Zwischen Sonnenuntergang und Vollmond – Wintermagie auf dem Weg zur Räbalp
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T1
111m
7m
0:45
Jan-Dez
2.3km
Es ist wirklich die absolute perfekte Wanderung, die einem noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. Eine Tour, bei der einfach alles stimmt: das Licht, die Stimmung, die Menschen, das Essen – und dieses leise, fast ehrfürchtige Staunen, das einen den ganzen Abend begleitet. Man steht auf der Höhe, blickt über den See, spürt die klare Winterluft auf der Haut und weiss in genau diesem Moment: Genau dafür ist man draussen unterwegs.
Als Wanderleiterin mit der Pro Senectute bin ich an diesem Abend mit einer Gruppe unterwegs, die sich auf ein ganz besonderes Erlebnis einlässt – eine Sonnenuntergangs-Vollmond-Fackelwanderung von der Seebodenalp hinauf zur Alpwirtschaft Räbalp.
Und diesmal ist noch jemand ganz Besonderes mit dabei: mein 15-jähriger Sohn. Er möchte unbedingt einmal sehen, was ich als Wanderleiterin eigentlich so mache. Wie ich eine Gruppe führe. Wie ich plane. Wie so ein Abend abläuft. Und ganz ehrlich? Ich freue mich riesig darüber.
Ausserdem hat er seine Drohne im Rucksack. Sein Ziel: ein paar stimmungsvolle Aufnahmen aus der Luft. Was er an diesem Abend einfängt, ist schlichtweg beeindruckend. Diese Perspektiven von oben – der glühende Himmel über dem Vierwaldstättersee, der silbern leuchtende Vollmond über der winterlichen Landschaft, die hell erleuchtete Rigibahn, später die Fackeln wie eine kleine Lichterkette im Dunkeln – sind einfach magisch. Einige Bilder, die du hier im Beitrag siehst, stammen von ihm. Und ich bin ehrlich ein bisschen stolz
Die Idee beginnt mit einem Flyer
Manchmal entstehen die schönsten Touren ganz spontan. Ich stehe bei der Seilbahn Seebodenalp, werfe einen Blick auf einen Flyer – und bin sofort begeistert. Sonnenuntergang. Vollmond. Fackeln. Räbalp. Sonderfahrt mit der Seilbahn.
Es ist einer dieser Momente, in denen man innerlich sofort „Ja!“ sagt. Also wandere ich die Tour nach, plane sie für meine Gruppe – und hoffe insgeheim auf gutes Wetter.
Was wir dann bekommen, übertrifft alles.
Windstill. Klar. Perfekt.
Wir starten am späteren Nachmittag auf der Seebodenalp. Die Bedingungen könnten nicht besser sein: windstill, trocken, klare Luft. Kein Nebel, keine Wolken, nur diese weite Wintertransparenz, die die Landschaft fast unwirklich wirken lässt.
Die Route ist grundsätzlich einfach. Zu Beginn verläuft sie flach und angenehm, ideal für eine Gruppe. Man kommt ins Gespräch, lacht, bleibt immer wieder stehen, um den Blick schweifen zu lassen. Technisch ist die Wanderung gut machbar – aber im Winter gilt ganz klar: Spikes gehören unbedingt ins Gepäck. Es kann stellenweise sehr eisig werden, und Sicherheit geht vor.
Langsam färbt sich der Himmel über dem Vierwaldstättersee in warme Orange- und Rosatöne. Die Sonne sinkt hinter den Horizont, taucht See und Berge in goldenes Licht. Für einen Moment lässt mein Sohn die Drohne steigen. Von oben sieht man, wie wir als kleine Gruppe am Rand der weiten Landschaft unterwegs sind, während die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Es wird ruhiger. Jeder spürt, dass dieser Moment nicht alltäglich ist.
Wenn der Vollmond übernimmt
Kaum verschwindet die Sonne, kündigt sich auf der anderen Seite bereits der Vollmond an. Und was für einer.
Er steigt langsam empor und erleuchtet die Landschaft in einem silbrigen, fast mystischen Licht. Der Schnee beginnt zu glitzern, Konturen werden weicher, Schatten länger. Es ist erstaunlich, wie hell eine Vollmondnacht sein kann – man erkennt den Weg deutlich, sieht die Berge als dunkle Silhouetten und fühlt sich gleichzeitig ganz klein in dieser weiten Winterlandschaft.
Auch hier entstehen spektakuläre Luftaufnahmen. Der Kontrast zwischen der letzten Restglut am Horizont und dem kalten Mondlicht darüber wirkt aus der Vogelperspektive noch intensiver.
Der Weg bleibt zunächst gemütlich. Erst gegen Ende wartet ein kurzes, steiles Stück hinauf zur Räbalp. Es ist nicht lang, aber man spürt es in den Beinen. Genau hier zeigt sich, warum gutes Schuhwerk und Spikes im Winter so wichtig sind. Schritt für Schritt arbeiten wir uns nach oben – und werden mit einem herzlichen Empfang belohnt.
