Alpenüberquerung mit Kindern auf dem E5: Planung, Kosten und Packliste

Alpenüberquerung mit Kindern auf dem E5: Planung, Kosten und Packliste

Wir wagen das Abenteuer einer Alpenüberquerung und überqueren mit unseren Kindern (11 und 14 Jahre) die Alpen von Deutschland über Österreich nach Italien. Wir unternehmen die Tour komplett selbstorganisiert und lassen uns (wie viele andere auch) durch die wirklich empfehlenswerte Dokumentation vom WDR inspirieren. Die Etappen passe ich so an, dass wir an 9 Tagen zwischen 3 und 5:30 Stunden wandern werden, 3x in Hütten übernachten werden und 6x im Tal. 

Ein paar Zahlen

Aufstieg: 5710 Meter Höhenunterschied

Abstieg: 6330 Meter Höhenunterschied

Gesamtstrecke: 88 km

Gesamtdauer: 36 Stunden Gehzeit

Anzahl Wandertage: 9

Unterkünfte

Ich beginne die Planung im März 2021, um Schlafplätze in den begehrten Hütten zu ergattern. Die Buchungen für die Hütten werden ungefähr im Januar freigegeben. Vor allem die Kemptner Hütte ist sehr schnell ausgebucht. Da uns auf der Originalroute der Abstieg von der Memminger Hütte ins Tal zu lang ist, entscheiden wir uns für die Variante übers Württemberger Haus. Als letztes bekomme ich Plätze in der Braunschweiger Hütte. Nachdem alle Hütten bestätigt sind, buche ich nach und nach die restlichen Unterkünfte. Inspirieren lasse ich mich durch den Rother Wanderführer und auch durch eine sehr aktive Facebook-Gruppe, in welcher ehemalige Alpenüberquerer gerne ihre Erfahrungen teilen. Teilweise buchte ich 4-Bett-Zimmer und gelegentlich auch 2 Doppelzimmer. 

Hier die komplette Liste: 

1. Nacht: Kemptner Hütte (4-Bett-Zimmer)

2. Nacht: Gasthof Hermine (Madau, 4-Bett-Zimmer)

3. Nacht: Württemberger Haus (4-Bett-Zimmer)

4. Nacht: Zamser Schihütte (4-Bett-Zimmer)

5. Nacht: Landhaus Gasser (Wenns, Familienzimmer mit 2 Zimmern)

6. Nacht: Braunschweiger Hütte (Massenschlag)

7. Nacht: Landhof Hochfirst (2 DZ)

8. Nacht: Pfandler Alm (telefonische Buchung, 4-Bett-Zimmer)

9. Nacht: Meran Ferienwohnung (über Booking.com, Wohnung mit 2 Schlafzimmern)

An- und Abreise

Da wir aus Zürich anreisen, entscheiden wir uns mit dem Zug an- und abzureisen. Andere Wanderer lassen ihr Auto in Oberstdorf und nehmen einen Bus-Shuttle von Meran zurück zum Parkplatz. Für uns ist die Fahrt mit dem Zug jedoch viel schneller und auch bequemer. Auch die Zugtickets buche ich im Voraus, um so von Sonderpreisen zu profitieren. Unsere Kinder fahren mit der (Schweizer) Juniorkarte in Deutschland sogar umsonst!

Kosten

Die Gesamtkosten für unsere 4-köpfige Familie betrugen 2650 Euro. Eine detaillierte Auflistung der Kosten befindet sich beim jeweiligen Tagesabschnitt am Ende der Seite. Die Kosten beinhalten Unterkunft, An- und Abreise mit dem Zug, Bus & Taxi unterwegs, alle Mahlzeiten und Zwischensnacks. Für die Hütten besitzen wir eine DAV-Familien-Mitgliedschaft (Sektion Alpen.Net). 

Motivation der Kinder

Wir unternehmen regelmäßig mehrtägige Wanderungen und Klettersteigtouren mit den Kindern (z.B. in der Brenta oder den Sextener Dolomiten). Außerdem unternehmen wir viele Tageswanderungen in der Schweiz, zu denen die Kinder auch gerne mitkommen. Eine solch lange Wanderung ist natürlich etwas anderes, so dass wir vorrangig ausführlich mit ihnen über die Tour gesprochen und auch zusammen die WDR-Reportage angeschaut haben. Diese hat ihnen so sehr gefallen, dass sie sich die Tour vorstellen konnten. Bevor ich mit der Detailplanung begonnen habe, habe ich mit ihnen auch vereinbart, dass ich erwarte, dass niemand jammert oder motiviert werden muss. Ich war extrem überrascht, dass sie sich kein einziges Mal beschwert haben und die Tour genauso toll wie wir Erwachsenen fanden. Uns alle motiviert das leckre (Süd-) Tiroler Essen entlang der Tour, die gemütlichen Abende auf den Hütten, die abwechslungsreiche Landschaft und auch mal ein etwas anspruchsvolleres/spannendes Wegstück. Bei besonders langatmigen Passagen haben wir Hörbücher gehört – an einigen Tagen wollten die Kinder sogar noch länger laufen, da ihr Hörbuch gerade so spannend war.  

Packliste

Unser 11-jähriger Sohn darf mit seinem Körpergewicht nur maximal 4 kg tragen. Um ihm die Wanderung zu angenehm wie möglich zu gestalten, minimieren wir sein Gepäck auf 2 kg (er trägt unsere Sommerschlafsäcke). Unser 14-jähriger trägt mit seiner Größe bereits das Gepäck eines Erwachsenen. Erstaunt lese ich in diversen Foren, dass viele der E5-Wanderer Gepäck von bis zu 12 kg dabei haben. Unterwegs sehen wir viele Wanderer mit dieser Menge und auch teilweise mit 75l-Rucksäcken. Unser Ziel ist es, so leicht wie möglich unterwegs zu sein und alles zu Hause zu lassen, was nicht zwingend notwendig ist. Letztendlich erreichen wir pro Person ein Gewicht von 5 kg (ohne Wasser). Da wir unsere Tour im August durchführen und die Wettervorhersage sonnig ist, nehmen wir keine Grödel/Gamaschen mit.

