Tanzboden im Winter: Traumhafte Schneeschuhtour ab Rieden

Tanzboden im Winter: Traumhafte Schneeschuhtour ab Rieden

trekking

WT2

784m

784m

05:50

Nov-Mär

13.4km

Der Winter meint es gut mit uns. Erst seit ein paar Tagen liegt der erste Neuschnee über den Hügeln rund um Rieden SG, frisch genug, dass er noch unberührt wirkt, aber dicht genug, um endlich wieder die Schneeschuhe anzuschnallen. Als wir am Morgen im kleinen Dorf ankommen, herrscht eine angenehme Ruhe. Die Luft ist klar, die Dächer tragen einen feinen weißen Überzug, und irgendwo bellt ein Hund – ansonsten hört man nur das leise Rascheln des Schnees, der langsam aus den Baumwipfeln fällt. Unser Navi hat uns einen kleinen Streich gespielt und uns über eine sehr schmale und steile Strasse nach Rieden SG geleitet. Da wir mit einem (schweren) VW Bus unterwegs sind und die Schneeketten noch nicht im Auto sind, sind wir froh, als wir an der Dorfkirche ankommen, ohne weggerutscht zu sein. Nimm also am besten die Hauptstrasse, die nach Rieden hoch führt, die eine kleine Extraschlaufe dreht, aber dafür der sichere Anfahrtsweg ist. Alternativ gibt es ein regelmässig verkehrendes Postauto, welches dich zum Ausgangsort bringt. Wer die Tour verkürzen möchte, kann vom Dorf Rieden weiter bis zum Parkplatz Müselen fahren, muss dann aber die Tour in abgeänderter Form laufen, da die von mir beschriebene Tour wieder zurück nach Rieden führt. 

Direkt bei der Kirche hat es einige (kostenpflichtige) Parkplätze und schon kann es losgehen. Wir atmen tief ein. Dieses Gefühl kennen wir: Der erste Schneetag der Saison hat immer etwas Feierliches. Man weiß nie genau, was einen erwartet – ob der Schnee reicht, ob die Wege gespurt sind, ob das Wetter hält. Aber gerade dieses Ungewisse macht den Reiz aus. Es ist mit -10 Grad bitterkalt und so geht es gleich los, damit wir uns warmlaufen können. 

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Der Weg beginnt direkt in Rieden auf einem kleinen, steilen Pfad, der schnell an Höhe gewinnt. Zwischen Gärten und einzelnen Bäumen steigen wir die ersten Meter zügig hinauf, der Schnee ist hier noch dünn und unregelmäßig. Für dieses Stück lassen wir die Schneeschuhe bewusst am Rucksack – alles andere wäre nur umständlich. Der Pfad mündet nach kurzer Zeit in eine schmale Bergstraße, die sich in langen Kurven den Hang hinaufzieht.

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Ab hier heißt es: ungefähr drei Kilometer Straße gehen. Nicht die romantischste Passage der Tour, aber typisch für viele Winterrouten in den Voralpen. Der Schnee ist hier geräumt, da sehr regelmässig Autos entlangfahren, und obwohl wir immer wieder versuchen, oberhalb der Straße in den schneebedeckten Hängen auszuweichen, ist das nur stellenweise möglich. Zu oft wird der Hang zu steil oder zu dicht bewachsen, sodass wir zurück auf den Asphalt müssen. Erst weiter oben, wo der Parkplatz zur Tanzbodenhütte angeschrieben ist und die Landschaft sich öffnet, können wir von der Strasse abbiegen und dem gespurten Weg der Skitouren- und Schneeschuhläufer folgen. 

Ein leises Aufatmen. Jetzt beginnt der Teil der Tour, den wir uns gewünscht haben. Wir schnallen die Schneeschuhe an und spüren sofort dieses vertraute Gefühl: den größeren Schritt, das sanfte Einsinken im Schnee, das rhythmische Knirschen, das einen sofort in einen ruhigeren Bewegungsfluss bringt.

Die Landschaft um uns herum wirkt nun wie frisch gedeckt. Die Hänge oberhalb von Müselen sind gleichmäßig weiß, nur wenige Spuren ziehen sich über die Wiesen. Der Schnee ist weich, frisch und pulvrig – ideal für die ersten Schneeschuhmeter der Saison.

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Nur wir, der Schnee und die Voralpen

Der Weg steigt zwar stetig an, aber nie abrupt. Die Schneeschuhe greifen gut, und wir finden schnell unser Tempo: Schritt – Knirschen – Atemzug – Schritt. Immer wieder schweift unser Blick nach hinten über das Tal. Langsam verdrängt die Sonne die letzten Wolkenreste. Mittlerweile ist uns warm geworden und wir haben bereits die ersten Schichten abgelegt. Gelegentlich treffen wir auf andere Wintersportler – alle anderen haben ihr Auto am Parkplatz Cholwald geparkt und sich so die Strecke entlang der Bergstrasse gespart. Da wir aber eine Rundtour geplant haben, war für uns Rieden der ideale Ausgangsort. Wenn du die Tour allerdings verkürzen möchtest, starte am besten beim Parkplatz Cholwald. Beachte allerdings, dass die Strasse nicht geräumt ist und es daher vereist sein kann. Winterreifen sind hier Pflicht!

Je weiter wir aufsteigen, desto weiter wird die Aussicht. Über uns zieht der Weg weiter Richtung Stock und dann sanft zur Chüebodenegg. Bei der Alp Stock lädt eine Holzbank direkt zur ersten Pause ein. Die Sicht ins Tal ist prächtig, während über uns immer wieder Wolken und Nebel aufziehen. 

