Schneeschuhtour von Klosters ins Schlappintal: Winterstille, Schneeflocken & ein fast verlassenes Paradies

Schneeschuhtour von Klosters ins Schlappintal: Winterstille, Schneeflocken & ein fast verlassenes Paradies

trekking

WT1

643m

643m

05:30

Dez-Mär

14.3km

Es ist einer dieser Wintertage, an denen der Schnee lautlos fällt und die Welt um mich herum gedämpft wirkt, als hätte jemand die Lautstärke runtergedreht. Ich stehe in Klosters, ziehe den Reissverschluss meiner Jacke ganz nach oben und atme die kalte, klare Luft ein. Heute will ich hinauf ins Schlappintal, eine Schneeschuhtour, die mich schon länger reizt – nicht besonders technisch, aber landschaftlich einmalig. Und heute fühlt sich alles danach an, dass das Tal mir gehören wird.

Der Himmel ist grau, ein dichter Wolkenteppich hängt über den Gipfeln. Schon beim Losgehen setzt dichter Schneefall ein, der die Konturen der Landschaft verschluckt und selbst die wenigen Menschen, die noch draussen unterwegs sind, in weiche Silhouetten verwandelt. Es ist still, gedämpft, fast magisch – ein perfekter Tag für eine Wintertour, wenn man Ruhe sucht.

Start in Klosters Platz – mit leichterem Gepäck

Bevor ich richtig loslaufe, mache ich einen kurzen Stopp beim Schliessfach in Klosters Platz. Ich habe nach der Tour noch eine Weiterreise ins Engadin vor mir, daher schliesse ich einen Teil meines Gepäcks ein. Das macht die Schneeschuhtour deutlich angenehmer – denn schliesslich zählt jedes Kilo, wenn man unterwegs ist.

Wer die Tour verkürzen möchte oder kein weiteres Gepäck dabei hat, kann hier übrigens bereits den Bus oder Zug nach Klosters Dorf nehmen oder direkt dort starten. Eine praktische Möglichkeit für alle, die etwas Zeit oder Höhenmeter bei dieser Tour sparen wollen.
 
Für mich geht es nun die ersten 45 Minuten links entlang der Bahnstrecke auf einem Winterwanderweg, der tiefverschneit ist. Hier kann man sich ideal warmlaufen, denn es gibt bereit den einen oder anderen Höhenmeter zu bewältigen. 

Durch Klosters Dorf – vorbei an der Madrisa-Bahn, hinein in den Aufstieg

In Klosters Dorf komme ich zuerst an der Talstation der Madrisa-Seilbahn vorbei. Im Sommer herrscht hier reger Betrieb – heute jedoch wirkt alles ruhig, verschneit, fast verlassen. Genau hier, beim Parkplatz der Bahn, muss ich rechts abzweigen, um die Schneeschuhtour zu beginnen. Ein kleiner Hinweis, der wichtig ist, denn sonst läuft man schnell an dem unscheinbaren Einstieg vorbei. 

Ab dieser Abzweigung beginnt der eigentliche Teil der Tour. Der Weg zieht kontinuierlich an. Nicht steil, aber eben ohne Unterbruch. Es ist ein gleichmässiger, langer Winteranstieg, der mit jedem Schritt intensiver wird – besonders bei frisch gefallenem Schnee. Genau deshalb empfinde ich diese Tour zu zweit angenehmer, denn man hat viel Zeit zum Reden, da dieser Aufstieg sonst schon etwas langatmig werden kann. 

Der Weg führt mich zuerst am Wasserkraftwerk vorbei, dessen an eine Burg erinnernde Struktur grau und kantig aus der weissen Schneelandschaft herausragt. Kurz danach erreiche ich die Hängebrücke Schlappintal, die im Sommer ein Highlight der Wanderung ist.

Doch heute ist sie gesperrt – und das sieht man sofort:

  • Eine dicke Schneeschicht legt sich über die Holzbohlen
  • Der Handlauf ist kaum erkennbar
  • Die gesamte Brücke wirkt wie ein zugeschneiter Dornröschenpfad.

Ich bleibe einen Moment stehen und beobachte, wie die Flocken auf ihr tanzen. Sie wirkt wie ein geheimnisvoller, im Winter stillgelegter Übergang in eine andere Welt.

schneeschuhwanderung_klosters_schlappin_
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Hinter der Hängebrücke führt ein kleiner Pfad zu einem beeindruckend steil abfallenden Felsen. Plötzlich bricht die Landschaft fast dramatisch nach unten weg – ein unerwarteter, wilder Kontrast zur zuvor sanften Winterlandschaft. Am Fuss dieses steilen Felsens steht eine schmale Holzbrücke, die im winterlichen Kleid besonders malerisch wirkt.

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Der endlose, weisse Aufstieg – Schritte im Schneefall

Danach beginnt der eigentliche Teil der Tour: ein langes, gleichmässiges Hinaufwandern durch frischen Schnee. Die Piste neben mir ist heute nicht präpariert, und ich merke schnell, dass hier kaum jemand unterwegs ist. Die Tour ist daher eigentlich dann zu empfehlen, wenn die Skipiste noch nicht präpariert ist, da man dann mit Sicherheit nur wenigen Skifahrern begegnen wird, denen man ausweichen müsste. 

Immer wieder halte ich kurz an, um etwas zu trinken oder ein paar Nüsse zu essen. Doch lange stehen bleiben kann ich nicht. Bei –10 °C ohne Sonne kühlt man im Stehen innerhalb weniger Minuten aus.
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…und plötzlich öffnet sich das Schlappintal

Nach dem langen, weissen Anstieg verändert sich das Gelände langsam. Die Bäume treten zurück, die Sicht weitet sich. Ich gehe über eine unauffällige Kuppe – und dann liegt es plötzlich vor mir: Das Schlappintal. Winterlich. Weit. Tief verschneit. Traumhaft schön. 

