb ist. Die Seilbahn fährt 2x pro Stunde (CHF18 fürs Retourticket, kein Halbtax). Du kannst entweder mit dem Auto anreisen (kostenloser Parkplatz) oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Mit der Seilbahn gewinnen wir schnell an Höhe. Das Tal fällt unter uns zurück, die Perspektive ändert sich, und mit jedem Meter wächst die Vorfreude. Oben angekommen, empfängt uns jedoch kein klassisches Winterbild. Der Schnee fehlt. Oder besser gesagt: Er ist gar nicht vorhanden. Laut der Swisstopo Winterkarte soll dieser in ca. 200 Höhenmetern auftauchen (was aber nicht der Fall ist). Wir schultern die Rucksäcke und marschieren los.

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Der Weg zieht sofort steil an. Kaum sind wir gestartet, geht es kräftig bergauf. Der Puls steigt schnell, die ersten Schichten wandern in den Rucksack. Die Schneeschuhe klappern bei jedem Schritt gegen das Gepäck – ein ständiger Begleiter, der uns daran erinnert, dass wir eigentlich für andere Verhältnisse unterwegs sind. Zwei Stunden lang tragen wir sie so nach oben – ein unerwartetes Krafttraining.

Je höher wir kommen, desto deutlicher zeigt sich der Charakter dieser Route. Die Weissenberge liegen nicht einfach sanft da, sie fordern. Der Pfad verläuft meist auf der Direttisima den Hügel hoch, die Steigung konstant, und immer wieder öffnet sich der Blick ins Tal. Trotz der Anstrengung ist es schwer, sich davon loszureißen. Die Sonne steht günstig, das Licht ist klar, und der Himmel zeigt sich von seiner besten Seite.

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Am Skihaus Stäfeli gönnen wir uns eine Pause. Endlich. Rucksäcke abstellen, tief durchatmen, etwas essen. Bis hierher hat es fast keinen Schnee, und wir sind uns einig: Das hatten wir anders erwartet. Gleichzeitig wissen wir, dass sich die Verhältnisse weiter oben ändern können – und sehr wahrscheinlich auch werden. Wir deponieren einen Teil unserer Ausrüstung (LVS, Sonde und Schaufel werden wir heute nicht benötigen). 

Nach der Pause verlassen wir den markierten Weg. Ab hier geht es unmarkiert weiter, entlang der Skitourenroute. Anfänglich laufen wir entlang einer Fahrstrasse, immerhin ist diese mittlerweile mit Schnee bedeckt. Jetzt kommen endlich die Schneeschuhe zum Einsatz. Am Ende dieser Strasse wird die Landschaft offener und alpiner. 

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Unser Ziel ist der Gipfel des Sunnenhöreli. Ein Name, der nach Licht klingt – und heute seinem Ruf durchaus gerecht wird. Doch die Bedingungen sind alles andere als ideal. Der letzte Schneefall liegt rund zweieinhalb Wochen zurück. Der Schnee ist weich, stellenweise nass, und immer wieder brechen wir ein. Löcher öffnen sich unter den Schneeschuhen, manchmal bis zum Knie. Jeder Schritt erfordert Aufmerksamkeit.

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Wir orientieren uns größtenteils am blau-weiß markierten Sommerwanderweg. Normalerweise würde man ihn um diese Jahreszeit meiden, doch heute bietet er die stabilere Option. Abseits davon ist der Schnee unberechenbar. Mal trägt er, mal nicht. Das Gehen wird rhythmisch, fast meditativ: Schritt, prüfen, Gewicht verlagern, weiter.

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Trotzdem kommen wir gut voran. Das Wetter spielt mit, vielleicht sogar ein bisschen zu gut. Die Sonne steht hoch, die Strahlung ist stark, und obwohl wir uns in winterlicher Umgebung bewegen, geraten wir immer wieder ins Schwitzen. Jacken werden geöffnet, Schichten ausgezogen, Mützen kurz abgenommen. Ein ständiges Anpassen, typisch für diese Wetterlage.

