Wanderung auf dem Küstensteig von Porto da Cruz nach Machico: Natur pur auf Madeira
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T2
410m
420m
02:50
Jan-Dez
12.1km
Unsere Wanderung führt uns entlang des Küstensteigs von Porto da Cruz bis Machico – eine Route, die schon nach den ersten Metern deutlich macht, dass sie landschaftlich alles andere als gewöhnlich ist. Anfangs verläuft der Weg noch recht unspektakulär: Wir steigen zunächst über einen Abschnitt, der direkt an einer steilen Straße entlangführt, und die Aussicht wirkt noch etwas eingeschränkt. Doch schon nach wenigen Minuten verändert sich die Szenerie, und die Wanderung wird von Schritt zu Schritt eindrucksvoller. Hinter jeder Kurve wartet der nächste „Oh!“, „Ah!“ oder „Wie schön!“-Moment. Steile Klippen fallen direkt ins Meer ab, vereinzelte Häuser schmiegen sich an die Hänge, und die Wellen brechen sich an den Felsen – ein Panorama, das uns vollkommen in seinen Bann zieht.
Die Route ist landschaftlich wirklich einmalig: üppige Vegetation, schroffe Felsen, kleine Buchten und immer wieder der Blick auf das tiefblaue Atlantikwasser, das sich in der Sonne glitzernd ausbreitet. Im Vergleich zu den typischen Madeira-Levada-Wanderungen ist diese Strecke eine willkommene Abwechslung: weniger Wasserläufe, mehr Weite, mehr Horizont, mehr Natur pur – ein Weg, der das Gefühl von Freiheit auf der Insel sofort vermittelt.
Neben der landschaftlichen Schönheit ist der Küstensteig auch historisch interessant. Früher war er die einzige Verbindung zwischen Porto da Cruz und Machico, bevor der Berg später durch Tunnels, Brücken und moderne Straßen erschlossen wurde. Früher wurden auf diesem Pfad sogar Weintransportleitungen aus Ziegenhäuten entlanggeführt – das flüssige Gold der Region floss über die steilen Hänge in Richtung Hafen. Wenn man sich das vorstellt, bekommt der Weg eine ganz besondere Dimension: Plötzlich spürt man die Mühen und den Alltag der Menschen, die hier jahrhundertelang unterwegs waren, und die ursprüngliche Wildheit des Steigs wirkt noch beeindruckender.
Heute bietet der Pfad trotz oder gerade wegen seiner Geschichte ein unvergessliches Erlebnis. Die Kombination aus Natur, Aussicht, Abenteuer und einem Hauch von Vergangenheit macht diese Wanderung zu einem echten Highlight Madeiras. Jeder Schritt, jeder Blick zurück oder nach vorne fühlt sich an wie ein kleiner Schatz, und wir merken schnell, dass wir die Kamera öfter zücken als sonst, um die Schönheit festzuhalten.
Bei unserem Familien-Wanderurlaub übernachten wir die ersten Tage in Funchal und nutzen den Bus, um die Insel zu erkunden. Die Küstenwanderung von Porto da Cruz nach Machico bietet sich dabei perfekt an: Sowohl der Ausgangs- als auch der Endpunkt sind bequem mit dem Bus erreichbar, was die Organisation enorm erleichtert, da es sich nicht um eine Rundwanderung handelt. Gerade in den ersten Tagen, bevor wir den Mietwagen nutzen, sind solche Touren ideal, um entspannt in den Urlaub zu starten.
Die Planung der Anreise per Bus gestaltet sich zunächst etwas knifflig, denn die von uns gewählte Verbindung wird online nicht direkt angezeigt. Also studiere ich zuerst den Busfahrplan nach Machico und anschließend die Weiterverbindung nach Porto da Cruz. Nach einigem Suchen finde ich eine passende Kombination, bei der wir mit 15 Minuten Umsteigezeit auch im Falle einer leichten Verspätung genügend Puffer haben. Am Abend zuvor mache ich mich auf die Suche nach der Haltestelle, die am nächsten zu unserer Unterkunft liegt, und notiere mir die genaue Route.