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Hinauf auf den Rücken – der Tanzboden rückt näher

Kurz vor der Chüebodenegg wird der Weg breiter und führt über offene Hügelkämme. Jetzt zeigt sich die Winterlandschaft von ihrer besten Seite. Wir spüren, wie das Gelände leicht anzieht, aber wir genießen den Anstieg. Man darf nicht vergessen, dass diese Tour fast 800 Höhenmeter beinhaltet und als Einstieg in die Wintersaison doch anstrengend ist. Eine gewissen Grundfitness ist hier unbedingt notwendig, um die Tour geniessen zu können. 

Bald sehen wir den Rücken, der zum Tanzboden führt. Ein breiter, freundlicher Hang, ein idealer Schneeschuhspielplatz. Der Schnee ist perfekt – nicht zu tief, nicht zu schwer, sondern genau richtig, um breite Spuren in die weiße Fläche zu ziehen. Je höher wir kommen, umso mehr Skitourengeher kommen in unsere Richtung. Aus allen Richtungen führen Wege auf den Tanzboden. Wir sind bei unserem letzten Besuch mit den Schneeschuhen aus Ebnat-Kappel aufgestiegen. Da es noch mindestens 2 weitere Touren auf den Tanzboden gibt, werden wir bestimmt nicht das letzte Mal hier oben gewesen sein!

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Die Alpwirtschaft Tanzboden – still in den Betriebsferien

Als wir die flache Mulde des Tanzbodens erreichen, steht zuerst die Alpwirtschaft Tanzboden vor uns. Sie liegt ruhig, verschneit und abgeschlossen da. Betriebsferien. Der Schnee liegt hoch an den Tischen, die Fenster sind dunkel, und die Hütte wirkt wie in einer Art Winterschlaf.

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Auf dem Gipfel ist es bitterkalt. Kurz vor unserer Ankunft haben sich die Wolken verzogen und wir haben einen herrlichen Weitblick. Die Landschaft hier oben ist tief verschneit und wirkt arktisch. Während die Alpwirtschaft noch geschlossen ist, hat die Tanzbodenhütte (hinterm Gipfelkreuz gelegen) bereits geöffnet. Diese wird von der SAC Sektion Pfannestiel betrieben und hat gerade heute ihr Saison-Eröffnungswochenende. Das erklärt, warum heute wirklich viel los ist. Bei unserem nächsten Besuch werden wir einen Aufenthalt in der Hütte einplanen und Bargeld mitnehmen. Stattdessen holen wir unser mitgebrachtes Mittagessen heraus, ziehen alle mitgebrachten Schichten an und geniessen dieses auf der Bank am Gipfelkreuz (Sitzkissen mitnehmen!). Da es heute sehr kalt ist, lohnt es sich, eine 2. Daunenjacke dabeizuhaben, da man hier oben wirklich sehr schnell auskühlt. Andererseits wollen wir so lange wie möglich hier oben bleiben, da der Ausblick wirklich umwerfend ist!

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Der Rückweg – weite Hänge und ein goldener Abstieg

Nach einer guten Pause packen wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Rückweg Richtung Rieden. Für den Abstieg laufen wir eine grössere Schlaufe entlang des Höhenwegs. Der Weg ist super gespurt, aber es hilft doch, immer mal wieder auf den gpx-Track zu schauen, um nicht falsch abzubiegen. So geht es durch kleine romantische Waldpassagen, schmale Wege und immer wieder offenes Gelände. Der Abstiegsweg gefällt uns beiden sehr und wir würden diesen für den Aufstieg empfehlen. So hat man die Hartbelagpassage am Ende der Tour und kann den schöneren Teil im gemütlicheren Aufstieg geniessen. 

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Die Tour fordert uns mit ihrer Länge von ca. 13km und langsam macht sich Müdigkeit breit. Der Tag ist aber traumhaft schön, so dass wir für unsere Mühen entschädigt werden. Während der letzten Stunde waren wir wieder komplett alleine unterwegs und haben den Trubel vom Tanzboden schon lange hinter uns gelassen. 

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Kurz vor Rieden sinkt die Sonne tief

Kurz vor Rieden beginnt die Sonne langsam hinter den Hügeln zu sinken. Die Landschaft um uns herum taucht in warmes Gold. Die verschneiten Hänge leuchten plötzlich auf, jeder Ast bekommt einen dünnen, glühenden Rand. Das Tal unter uns füllt sich mit einer Mischung aus kühlem Blau und sanftem Gelb.

Wir laufen die letzten Meter schweigend, beide auf unsere Weise völlig eingenommen von dieser Stimmung. Der Kontrast zwischen dem kalten Schnee und dem warmen Licht ist atemberaubend. Das kleine Dorf Rieden wirkt jetzt wie eine Bühne, auf der die Sonne ihren Abendauftritt gibt.

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Die Schneeschuhe sind abgeschnallt, die Beine sind müde, die Finger warm von den Thermosflaschen. Wintertage müssen nicht extrem oder spektakulär sein, um perfekt zu werden. Manchmal reicht eine klare Route, ein bisschen Neuschnee, eine offene Hütte – und ein Sonnenuntergang, der dich überrascht, wo du ihn am wenigsten erwartet hast.

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ECKDATEN

Dauer5:50 Stunden
Höhenunterschied↗ 784 m, ↘ 784 m
Länge13.4 km
SchwierigkeitAnspruchsvoll, WT2
LageKanton St. Gallen
Genaue RouteRieden – Stock – Tanzbodenhütte – Breitenau – Rieden
Tour durchgeführt imNovember 2025
Geeignet für KinderTechnisch unschwierig, aber viele Höhenmeter und langer Anstieg. Für fitte und motivierte Kinder bestimmt ab 12 Jahren geeignet. Mit Kinder den direkten/kürzesten Abstieg wählen, da Tour sonst zu lang.
Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der SchweizDas grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz

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