Schneeschuhsafari Graubünden: Tag 1 Sedrun – Disentis

Schneeschuhsafari Graubünden: Tag 1 Sedrun – Disentis

trekking

WT1

577m

854m

6:15

Dez-Mär

18.1km

Der Wecker klingelt früh an diesem Morgen. Sehr früh. Draußen liegt Zürich noch im Halbdunkel, während wir unsere Rucksäcke schultern und uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Vor uns liegt der Start unserer fünftägigen Schneeschuhsafari durch Graubünden – und wie so oft beginnt ein Abenteuer nicht erst in den Bergen, sondern schon mit der Anreise.

Von Zürich aus dauert es eine ganze Weile, bis wir unser erstes Ziel erreichen: Disentis/Mustér am oberen Ende des Vorderrheintals. Als wir aus dem Zug steigen, ist die Luft klar und kalt. Über den Dächern thront das bekannte Benediktinerkloster, und rundherum ragen die winterlichen Bündner Berge in den Himmel.

Da wir direkt von der Anreise in die Tour starten, ist der erste Weg nicht auf den Berg, sondern zur Touristeninformation. Dort geben wir unser Gepäck ab – ein kleiner Luxus, der den Start deutlich angenehmer macht. Nur mit Tagesrucksack und Schneeschuhen am Rucksack geschnallt laufen wir wenig später los.

[Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Graubünden Ferien und Sedrun Disentis Tourismus].
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Der lange Einstieg ins Tal

Die erste Stunde fühlt sich eher nach Winterwanderung als nach Schneeschuhtour an. Der Weg führt auf einer breiten Waldstraße aus dem Ort hinaus, die Schneeschuhe baumeln noch ungenutzt am Rucksack. Die Morgensonne erreicht den Talboden nur zögerlich, und im Schatten bleibt der Schnee hart gefroren.

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Gemächlich gewinnen wir an Höhe. Der Weg ist breit, gut zu gehen und zieht sich in langen Kurven durch den Wald. Erst später, als der Schnee tiefer und weicher wird, schnallen wir die Schneeschuhe endlich unter die Füße. Jetzt beginnt das typische rhythmische Knirschen bei jedem Schritt – ein Geräusch, das uns in den nächsten Tagen noch oft begleiten wird.

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Die Route bleibt zunächst unkompliziert. Sie folgt weiterhin einer breiten Trasse, die sich langsam durch den Bergwald nach oben zieht. Der Blick öffnet sich immer wieder ins Tal von Disentis, wo der Rhein wie ein schmales silbernes Band durch die Landschaft zieht.

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Abzweigung zur Alp Pazzola

Nach einiger Zeit verlassen wir die Hauptspur und biegen Richtung Alp Pazzola ab. Der Weg wird nun etwas schmaler, bleibt aber gut erkennbar. Die Landschaft wirkt zunehmend alpiner. Der Wald lichtet sich, einzelne Lärchen stehen verstreut im Hang.

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Schließlich tauchen die Gebäude der Alp auf. Die Alp Pazzola ist kein einzelnes Haus, sondern eine kleine Ansammlung von Gebäuden, die ungewöhnlich angeordnet sind. Die Holzhäuser stehen nicht in einer klaren Reihe oder rund um einen Platz, sondern wirken fast wie zufällig über die sanfte Kuppe verteilt. Einige stehen dicht beieinander, andere etwas abseits. Zusammen ergeben sie ein kleines, verstreutes Alpdorf mitten im Schnee.

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Im Winter liegt hier eine besondere Ruhe über allem. Kein Rauch steigt aus den Kaminen, keine Menschen sind zu sehen. Die Fensterläden sind geschlossen, die Dächer schwer mit Schnee beladen. Es fühlt sich an, als wäre dieser Ort gerade in einen langen Winterschlaf gefallen. Genau hier legen wir unsere Mittagspause ein.

Wir setzen uns in den Schnee, lehnen uns gegen einen sonnengewärmten Holzbalken und holen unsere Brote aus dem Rucksack. Die Stille ist beeindruckend. In den Stunden hier oben begegnen wir niemandem. Nur in der Ferne entdecken wir hin und wieder ein paar Skitourengeher, kleine Punkte in der weißen Landschaft.