Nachdem all dies organisiert ist, verläuft die Anreise völlig unkompliziert. Die Busse auf Madeira sind extrem pünktlich und zuverlässig, sodass wir entspannt an den Startpunkt gelangen. Schon die Fahrt selbst ist ein Erlebnis: Von Machico aus schlängelt sich der Bus über geschwungene, steile Bergstraßen, vorbei an kleinen Dörfern, üppigen Hängen und atemberaubenden Ausblicken auf das tiefblaue Meer. Der Fahrer nimmt selbst die kleinsten Straßen und biegt häufig von der Hauptstraße ab, um alle Haltestellen zu bedienen. Jedes Mal, wenn er eine enge Kurve meistert, können wir uns ein Lächeln nicht verkneifen – zum Glück müssen wir hier nicht selbst fahren!
Unterwegs fällt unser Blick immer wieder auf die terrassenförmig angelegten Felder, winzige Häuser und blühende Gärten, die sich an die Hänge schmiegen. Man spürt, dass Madeira in jedem Winkel liebevoll gestaltet wurde und dass selbst die Busfahrten hier zu einem kleinen Abenteuer werden können. Für uns ist die Kombination aus entspanntem Transport, spektakulärer Landschaft und der Aussicht auf die bevorstehende Wanderung der perfekte Einstieg in unseren Urlaub.
In Porto da Cruz angekommen, nutzen wir die Gelegenheit, noch in den kleinen, lokalen Supermarkt zu gehen, um ein paar Vorräte aufzufüllen – Wasser, Snacks und etwas Obst für unterwegs. Danach starten wir direkt an der Küste in die Wanderung. Der Einstieg ist sofort spürbar: Die Wanderung ist leider nicht ausgeschildert, sodass eine genaue Beschreibung oder ein .gpx-File auf dem Handy hier wirklich Gold wert ist. Ohne diese Orientierungshilfe könnte man leicht den falschen Weg einschlagen, vor allem, weil sich die Pfade in den Dörfern und an den Küstenabschnitten schnell verzweigen.
Wir folgen dem breiten Pfad aus dem Dorf heraus, passieren den markanten Schornstein des Zuckermuseums und laufen in Richtung des kleinen Strands. Dieser ist bei Surfern besonders beliebt, und wir beobachten später einige von ihnen, wie sie geschickt die Wellen reiten – ein kleiner Vorgeschmack auf die dramatische Küstenlandschaft, die uns erwartet. Über einen kleinen Bach führt der Weg weiter, bevor wir einige kunstvoll angelegte Stufen den Hang emporsteigen, die uns auf die höheren Abschnitte des Küstenpfades bringen.
Bald erreichen wir eine Straße, die steiler nicht sein könnte. Die Sonne brennt bereits vom Himmel, und hier zahlt sich unsere gewohnte Praxis aus, immer einen Regenschirm als Sonnenschutz dabei zu haben. Die nächsten 30 Minuten ziehen sich wie Kaugummi: Es folgt ein extrem steiles Stück ohne Schatten, und selbst die Kinder beginnen, die Wanderung zu verfluchen und überlegen, umzukehren. Ich höre ihre Kommentare über die „von Mama ausgewählte Route“ mit einem leichten Schmunzeln, während wir Schritt für Schritt den Hang erklimmen.
Endlich erreichen wir eine abflachende Straße, die im Schatten liegt, und können uns kurz ausruhen, die Beine strecken und etwas trinken. Schon jetzt merken wir: Dieses Stück der Wanderung ist zwar landschaftlich interessant, gehört aber nicht zu den angenehmeren Passagen. Für zukünftige Wanderer, die auf die Busfahrzeiten achten, lohnt es sich definitiv, die Tour in entgegengesetzter Richtung zu machen. So könnte man das steile, sonnige Stück am Anfang umgehen und stattdessen am Ende der Tour im Abstieg bewältigen – deutlich angenehmer für alle, besonders für Kinder.
Wir kommen an einer Materialseilbahn vorbei und finden hier oben sogar einige Mietwagen anderer Wanderer, die die Tour hier oben starten. Die Parkplätze sind jedoch sehr eingeschränkt und ich würde auch nicht empfehlen, die Tour als Rundwanderung zu planen, sondern besser in Verbindung mit Bus oder Taxi.
Nach der Materialseilbahn folgt ein kurzes einfaches Stück auf einem breiten Wanderweg, bevor der Weg in einem schmalen, häufig steinigen Weg übergeht und der wirklich spannende Teil der Wanderung beginnt. Wer es bis hier geschafft hat, kann ab nun auf den Geniesser-Modus umschalten und auch unsere Kinder sind wieder besänftigt. Wir haben einen fantastischen Blick auf den Ozean und die Steilküste und auch der Wanderweg ist wirklich spannend angelegt.