Ein unberührtes Hochtal, das an diesem Tag wirkt, als gehöre es nur mir.
Ich bleibe stehen und lasse den Moment wirken – ein Gefühl zwischen Staunen und Frieden.

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Schlappin – ein Winterdorf wie aus einer anderen Zeit

Je tiefer ich ins Tal laufe, desto klarer erkenne ich die kleine Häusergruppe, die sich in die weite Schneelandschaft schmiegt: Schlappin. Im Sommer ein lebendiges Alp- und Ausflugsziel – im Winter jedoch ein stilles, fast entrücktes Bergdörfchen. Die Dächer der Holzhäuser tragen dicke Schneemützen, die Holzwände sind vom Wetter dunkel gezeichnet, und zwischen den Häusern wehen leise kleine Schneefahnen über den Boden.

schneeschuhwanderung_klosters_schlappin_
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Mitten im Dorf steht die kleine Schlappiner Kapelle, ein hübscher, schlichter Bau mit weissem Putz und einem kleinen Zwiebeltürmchen. Im Schnee wirkt sie wie ein Winterpostkartenmotiv. Die Kapelle stammt aus dem 17. Jahrhundert und diente früher als spiritueller Ankerpunkt für die Bewohner des Tals und die Alp-Sommergäste. Heute ist sie im tiefen Winter verschlossen – aber schon ihr äusserer Anblick vermittelt Ruhe, Geschichte und eine fast märchenhafte Stimmung.

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Rund um die Kapelle liegen verschiedene Gasthöfe und Hütten, die im Sommer Wandernde bewirten. Besonders bekannt sind die traditionellen Holzhäuser mit dunklen Schindelfassaden, die in den warmen Monaten voller Leben sind: Menschen auf den Terrassen, Kuhglocken in der Ferne, Sonnenschirme, die Schatten spenden.

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Diese Stille verleiht dem Ort eine besondere Magie. Schlappin fühlt sich an wie ein vergessener Zufluchtsort – friedlich, still und vollkommen unberührt. 

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Bevor man das eigentliche Dorf erreicht, steht am Dorfeingang auf der rechten Seite das Berghaus Erika. Es ist ein traditionelles Holzhaus mit dunkler Fassade und einer einladenden Terrasse. Im Winter liegen das Berghaus direkt an der Talabfahrt des Madrisa Skigebietes und ist nur in Verbindung mit Wintersportgeräten erreichbar. 

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Weiter hinten im Dorf, nahe der kleinen Kapelle, steht das Gemsli – Das Berg(zu)Haus, ein traditionsreiches Haus, das im Sommer Wandernde beherbergt und im Winter in einen ruhigen Schlaf fällt. Die Gaststube wurde in den letzten Jahren renoviert, aber bewusst im ursprünglichen Stil erhalten: eine gemütliche Stube mit Cheminée, warmem Holz und liebevollen Details, die im Sommer eine einladende, heimelige Atmosphäre schaffen.

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Der Rückweg – weich, angenehm und voller Nachhall

Der Abstieg fühlt sich fast leicht an. Der Schnee ist weich und trägt gut, die Strecke, die zuvor lang und monoton erschien, geht jetzt wie im Flow. Immer wieder schaue ich zurück ins Tal, bis es schliesslich im dichten Schneefall verschwindet.

Zurück in Klosters holt mich der Alltag wieder ein – und erst jetzt spüre ich, wie besonders dieser Tag war. Eine Tour ohne Menschen, ohne Lärm, ohne Hektik. Einfach nur ich und der Winter. 

Übernachtungstipps in der Region

Als Familie haben wir schon häufig in der Jugendherberge in Davos übernachtet. Das mondäne Haus blickt übers Tal und hat ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn du rechtzeitig buchst, kannst du sogar Doppelzimmer mit eigenem Bad und Balkon ergattern. Abgerundet wird dein Aufenthalt mit einem grossen Frühstücksbüffet mit Panoramablick!

Wenn du direkt im hübschen Dörfchen Klosters übernachten möchtest, schau dir mal das Adventure Hostel dort an. Bei einem Besuch meiner Mutter habe ich dort mit ihr und meinen Kindern übernachtet und alle 3 Generationen haben sich dort pudelwohl gefühlt. Es gibt Zimmer in verschiedenen Grössen und sehr herzliche Gastgeber. 

Das Hotel Montana in Davos liegt genau neben dem Bahnhof und in direkter Nähe der Seilbahnen. Vor allem in Kombination mit einem Skipass oder auch in einer grösseren Gruppe gibt es tolle Angebote für diese Unterkunft mit sehr modernen und sauberen Zimmern und einem tollen Blick auf Davos. Das Haus ist etwas in die Jahre gekommen, hat aber seinen Charme und ist für 1 oder 2 Nächte sehr empfehlenswert!

Bist du an weiteren Schneeschuhtouren in Graubünden interessiert? Oder interessieren dich Schneeschuhtouren in der Umgebung von Zürich? Dann bist du hier genau richtig!

ECKDATEN

Dauer5:30 Stunden
Höhenunterschied↗ 643m ↘ 643m
Länge14.3 km
SchwierigkeitWT1
LageKanton Graubünden
Genaue RouteKlosters Platz – Klosters Dorf – Schlappin – Retour
Tour durchgeführt imJanuar 2026
Geeignet für KinderMit motivierten Kindern ab Teenageralter. Tour ist durch die zu bewältigenden Höhenmeter wohl zu anspruchsvoll für Kinder.
Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der SchweizDas grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz

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