Salbit Höhenweg – Königsetappe des 5-Hütten Panoramawegs von der Voralphütte zur Salbithütte
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T4
636m
1673m
06:50
Jun-Okt
12.5km
Der dritte Tag der 5-Hütten-Panoramawanderung gehört zu den landschaftlich eindrucksvollsten und technisch anspruchsvollsten Etappen. Ausgangspunkt ist die Voralphütte auf 2.126 m, von dort führt der Weg durch die steinschlaggefährdete Rinne im Spicherchäle, vorbei am Salbitschijen-Biwak, über die Salbitbrücke zur Salbithütte, und schließlich den langen Abstieg nach Göschenen.
Das Wetter an diesem Tag war perfekt: klarer Himmel, kaum Wind, hohe Sichtweite. Unterwegs begegneten wir nur wenigen Wanderern. Auffällig war, dass viele diese Etappe ohne Klettersteigset gingen – für die Abschnitte im Spicherchäle würde ich ein Klettersteig-Set mit Helm unbedingt empfehlen.
Eckdaten der Tour
Startpunkt: Voralphütte SAC (2.126 m)
Zwischenziele: Spicherchäle, Salbitschijen-Biwak (~2.400 m), Salbitbrücke, Salbithütte (2.105 m)
Endpunkt: Göschenen (1.110 m)
Distanz: ca. 12,5 km
Höhenmeter: +636 m / –1673 m
Gehzeit: 8–9 Stunden inkl. Pausen
Schwierigkeit: T4, mit Klettersteigpassagen, ausgesetzten Querungen, Hängebrücke
Aufbruch an der Voralphütte und steiler Aufstieg
Der Tag beginnt früh an der Voralphütte. Da Frühstück zwischen 7 und 7:30 Uhr angeboten wird, konnten wir bereits um 7:45 Uhr starten. Direkt hinter der Hütte steigt der Weg steil an. In Serpentinen führt der Pfad rund eine Stunde nach oben, zunächst über Felsstufen, Grasflächen und Blockfelder. Erst weiter oben flacht der Weg ab und geht in einen angenehmeren Höhenweg über.
Hier erleben wir einen besonders stimmungsvollen Moment: die Sonne kommt hinter den Bergspitzen hervor, taucht das Gelände in warmes Licht und hebt die Reliefs der Felsen und Wiesen hervor. Bis dahin sind wir fast 90 Minuten im Schatten unterwegs – bei sommerlichen Temperaturen ein großer Vorteil, der den steilen Start deutlich angenehmer macht.
Kurz nach dem Abflachen des Weges treffen wir auf eine große Schafherde, die friedlich über die Wiesen zieht. Das Blöken der Tiere, der Duft von Gras und Erde und das Scharren auf dem Pfad erzeugen eine besondere Atmosphäre und lassen die Nähe zur Natur spüren. Nach wenigen Minuten setzen wir unseren Weg fort, immer noch beeindruckt von der Szenerie.
Spicherchäle – Klettersteig durch steinschlaggefährdete Rinne
Nach dem flacheren Abschnitt wird der Wanderweg schmaler und führt steil bergab, bis man den Einstieg ins Spicherchäle erreicht hat, eine steinschlaggefährdete Rinne, die mit Drahtseilen und Klammern gesichert ist. Der Abstieg durch die Rinne verlangt Konzentration und Trittsicherheit.
Wir legen unser Klettersteigset, Helm und Handschuhe an, als uns 2 Frauen entgegenkommen, die ohne Klettersteigset unterwegs waren. Kommentar von meinem Mann, nachdem wir das Stück gemeistert haben: „Die haben echt Eier!“
Einige Passagen sind mit Eisenleitern ausgestattet, andere durch Stahlseile gesichert. Das Gelände ist schroff und lose Steine liegen überall – ein Helm ist daher unerlässlich. Wer kein Klettersteigset hat, sollte diesen Abschnitt besser nicht riskieren.
Wer wie wir von der Voralphütte kommt, muss die 4 Leitern im Abstieg bewältigen. Eine etwas unangenehme Erfahrung, die wir lieber im Aufstieg gemeistert hätten.
Die Rinne selbst ist technisch moderat, doch die Exposition und die Gefahr von Steinschlag machen sie zu einem der anspruchsvollsten Punkte der Etappe. In der Rinne befindet sich ein gespanntes Seil, welches uns beim Aufstieg hilft. Wir laufen einzeln durch die Rinne und suchen Schutz hinter grossen Steinbrocken.
Auf der anderen Seite der Rinne folgen wir einem schmalen Weg, der durchgängig mit einem Seil gesichert ist. Wir entspannen uns und geniessen dieses Wegstück. Wir befinden uns nun ausserhalb der Steinschlagzone und sind begeistert vom Tiefblick und der Landschaft.
Salbitschijen-Biwak
Kaum hat man die steilere Rinne hinter sich gelassen, erscheint das kleine Salbitschijen-Biwak in exponierter Lage auf rund 2.400 m. Es ist schlicht, bietet aber Schutz für einige Bergsteiger. Für uns ist es ein kurzer Fotostopp und Gelegenheit, den Ausblick zu genießen (und für mich der Besuch der 113. SAC-Hütte der Schweiz). Das Biwak wirkt wie ein ruhiger Zeuge der rauen Umgebung, mitten in Granitwänden, und erinnert daran, wie schnell das Wetter hier umschlagen kann.
Über die Salbitbrücke
Nach dem Biwak führt der Weg weiter zur Salbitbrücke, die 2010 errichtet wurde. Die Hängebrücke ist etwa 90 m lang und 60 cm breit und überspannt die tiefe Schlucht des Stotzig Chälä.