Ankommen auf der Räbalp
Die Alpwirtschaft Räbalp ist ab 8 Personen im Winter auf Anfrage auch abends geöffnet – ein echtes Privileg für solche Gruppenanlässe. Drinnen erwartet uns ein unglaublich freundliches Team, das uns mit grosser Herzlichkeit begrüsst. Bevor ich eintrete, kommt eine Teilnehmerin mit Tränen in den Augen auf mich zu und bedankt sich für diese ganz spezielle Wanderung. Ich nehme sie in den Arm und kurz geniessen wir den Moment zusammen.
Gemeinsam betreten wir die Alpwirtschaft. Es ist warm. Es duftet nach Käse. Jacken werden abgelegt, Hände gerieben, erste zufriedene Blicke ausgetauscht.
Und dann steht es auf dem Tisch: ein unglaublich feines Käsefondue für unsere Gruppe. Cremig, aromatisch, genau richtig gewürzt. Draussen die kalte Winterwelt, drinnen das knisternde Gespräch, das Klirren der Gabeln, dieses wohlige Gefühl im Bauch.
Mein Sohn hört aufmerksam zu, beobachtet, wie ich die Gruppe begleite, Gespräche führe, schaue, dass es allen gut geht. Später sagt er, er habe gar nicht gewusst, wie viel Organisation und Verantwortung dahintersteckt. Genau dafür hat sich dieser gemeinsame Abend schon gelohnt.
Fackeln im Mondlicht
Für den Rückweg steht ein weiterer Höhepunkt an. Zuerst steigen wir das steile Stück wieder hinunter – konzentriert, Schritt für Schritt. Danach erreichen wir das flachere Wegstück, auf dem wir unsere Fackeln entzünden.
Bevor man eine solche Fackelwanderung plant, sollte man unbedingt bei der zuständigen Gemeinde nachfragen, ob eine Bewilligung erforderlich ist. Offenes Feuer bringt Verantwortung mit sich – und gehört sorgfältig organisiert.
Mit brennenden Fackeln in der Hand laufen wir diesmal nicht auf dem Panoramaweg, sondern auf dem breiten Fahrweg entlang. Das ist sicherer und bietet genügend Platz für die Gruppe. Die Flammen werfen tanzende Schatten auf den Schnee, das Knacken des Feuers mischt sich mit dem rhythmischen Knirschen unserer Schritte.
Aus der Luft sieht es später aus wie eine leuchtende Spur durch die Dunkelheit. Eine kleine, wandernde Lichterkette in einer riesigen, stillen Landschaft. Die Aufnahmen, die du hier im Beitrag findest, zeigen genau diese magische Stimmung – und sie fangen das ein, was man kaum in Worte fassen kann.
Die Sonderfahrt ins Dunkel
Schliesslich erreichen wir wieder die Talstation der Seilbahn Seebodenalp. Für solche Anlässe kann man hier eine Sonderfahrt bestellen (CHF50 Zuschlag pro Gruppe) – eine wunderbare Möglichkeit, den Abend entspannt ausklingen zu lassen.
Wir steigen in die Gondel. Das Licht geht aus. Und dann fahren wir los. Rund 15 Minuten dauert die Fahrt hinunter. Draussen nur Dunkelheit, hier und da ein Lichtermeer im Tal. Drinnen eine besondere, fast feierliche Atmosphäre. Niemand spricht laut. Man lässt den Abend Revue passieren. Das Fondue. Das Mondlicht. Die Fackeln. Diese perfekten Bedingungen.
Und für mich ganz persönlich bleibt noch etwas anderes: dieser Abend mit meinem Sohn. Gemeinsam draussen unterwegs. Er mit seiner Drohne, ich mit meiner Gruppe. Zwei Perspektiven auf dieselbe Wanderung – seine aus der Luft, meine am Boden.
Unten angekommen, fühlt sich alles ein wenig unwirklich an – als käme man aus einer anderen Welt zurück.
Fazit: Eine Tour für Herz, Sinne – und Generationen
Diese Sonnenuntergangs-Vollmond-Fackelwanderung von der Seebodenalp zur Räbalp ist technisch einfach, landschaftlich spektakulär und emotional kaum zu übertreffen. Sie eignet sich wunderbar für Gruppen – besonders mit einer guten Planung, Winterausrüstung und klarer Absprache bezüglich Bewilligungen und Sonderfahrt.
Was sie aber wirklich besonders macht, ist nicht nur die Route.
Es ist dieses perfekte Zusammenspiel aus Licht und Dunkelheit. Aus Kälte und Wärme. Aus Bewegung und Einkehr. Aus Stille und Gemeinschaft.
Und manchmal ist es auch die gemeinsame Zeit zwischen Mutter und Sohn, die eine Wanderung unvergesslich macht.
Hier nochmal ein grosses Dankeschön an das Team der Seebodenalp Seilbahn und der Alpwirtschaft Räbalp, dass ihr uns diesen ganz besonderen Abend ermöglicht habt!
ECKDATEN
| Dauer | 0:45 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 111m ↘ 7m |
| Länge | 2.3 km |
| Schwierigkeit | T1 |
| Lage | Kanton Schwyz |
| Genaue Route | Seebodenalp – Panoramaweg – Räbalp |
| Tour durchgeführt im | Januar 2025 |
| Geeignet für Kinder | Auf jeden Fall! |
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