Wintertour am Pischa: Schneeschuhroute mit Panorama
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WT2
680m
680m
04:15
Dez-Mär
8km
Die Pischa oberhalb von Davos gilt als ruhiger Gegenpol zu den grossen Skigebieten der Region. Statt präparierter Pisten dominieren hier Winterwanderwege, Schneeschuhrouten und freies Gelände. Unsere Tour steht unter besonderen Vorzeichen: Wir sind als Familie unterwegs, nachdem unser Sohn eine Knie-OP hinter sich hat. Bergauf funktioniert bereits gut, bergab soll er jedoch noch nicht laufen. Entsprechend planen wir die Runde so, dass er für den Abstieg die Seilbahn nutzt, während wir zu Fuss ins Tal zurückkehren.
Schon bei der Planung zeigt sich, wie gut sich die Pischa für solche Situationen eignet. Die Seilbahn erlaubt flexible Varianten, das Gelände ist offen und übersichtlich, und die Schneeschuhrouten lassen sich ohne feste Vorgaben kombinieren. Ziel ist kein Gipfel, sondern ein gemeinsamer Wintertag mit Bewegung, Aussicht und Zeit draussen.
Die Nacht zuvor verbringen wir in der Jugendherberge Davos. Hier sind wir immer wieder gerne – ein mondänes Haus mit herrlichem Blick auf Davos und einem super Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Lage oberhalb des Tals sorgt bereits am Morgen für klare Sicht in die winterliche Landschaft. Das stabile Hochdruckwetter verspricht gute Bedingungen — sonnig, trocken und mit klarer Luft.
Der Tag beginnt früh. Nach dem Frühstück laufen wir zum Bahnhof Davos, um dort den Bus nach Pischa zu nehmen, der jede halbe Stunde fährt. Wir sind überrascht, als dieser einfach an uns vorbeifährt, da er bereits überfüllt ist. Da wir morgens noch im Schatten stehen und der nächste Bus erst in 30 Minuten fahren wird, finden wir das gar nicht lustig. Leider wird auch kein Ersatzbus vorbeigeschickt – das sollte Davos eigentlich besser im Griff haben. So entscheiden wir uns, eine Station in Richtung Davos Eisbahn zu laufen (ca. 300m), da der Bus dort direkt eingesetzt wird. An sonnigen Tagen würde ich dir das auch empfehlen, um zu vermeiden, wie wir nicht mitgenommen zu werden. So warten wir 30 Minuten auf den nächsten Bus – dieses Mal allerdings in der Sonne.
Mit dem nächsten Bus erreichen wir problemlos die Talstation. Die klare Morgenluft und das stabile Wetter sorgen bereits zu Beginn für gute Sicht. Auf dem Parkplatz herrscht dennoch schon Betrieb: Schneeschuhwanderer legen ihre Ausrüstung an, Skitourengänger prüfen Felle und Routen, erste Gruppen starten in Richtung Berg. Bei der Talstation befinden sich neben einem Restaurant auch Toiletten, so dass du die Tour hier ganz entspannt starten kannst. Trotz der frühen Uhrzeit wirkt alles ruhig und organisiert. Das Gebiet verteilt die Besucher gut, sodass keine Hektik entsteht.
Aufstieg entlang des markierten Trails
Der Trail Nr. 5 verläuft überwiegend moderat, wechselt zwischen flachen Abschnitten und kurzen Anstiegen. Der Weg durch den Wald ist gut sichtbar, die Spur festgetreten, Schneeschuhe greifen zuverlässig. Mit jedem Höhenmeter dringen wir weiter in den verwunschenen Winterwald ein – ein Gefühl fernab jeglicher Zivilisation. Obwohl die Spur gut festgetreten ist, würde ich hier doch eher Schneeschuhe empfehlen. Im oberen Bereich der Tour sind diese dann nicht mehr zwingend notwendig, da man dort auf einem präparierten Winterwanderweg läuft.
Zwischen Schneeschuhen, Fellen und Gleitschirmen
Auf dem Weg treffen wir andere Wintersportler: Schneeschuhwanderer ziehen ihre Linien, Skitourengänger steigen höher, einzelne Skifahrer starten mit Gleitschirm. Diese Kombination wirkt ungewöhnlich, fügt sich aber harmonisch in die Umgebung ein. Wir beneiden die Gleitschirmflieger ein wenig, die in rasantem Tempo den Berg hinunterfliegen und immer wieder mit den Skiern durch den Schnee pflügen.
Das Nebeneinander verschiedener Aktivitäten funktioniert problemlos. Jeder findet seinen Bereich, die offene Landschaft sorgt dafür, dass sich niemand gegenseitig behindert und man trotzdem immer das Gefühl hat, fast alleine unterwegs zu sein.
