Schwarzeis am Silsersee: Winterwanderung im Engadin erleben

Schwarzeis am Silsersee: Winterwanderung im Engadin erleben

trekking

T1

46m

46m

1:40

Dez

6.2km

Die Winterwanderung auf dem Silsersee ist an Tagen mit Schwarzeis ein ganz besonderes Erlebnis. Der See liegt ruhig und majestätisch inmitten der Oberengadiner Landschaft, die Luft ist klar und kalt, und die Berge rundherum wirken noch eindrucksvoller durch die glitzernde Schneedecke. An meinem Tag liegt auf dem See eine dünne, aber stabile Eisschicht, die auf dem frischen Schnee, der am Vortag gefallen ist, teilweise bedeckt ist. Rund 90 % des Sees liegen unter einer weißen Schneedecke, nur an wenigen Stellen schimmert das glatte, schwarze Eis darunter durch.

wanderung_silsersee_schwarzeis_
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Ich steige an der Bushaltestelle Sils, Biblioteka aus und gehe in Richtung See. Dabei komme ich an prächtigen, alten Engadiner Häusern vorbei, deren geschmückte Fassaden und kunstvollen Holzbalkone einen ersten Eindruck von der traditionellen Architektur und der Geschichte des Tals vermitteln.

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Der Weg über die Halbinsel bis zum Bootsansteg Chaste dauert etwa 30 Minuten. Im Winter ist der Untergrund oft sehr eisig, weshalb es ratsam ist, Spikes dabei zu haben. 

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Unterwegs komme ich an der wohl schönsten Bank des Engadins vorbei, die direkt am Ufer des Sees steht und einen atemberaubenden Blick über das glitzernde Wasser und die umliegenden Berge bietet. 

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Ich mache eine kurze Pause dort, genieße die Stille und die klare Winterluft, ehe ich mich schließlich vorsichtig auf das Eis wage. Anfangs ist das Gefühl fremd und etwas ungewohnt – man muss dem Eis erst einmal Vertrauen schenken –, doch schon nach wenigen Schritten gewöhnt man sich daran.

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Das Schwarzeis auf dem Silsersee ist etwas Magisches, fast wie ein geheimer Teppich aus Glas, der über das Wasser gelegt wurde. Es entsteht, wenn sich das Wasser bei sehr kalten Temperaturen langsam und gleichmäßig abkühlt, ohne dass Luftblasen, Schneekristalle oder Schmutz eingeschlossen werden. Im Gegensatz zu normalem Eis, das oft weißlich oder trüb wirkt, ist Schwarzeis kristallklar und tiefdunkel, sodass man beinahe den Eindruck hat, direkt durch das Eis ins Wasser zu blicken. 

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Diese Eisart ist sehr stabil, aber zugleich empfindlich: Schon ein leichter Schneefall oder ein Windstoß kann die perfekte Oberfläche zerstören. Schwarzeis tritt deshalb nur selten auf, meist nach klaren, frostigen Nächten, wenn der See vollständig zur Ruhe kommt. Es ist ein seltener Moment, in dem der See seine stille, fast unberührte Schönheit voll entfaltet.

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An diesem Tag sind allerdings nur etwa zehn Prozent der Eisfläche sichtbar, denn am Vortag hat es geschneit. Die Schneedecke darüber verleiht der Landschaft eine fast unwirkliche Ruhe, während die wenigen Stellen mit Schwarzeis wie Fenster in eine tiefschwarze, spiegelglatte Welt wirken. 

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Ich setze vorsichtig einen Fuß auf die Eisfläche, spüre die Kälte unter den Schuhen und das leichte Knirschen des Schnees, der noch darauf liegt. Anfangs ist es ein merkwürdiges Gefühl: Der Boden wirkt gleichzeitig fest und doch fremd, und jeder Schritt erfordert ein wenig Vertrauen. Doch schon nach wenigen Metern wird dieses anfängliche Unbehagen von einem Gefühl der Freiheit abgelöst.

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Auf dem See selbst eröffnet sich eine ungeahnte Weite. Anders als auf normalen Wanderwegen gibt es hier keine vorgegebenen Richtungen. Man kann geradeaus laufen, in Bögen oder Kreisen, die eigenen Spuren in den Schnee zeichnen und die gesamte Fläche nach Belieben erkunden. Ich genieße das beruhigende Geräuschlosigkeit, die nur gelegentlich vom Wind oder vom leisen Knirschen des Schnees unterbrochen wird. Die umliegenden Berge spiegeln sich im schwarzen Eis, und die Wintersonne lässt das Eis an einigen Stellen leicht glitzern – ein Bild, das so still und klar ist, dass es fast surreal wirkt.