Anbei unsere Packliste pro Person: 

-26-35 l Rucksack (teilweise Lite Rucksäcke) inklusive Regenschutz

-Regenschirm (190g)

-Knöchelhohe Wanderschuhe

-1 Wanderstock pro Person (Black Diamond Distance Carbon Z, 150g/Stock)

-1 x Hausschuhe (die weißen von den Wellness-Hotels sind super und extrem leicht)

-Regenjacke und -hose

-1 lange Wanderhose

-1 kurze Hose

-3 Kurz-Arm-T-Shirts

-1 Fleece

-1 Mütze & 1 x Handschuhe, 1x Buff/Tuch/Basecap

-1x Wandersocken, 1x normale Socken für abends zum Wechseln

-3 Unterhosen

-1 dünne Daunenjacke/Daunenweste

-1. Hilfe-Set und Pflaster

-Sonnencreme, Zahnpasta, Zahnbürste, kleines 10×10 cm Leichthandtuch (Decathlon), 1x kleine Handwaschpaste für alle, 1x kleines Duschgel für alle, Pflegecreme

-1,5 l Wasserflaschen/Person

-Snacks 

-1x Sommerschlafsack (450g), 1 Kissenbezug pro Person

-1x Handy, Kopfhörer, 1 Powerbank für alle Geräte, Ladegerät, 1x Kompass, Karte

-1x Sonnenbrille

-Bargeld & Ausweise (inkl. Impfausweis), DAV Mitgliedskarte

-Masken (FFP2 für Deutschland) und 10 Corona-Schnelltests pro Kind (haben am Ende 3 gebraucht)

-1 Wanderführer, 1 Stift, Blätter mit ausgedruckter Detailplanung

Selbstorganisiert oder mit Bergschule?

Die Frage, ob man die Tour selbstorganisiert oder mit einer Bergschule gehen soll, wird mir immer wieder gestellt. Bei unserer Entscheidung waren folgende Kriterien für uns ausschlaggebend: 

– Wir können immer selbst entscheiden, wann wir morgens aufstehen und loslaufen. Unsere Kinder können selbst entscheiden, wann sie eine Pause einlegen wollen. Wenn wir Schmetterlinge beobachten wollen, können wir das, so lange wir wollen. 

-Wir wissen, was wir körperlich schaffen und sind nicht von anderen abhängig, die eventuell langsamer oder weniger fit sind. 

-Wir müssen nicht mit einer größeren Gruppe im Gänsemarsch laufen und auch nicht mit dem Tempo der Gruppe. 

-Wir können die Tour nach unseren eigenen Ideen zusammenstellen, mal etwas anderes planen als eine Bergschule und auch die Unterkünfte im Tal nach unseren Bedürfnissen aussuchen. Wir hatten immer DZ oder 4-Bett-Zimmer (außer auf der Braunschweiger Hütte). Bei den Bergschulen ist dies nicht garantiert und man wird oft im Massenschlag untergebracht. 

-Der Preis war zweitrangig für unsere Entscheidung ,aber wir hätten keine 5000 Euro für eine 9-tägige Tour für eine 4-köpfige Familie ausgegeben.

-Die Spannung steigt, wenn man nicht immer weiss, ob alles klappt und man gegebenenfalls improvisieren muss – ein cooles Erlebnis!

-Wir wollten unser Gepäck die ganze Strecke alleine tragen, da dies für uns zur Tour dazugehört und wir dadurch auch unglaublich stolz auf uns waren. 

-Ich selber liebe es, Touren für meine Familie zusammenzustellen und zu organisieren. Diese Tour war meine bisher aufwändigste und ich war am Ende sehr stolz auf mich, dass fast alles problemlos geklappt hat und auch super geplant war. 

Aber: Die Tour von Oberstdorf nach Meran sollte nicht unterschätzt werden. Sie ist hervorragend ausgeschildert und man kann sich wirklich nicht verlaufen. Jedoch sind unsere Kinder sehr bergerfahren und wir kennen ihre Fähigkeiten. Zudem habe ich neben einer Ausbildung zur Wanderleiterin (inklusive 1. Hilfe-Kurs) auch umfangreiche Erfahrung bei der Organisation/Wegfindung/Wetter etc., da ich ca. 2 Wanderungen/Woche unternehme – viele davon mit meiner Familie. Familien mit weniger Erfahrung sollten sich gut überlegen, ob sie die Tour selbständig machen wollen oder lieber organisiert mit einer Bergschule. Falls man außerdem spät mit der Buchung der Hütten dran ist, sind die Bergschulen oft die einzige Möglichkeit, da sie ein großes Kontingent an Schlafplätzen reservieren. 

Bergschulen bieten hingegen eine tolle Möglichkeit, mit anderen Wanderern in Kontakt zu kommen. Häufig ergeben sich tolle Freundschaften auf solch einer gemeinsamen Tour. Sicherlich sind sie auch für Familien mit weniger Bergerfahrung zu empfehlen, wenn eine Alpenüberquerung auf ihrer Wunschliste steht und sie sich die Planung und Durchführung nicht alleine zutrauen. 

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Brauchst Du Hilfe bei der Planung Deiner Tour oder soll ich die Tour für euch organisieren? Melde Dich gerne bei mir (silvie.asler@yahoo.com).

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