Es ist einer dieser Momente, in denen man merkt, wie viel Platz und Ruhe die Berge bieten können – selbst in einer Region, die im Sommer und Winter viele Besucher anzieht.

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Rückweg mit kleiner Routenänderung

Nach der Pause folgen wir zunächst wieder unserem Aufstiegsweg zurück bis zur Abzweigung.

Eigentlich würde die offizielle Schneeschuhroute hier weiter über einen Hang führen, der im Winter stellenweise recht steil ist. Laut Beschreibung erreicht das Gelände dort über 30 Grad Neigung. Da wir außerdem noch einige Kilometer vor uns haben, entscheiden wir uns für eine alternative Variante.

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Statt der Originalroute steigen wir direkt Richtung Tal ab. Diese Entscheidung spart uns etwa 3 Kilometer und eine Stunde Gehzeit – und wir vermeiden gleichzeitig das steilere Gelände. Der Weg führt erneut über eine breite Spur, die als Winterwanderweg und gleichzeitig als Schlittelweg ausgeschildert ist.

Mittlerweile ist es früher Nachmittag, und der Schnee hat sich deutlich verändert. Was am Morgen noch fest gefroren war, ist jetzt weich geworden. Bei jedem Schritt sinken wir ein wenig tiefer ein.

Nach einiger Zeit merken wir, dass wir die Schneeschuhe gar nicht mehr brauchen. Der Weg ist gut gespurt, und mit Wanderschuhen kommen wir problemlos vorwärts. Also schnallen wir sie wieder an den Rucksack – ein vertrautes Ritual auf Schneeschuhtouren.

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Abstieg zur Hängebrücke

Der Weg führt uns weiter hinunter ins Tal, bis schließlich ein steilerer Pfad Richtung La Pendenta abzweigt.

Der Abstieg zur Brücke ist im Winter bekannt dafür, ziemlich eisig zu sein (es hat sogar oben ein Schild, welches auf die Gefahr hinweis). Auch heute ist der Weg stellenweise hart gefroren. Mit guten Wanderschuhen, griffiger Sohle und unseren Trekkingstöcken lässt sich der Abschnitt jedoch gut meistern. Schritt für Schritt tasten wir uns nach unten.

Die Hängebrücke „La Pendenta“ spannt sich spektakulär über die Schlucht des Vorderrheins. Sie wurde im November 2024 eröffnet und ist mit 270 Metern Spannweite die längste Hängebrücke im Kanton Graubünden. Rund 100 Meter über dem Fluss verbindet sie die Seite von Disentis bei der Kapelle Sontga Gada mit dem gegenüberliegenden Weiler Mumpé Medel.

Der Bau war ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Vorangetrieben wurde er vom Verein „Uniun la pendenta“, unterstützt vom Kanton Graubünden sowie zahlreichen Sponsoren und privaten Unterstützern aus der Region (diese sind alle namentlich auf der Brücke verewigt). Insgesamt kostete das Projekt rund zwei Millionen Franken.

Heute ist die Brücke nicht nur eine neue Verbindung über die Schlucht, sondern auch ein touristisches Highlight in der Surselva. Sie schließt eine Lücke im Wanderwegnetz und erspart den früher nötigen, mühsamen Ab- und Aufstieg von rund 100 Höhenmetern in die Schlucht.

Als wir die Brücke betreten, schwingt sie leicht unter unseren Schritten. Durch das Gitter im Boden sehen wir tief hinunter in die winterliche Rheinschlucht. Der junge Rhein schlängelt sich zwischen schneebedeckten Felsen hindurch – ein ziemlich eindrücklicher Ort für die letzten Kilometer unserer ersten Schneeschuhetappe.

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Zurück nach Disentis

Von der Brücke sind es noch etwa 30 Minuten bis zurück zum Bahnhof von Disentis/Mustér. Der Weg führt gemütlich durch den Ort, vorbei an traditionellen Bündner Häusern und kleinen Gassen.

In der Nähe der Kirche entdecken wir eine ungewöhnliche Konstruktion: eine Art freistehendes Gerüst mit mehreren Glocken (Carillon genannt). Es sieht fast aus wie ein modernes Glockenspiel.