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Nach einer Weile wage ich mich weiter hinaus, entferne mich ein Stück von der Halbinsel und spüre das Vertrauen in das Eis wachsen. Jeder Schritt stärkt das Bewusstsein für die eigene Balance, die Gänge werden sicherer, und die anfängliche Vorsicht weicht einer Art meditativer Konzentration. Es ist ein Tanz zwischen Risiko und Staunen, ein Erlebnis, das den Geist klärt und die Sinne schärft. Man ist allein mit der Natur, mit der eisigen Stille des Sees und dem endlosen Panorama der Oberengadiner Berge.

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Nach einer ausgedehnten Runde auf dem See drehe ich schließlich um und mache mich langsam auf den Rückweg in Richtung Sils. Anders als beim Hinweg bewege ich mich nun nicht frei über das Eis, sondern folge einem markierten Wanderweg, der mit Stangen auf dem Eis gekennzeichnet ist. Die meisten anderen Spaziergänger orientieren sich ebenfalls an diesen Markierungen. Manche zögern zunächst, das Eis zu betreten, werfen unsichere Blicke auf die spiegelglatte Fläche, doch nach ein paar Minuten wagt sich jeder Schritt, und bald bewegen sich alle vorsichtig, aber mit wachsendem Vertrauen über das Schwarzeis.

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Am Ufer angekommen, begrüßt mich die kleine, charmante Infrastruktur von Sils. Mehrere gemütliche Cafés laden zum Aufwärmen und Verschnaufen ein. Ihre einladenden Fensterfronten und dampfenden Tassen Tee oder Kaffee locken Wanderer und Spaziergänger gleichermaßen an. Ich gönne mir einen kurzen Halt in einem der Cafés, genieße die Wärme, beobachte die vorbeiziehenden Menschen und lasse die Winterlandschaft auf mich wirken. 

Nicht weit entfernt befindet sich die Bushaltestelle von Sils, die besonders im Winter ihren Komfort zeigt: ein beheiztes Wartehäuschen schützt vor der klirrenden Kälte, und man kann hier entspannt den nächsten Bus abwarten. Während ich auf das Fahrzeug warte, schweifen meine Gedanken noch einmal über den See, die schimmernden Eisflächen und die umliegenden Berge. 

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Zum Schluss noch einige Tipps und wichtige Hinweise, bevor du dich auf das Eis wagst:

Erkundige dich vorher beim Tourismusbüro, ob das Eis offiziell betreten werden darf und ob der markierte Wanderweg über den See freigegeben ist. Die Tragfähigkeit der Eisdecke wird nur an den ausgewiesenen, markierten Flächen überwacht – außerhalb dieser Bereiche betritt man das Eis auf eigene Verantwortung.

Nimm Spikes mit, denn der Weg über die Halbinsel und auch die Stellen am Ufer können im Winter sehr eisig und glatt sein. Das gibt dir deutlich besseren Halt bei Auftakt auf dem Eis und auf den gefrorenen Winterwegen.

Zieh dich warm und wettergerecht an. Die Oberengadiner Winterluft ist klar und kalt, vor allem auf dem offenen See kann ein kalter Wind wehen. Mehrere Schichten, eine gute Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe halten dich warm und schützen vor Auskühlung. 

Du kannst die Wanderung auch am anderen Ende vom See in Maloja beenden und von dort den Bus nehmen. Dort verkehrt regelmässig das Postauto zurück an deinen Ausgangsort. 

Übernachtungstipps

Besonders empfehlenswert ist natürlich das schnuckelige Dörfchen Sils im Engadin, welches dich bezaubern wird. Hier gibt es zahlreiche Unterkünfte in allen Preisklassen. 

Wenn du etwas günstigeres suchst, kann ich dir die Jugendherberge in St. Moritz empfehlen, in welcher ich bereits mehrmals mit meiner Familie übernachtet habe. Diese wirkt wie ein modernes Hotel und kaum noch wie eine Jugendherberge und bietet dadurch ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Da die Herberge eine grosse Anzahl an Gästen beherben kann, lohnt es sich auch immer wieder mal kurzfristig auf Verfügbarkeiten zu schauen, da es immer wieder Stornierungen gibt. 

ECKDATEN

Dauer1:40 Stunden
Höhenunterschied↗ 46m ↘ 46m
Länge6.2 km
SchwierigkeitWT1
LageKanton Graubünden
Genaue RouteSils – Chastè Halbinsel – Silsersee – Sils
Tour durchgeführt imJanuar 2026
Geeignet für KinderJa unbedingt. Für jüngere Kinder einen Schlitten mitnehmen!
Buchempfehlung für weitere Winterwanderungen in der SchweizWinterwandern Schweiz

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