Der Weg ist hervorragend gesichert und an den ausgesetzten Stellen gibt es Befestigungsseile oder künstlich angelegte Stufen. Der Weg ist jedoch fast durchgängig ausgesetzt und schmal. Uns ist ein Wanderer entgegengekommen, der ein dünnes Seil um die Hüfte geschlungen hatte, mit welchem er mit seinem Freund verbunden war (im Falle eines Sturzes hätte das allerdings nichts gebracht). Er zitterte bei jedem Schritt und wirkte extrem unsicher. Von daher würde ich dem Weg bei extremer Höhenangst und auch Anfängern eher nicht empfehlen. Kinder mit (Berg-) Wandererfahrung werden den Weg gut absolvieren können!
Unterwegs gibt es immer die eine oder andere Stelle, an welcher man sich kurz hinsetzen und eine Pause einlegen kann. Der Weg ist teilweise aber auch so schmal, dass man sich ein wenig aneinander vorbeischlängeln muss, falls es Gegenverkehr hat. Die Wanderung ist jedoch im Vergleich zu anderen Wanderungen auf der Insel nicht so stark besucht und daher eher ein Geheimtipp!
Endlich erreichen wir die für uns schönste Passage der Wanderung – der bisher durch Bäume verborgene Blick öffnet sich und wir schauen auf die Steilküste und bis nach Sao Lourenzo. Wir erreichen zuerst eine kleine Plattform, die sich perfekt für eine Pause eignet, aber leider schon besetzt ist. Der darauf folgende Weg ist direkt in den Fels geschlagen und fast durchgängig durch ein Geländer gesichert.
Es ist eine wahre Freude, das nächste Stück zu laufen und wir halten immer wieder an, da es einfach zu schömn ist und man unzählige Fotos machen könnte. Der Weg schlängelt sich am Berg entlang und bietet immer wieder Tiefblicke aufs Meer und die Steilküste.
Es ist eine wahre Freude, das nächste Stück zu laufen und wir halten immer wieder an, da es einfach zu schömn ist und man unzählige Fotos machen könnte. Der Weg schlängelt sich am Berg entlang und bietet immer wieder Tiefblicke auf den Atlantik und die Steilküste. Der abenteuerliche alte Küstenweg verläuft hier unterhalb steiler Felswände über dem tosenden Meer und bietet einen tollen Kontrast!
An den Felswänden können wir das Drüsige Aeonium mit Hunderten von Exemplaren bewundern – es ist immer wieder faszinierend, wo überall Pflanzen wachsen und gedeihen!
Nach diesem anspruchsvollsten Stück der Wanderung wird der Weg wieder etwas breiter und auch nicht mehr ausgesetzt. Wir erreichen einen Aussichtspunkt, der vielen als Picknickplatz oder auch zum Sonnen dient und folgen am Boca do Risco rechts abbiegend dem Wegweiser in Richtung Machico. Der Wanderweg führt aber hier vorbei an Feldern und kleinen Farmen in Richtung Levada do Canical.
Dieser folgen wir, bis wir Machico von oben erblicken können mit der markanten 3-spurigen Tunneleinfahrt. Wir folgen dem Wanderweg, bis wir den Canical-Tunnel erreichen und kürzen hier die Wanderung ab. Wir finden eine Bushaltestelle (wie so oft ohne Fahrplan oder jegliche weitere Informationen) und rechnen aus, wann der Bus aus der Richtung Baia d’Abra ungefähr hier vorbeikommen sollte. Während meine Familie etwas skeptisch ist, glaube ich fest an die Zuverlässigkeit des Busses, welcher dann auch pünktlich um die Ecke biegt. Dieser nimmt uns bis nach Machico zum Busbahnhof mit, wo wir in den Bus in Richtung Funchal umsteigen.
ECKDATEN
| Dauer | 2:50 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 410 m ↘ 420 m |
| Länge | 12.1 km |
| Schwierigkeit | anspruchsvoll, ausgesetzt |
| Lage | Porto da Cruz (Madeira) |
| Genaue Route | Porto da Cruz – Machico |
| Tour durchgeführt im | April 2023 |
| Geeignet für Kinder | Ab 8 Jahren sofern Ausdauer und Trittsicherheit vorhanden. Weg stellenweise ausgesetzt. Kinder können aber gut an die Hand genommen werden. |
| Buchempfehlung für Wanderungen auf Madeira | Madeira: Die schönsten Levada- und Bergwanderungen oder Madeira: Reise- und Wanderführer von Maremonto |
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