Kurz unterhalb des Gipfels erreichen wir die Lawinenverbauungen. Hier endet für uns die Tour. Der Blick nach oben zeigt steilere Passagen, rutschigen Schnee und keine wirklich verlässliche Spur. Wir bleiben stehen, schauen uns an und wissen sofort: Das ist heute nicht der richtige Moment, um weiterzugehen.

Die Entscheidung fällt nicht schwer. Mit Schneeschuhen ist der Untergrund hier alles andere als ideal. Spikes haben wir nicht dabei, und der Schnee ist so rutschig, dass ein Weitergehen mehr Risiko als Freude bedeuten würde. Vor allem der Gedanke an den Abstieg wiegt schwer.

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Wir setzen uns bei den Verbauungen ins Schneebett und machen Mittagspause. Vor uns breitet sich ein Panorama aus, das jede Gipfelambition kurz vergessen lässt. Die Glarner Alpen zeigen sich in ihrer ganzen Weite, die Täler liegen tief unter uns, und die Sonne taucht alles in ein warmes Licht. Es ist still. Kein Wind, keine Stimmen, nur das leise Knirschen des Schnees, wenn wir uns bewegen. In der Ferne erblicken wir die markanten Tschingelhörner, den Glärnisch, Pilatus und bis weit ins Berner Oberland.

In solchen Momenten wird klar, dass eine Tour nicht am Gipfel gemessen werden muss. Das Erlebnis zählt. Der Weg hierher, die Bedingungen, die Entscheidungen. Heute fühlt sich dieser Platz genau richtig an. Wir essen, trinken, lassen den Blick schweifen und genießen den Augenblick.

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Der Abstieg erfolgt bis zur Skihütte Stäfeli auf dem gleichen Weg. Jetzt, mit müderen Beinen, zeigt sich der Schnee noch einmal von seiner tückischen Seite. Rutschige Passagen verlangen Konzentration, die Schneeschuhe helfen nur bedingt. Doch Schritt für Schritt arbeiten wir uns nach unten, zurück in schneearmere Zonen, zurück in eine Landschaft, die plötzlich wieder nach Frühling aussieht. 

Als wir die Schneeschuhe endgültig abnehmen und wieder außen am Rucksack befestigen, fühlen sie sich fast fremd an. Kaum zu glauben, dass wir sie heute so lange getragen haben. Die Sonne steht inzwischen tiefer, das Licht wird weicher, und die Temperaturen sind immer noch erstaunlich angenehm. Wir starten von der Hütte aus gegen den Uhrzeigersinn, um eine Rundtour zu machen und nicht denselben Weg wie beim Aufstieg zurückgehen zu müssen.

Am Ende bleibt das Gefühl, einen guten Tag draußen verbracht zu haben. Keine perfekte Wintertour, kein Gipfelerfolg – aber eine ehrliche Unternehmung mit allem, was dazugehört. Die SchweizMobilroute 991 Weissenberge zeigt sich als vielseitige Strecke, die je nach Jahreszeit ganz unterschiedliche Anforderungen stellt.

Bei besseren Verhältnissen ist der Gipfel des Sunnenhöreli sicher ein großartiges Ziel. Heute jedoch reicht uns das, was wir erlebt haben. Der Berg läuft nicht weg. Und genau das macht diese Tour so wertvoll: Sie erinnert daran, dass draußen sein mehr ist als das Erreichen eines Punktes auf der Karte. 

Bist Du an weiteren Schneeschuhtouren interessiert? Ich habe dir die schönsten Schneeschuhwanderungen in der Umgebung von Zürich herausgesucht. 

ECKDATEN

Dauer4:40 Stunden
Höhenunterschied↗ 840m↘ 840m
Schwierigkeittechnisch und konditionelle anspruchsvoll (WT2 bis zur Hütte, danach WT3)
Länge10.6 km
LageKanton Glarus
Genaue RouteWeissenberge – Skihaus Stäfeli – Sunnenhöreli – Retour
Tour durchgeführt imDezember 2025
Geeignet für KinderBesser nicht. Sehr steile Schneeschuhtour. Mit Kindern lieber einfachere und flachere Touren planen.
Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der SchweizDas grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz

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