Unser Klettersteig-Set haben wir bereits nach der Rinne abgezogen und hier könnte man es nochmal gebrauchen. Es geht über eine längere Leiter bergab bis zur Brücke. Wer die anderen Leitern aber bereits schon gemeistert hat, für den sollte dieses Stück gut zu begehen sein. Lass daher am besten das Klettersteig-Set noch angezogen bis zur Salbitbrücke, da du es hier nochmal gebrauchen kannst.
Der Übergang ist spektakulär: die Brücke ist in der Mitte ziemlich wackelig, unter den Füßen öffnet sich der Abgrund, die Granitwände steigen steil auf. Stahlseile auf beiden Seiten geben Sicherheit. Wer schwindelfrei ist, erlebt hier einen der Höhepunkte der gesamten Tour.
Entstehung der Salbitbrücke und Kontroversen um den Höhenweg
Die Salbitbrücke wurde 2010 errichtet, um den Zugang zum Salbitschijen-Gebiet zu erleichtern und die exponierten Übergänge des Höhenwegs sicherer zu gestalten. Vor ihrem Bau mussten Wanderer die Schlucht über teilweise unsichere Felsstufen und enge Kamine queren, was insbesondere bei Nässe oder Schneeresten gefährlich war.
Der Bau der Brücke war nicht unumstritten. Viele Bergsteigerverbände und Naturschützer diskutierten über die Eingriffe in das empfindliche alpine Ökosystem und die visuelle Wirkung in der Hochgebirgslandschaft. Kritiker argumentierten, dass ein Klettersteig in diesem sensiblen Gelände unnötig sei und das ursprüngliche Abenteuergefühl zerstöre. Befürworter betonten hingegen die Sicherheit, die Möglichkeit, den Höhenweg auch für erfahrene Wanderer ohne extreme Klettererfahrung zugänglich zu machen, und die geringfügige Eingriffstiefe in das Gelände.
Heute gilt die Brücke als gelungene Lösung, die die spektakuläre Route sicherer macht, ohne die alpine Schönheit wesentlich zu beeinträchtigen. Der Salbit-Höhenweg selbst war in den 1990er Jahren umstritten, da Teile des Weges steinschlaggefährdet und sehr exponiert waren. Mit der Errichtung von Drahtseilen, Leitern und später der Brücke konnte der Weg als eine der eindrucksvollsten alpinen Höhenwege der Zentralschweiz etabliert werden.
Nach der Überquerung geht es über Blockfelder und alpine Wiesen weiter Richtung Salbithütte. Fasziniert beobachten wir die Kletterer, die an den Wänden oberhalb des Wanderwegs in den zahlreichen Mehrseillängen klettern.
Salbithütte und Mittagspause
Nach rund 5:30 Stunden Gehzeit erreicht man die Salbithütte auf 2.105 m. Die Hütte liegt hoch über dem Reusstal und bietet einen weiten Blick über die Schöllenenschlucht und umliegende Gipfel. Auf dem Weg zur Hütte wirst du unzählige Büsche mit Heidelbeeren finden!
Wir machen eine längere Pause und genießen die Rösti, die frisch zubereitet werden. Knusprig und sättigend – eine ideale Stärkung nach den technisch anspruchsvollen Passagen und der Hängebrücke. Dazu ein kühles Getränk auf der Terrasse der Hütte.
Abstieg nach Göschenen
Nach der Mittagspause beginnt der Abstieg. Wir wählen den direkten Weg nach Göschenen, der etwa 30 Minuten länger dauert als die Variante über das Göscheneralptal, jedoch flexibler in Bezug auf Bus- bzw. Zugfahrpläne ist.
Der Abstieg beginnt über Wiesenhänge, geht dann über Blockfelder, später durch Wald. Der Pfad ist steil und erfordert Aufmerksamkeit. Unterwegs öffnet sich der Blick auf die Reuss, später fallen erste Blicke auf die Autobahnbrücke – ein starker Kontrast zur alpinen Ruhe der letzten Stunden.
Nach rund 1:30 bis 2 Stunden Abstieg erreicht man schließlich Göschenen auf 1.110 m.
ECKDATEN
| Dauer | 6:50 Stunden |
| Länge | 12.5 km |
| Höhenunterschied | ↗ 636m↘ 1673m |
| Schwierigkeit | T4 |
| Lage | Kanton Uri |
| Tour durchgeführt im | September 2025 |
| Geeignet für Kinder | Der 5-Hütten-Panoramaweg ist für ausdauernde, trittsichere Teenager ab ca. 15 Jahren geeignet. Lange Etappe, benötigt Berg- und Klettersteigerfahrung. Mit Übernachtung in der Salbithütte verkürzt sich die Tour auf ca. 5:30 Stunden. |
| Genaue Route | Göscheneralpsee-Dammagletscher – Chelenalphütte-Bergseehütte |
| Geeignet für Hunde | Ja |
| Buchempfehlung | Hüttentrekking Band 2: Schweiz: 36 Mehrtagestouren von Hütte zu Hütte |
Wenn du nach dieser 3-Tages-Tour noch weiter im Kanton Uri bleiben möchtest und du eine Unterkunft nach dieser Wanderung suchst, würde ich dir Andermatt empfehlen. Andermatt erreichst du mit dem Zug direkt ab Göschenen und du kannst dir dort noch die Schöllenenschlucht anschauen. Diese ist in ca. 30 Minuten von Andermatt zu erreichen (Fotos kannst du auch auf meinem Blog finden). Du könntest zwar auch in Göschenen übernachten, aber Andermatt hat definitiv mehr Charme!