Genau in dem Moment, als wir vorbeigehen, beginnt Musik zu spielen – und zwar das Lied von Pippi Langstrumpf. Für einen kurzen Moment sind wir überzeugt, dass hier tatsächlich die Kirchenglocken Kinderlieder läuten. Erst beim genaueren Hinsehen wird klar, dass es sich um ein mechanisches Glockenspiel handelt.

Weiterreise nach Flims

Am Bahnhof steigen wir schließlich in den Bus. Mit einmal Umsteigen geht es weiter nach Flims, unserem Etappenziel für die Nacht.

Mittlerweile spüren wir die Tour deutlich in den Beinen. Die Kombination aus früher Anreise und langer Schneeschuhwanderung hat uns ordentlich müde gemacht. Umso angenehmer ist es, einfach im Bus zu sitzen und die winterliche Landschaft an uns vorbeiziehen zu lassen.

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Übernachtung im Hotel Bellevue

In Flims übernachten wir im Hotel Bellevue Flims. Eigentlich gehört dieses Hotel nicht zum ursprünglichen Arrangement unserer Schneeschuhsafari – das vorgesehene Haus war bereits ausgebucht. Im Nachhinein stellt sich das jedoch als glücklicher Zufall heraus.

Das Hotel liegt sehr zentral: nur wenige Minuten von den Bergbahnen entfernt. Direkt nebenan befindet sich ein großer Supermarkt, und auf der anderen Straßenseite lockt ein Bäcker mit frischem Brot und Gebäck – perfekte Voraussetzungen für eine aktive Auszeit in den Bergen.

Unser Zimmer ist überraschend großzügig. Es hat einen Balkon, eine hervorragende Matratze und viel Platz zum Ausbreiten unserer Ausrüstung. Obwohl das Zimmer zur Straße liegt, ist es nachts erstaunlich ruhig.

Nach einer heißen Dusche freuen wir uns besonders auf das Abendessen.

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Überraschend gehobene Küche

Am Abend erwartet uns ein Drei-Gänge-Menü im Hotelrestaurant. Schon die Speisekarte sorgt für Unterhaltung: Sie kommt nicht auf Papier, sondern auf einem Tablet. Die Namen der Gerichte sind so fantasievoll formuliert, dass man oft nur erahnen kann, was sich dahinter verbirgt. Ganz bewusst entscheiden wir uns deshalb einfach nach Gefühl – und lassen uns überraschen.

Der Service ist aufmerksam und herzlich, ohne aufdringlich zu sein. Und das Essen? Unglaublich gut. Jeder Gang ist kreativ angerichtet und geschmacklich hervorragend abgestimmt. Ehrlich gesagt hatten wir mit einer so gehobenen Küche gar nicht gerechnet. Nach einem langen Tag im Schnee wirkt dieses Abendessen fast ein bisschen luxuriös.

Als wir später ins Bett fallen, sind wir müde, zufrieden und voller Vorfreude auf die nächsten Tage unserer Schneeschuhsafari durch Graubünden. Der erste Tourentag hat uns bereits gezeigt, was diese Reise ausmacht: stille Winterlandschaften, einsame Almen, überraschende Entdeckungen – und am Ende des Tages ein sehr bequemes Bett.

Hier geht es zu den anderen Etappen unserer 4-tägigen Schneeschuh-Safari durch Graubünden.

ECKDATEN

Dauer6:15 Stunden
Höhenunterschied↗ 577m ↘ 854m
Länge18.1 km
SchwierigkeitEinfach, WT1
LageKanton Graubünden
Genaue RouteSedrun – Alp Pazzola – Disentis
Tour durchgeführt imMärz 2025
Geeignet für KinderNein
Tourenanbieter SchneeschuhsafariSchneeschuhsafari Graubünden, Tour Explorer
Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der SchweizDas grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz

Offenlegung: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Graubünden Ferien und Disentis Sedrun Tourismus. Dennoch bleiben meine persönlichen Meinungen, Ansichten und Ratschläge unverändert, da der Tourismusverband keine Einflussnahme auf die Berichterstattung ausgeübt hat.

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