Erinnerungen an eine rasante Winterabfahrt
Für uns ist die Pischa kein neues Terrain. Ein früherer Besuch (damals noch ohne Kinder) führte uns hier mit Winter-Fatbikes über präparierte Schneestrecken bergab — ein völlig anderes Erlebnis als heute mit Schneeschuhen. Dieses Angebot wird über die Davoser Gästekarte angeboten und ist sehr empfehlenswert!
Einkehr mit Aussicht und 80er-Jahre-Charme
Nahe der Bergstation liegt das Berghotel Pischa Mountain Lodge, ein großzügiges Berghotel hoch oben in der winterlichen Berglandschaft, das moderne Chalet-Anklänge mit einem funktionalen 80er-Jahre-Stil verbindet. Klare, kantige Linien, große Fensterfronten und robuste Formen fangen das Tageslicht ein und geben den Blick weit über die verschneite Landschaft frei.
Einkehr mit Aussicht und 80er-Jahre-Charme
Mit etwas Glück ergatterst du den begehrten Platz im Strandkorb auf der Terrasse und kannst die warme, zweckmäßige und dennoch alpine Atmosphäre in Ruhe genießen. Wer hier übernachtet, erlebt am Abend eindrucksvolle Sonnenuntergänge, wenn das Tal in warmes Licht getaucht wird.
Das Restaurant im Selbstbedienungsstil serviert die klassischen Gerichte und ist stets gut besucht. Auf der Terrasse mischen sich Stimmen aus aller Welt – Pischa zieht auch viele internationale Gäste an, die bequem mit der Gondel nach oben fahren und die beeindruckende Aussicht auf die Berge genießen möchten.
Wer seine Tour verlängern möchte, findet hier oben zahlreiche weitere Winterwanderwege. Besonders empfehlenswert ist der Abstecher entlang des Winterwanderwegs zum Hüreli mit Blick auf Davos.
Da unser Sohn nach seiner Knie-OP noch nicht bergab laufen darf, nimmt er die nostalgische, im Jahr 1976 eröffnete Pischabahn und wartet unten auf uns. Unser Weg führt auf dem gespurten Winterwanderweg zur Mäderbeiz. Der Abstieg ist durchgehend moderat steil, gut kontrollierbar und angenehm zu gehen. Unterwegs begegnen uns viele andere Wintergäste: Schlittler, die ihre Rodel den Hang hinaufziehen, Skitourengeher auf dem Weg in höhere Regionen und zahlreiche Winterwanderer. Trotz des regen Verkehrs herrscht eine lockere, freundliche Stimmung – ein kurzes Lächeln oder „Hallo“ gehört einfach dazu.
Der Weg ist gut präpariert und fest gespurt, sodass man eigentlich keine Schneeschuhe braucht. Wer sie trägt, hat etwas mehr Sicherheit auf den steileren Passagen, aber auch mit Winterwanderstiefeln lässt sich die Tour problemlos meistern. Das winterliche Panorama entschädigt für jede kleine Anstrengung: verschneite Wälder, offene Hänge und immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die umliegenden Gipfel.
Wir hätten nur zu gerne in der gemütlichen Mäderbeiz eine kleine Pause gemacht, doch unser Sohn wartet schon unten auf uns. Also werfen wir nur einen kurzen Blick auf das einladende Haus und merken uns: Hier kommen wir sicher noch einmal vorbei. Weiter geht es den steilen Weg hinab zur Talstation, die wir genau im richtigen Moment erreichen – gerade als das Postauto einfährt. Besser hätte unser Timing kaum sein können!
Interessierst du dich für weitere Schneeschuhtouren in Graubünden? Dann bist du hier genau richtig und kannst am besten noch ein wenig weiterlesen. Ich habe bereits zahlreiche Touren in einem meiner Lieblingskantone unternommen und nehm dich gerne mit auf meine Lieblingstouren!
ECKDATEN
| Dauer | 4:15 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 680m ↘ 680m |
| Länge | 8 km |
| Schwierigkeit | Sportlich, WT2 |
| Lage | Kanton Graubünden |
| Genaue Route | Pischa Talstation (S5) – Pischa Bergstation – Mäderbeiz (W2) |
| Tour durchgeführt im | Januar 2025 |
| Geeignet für Kinder | Ab Teenageralter, da sehr langer und steiler Aufstieg. Mit jüngeren Kindern fährt man am besten mit der Seilbahn hoch und sucht sich oben eine leichtere Route. |
| Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der Schweiz | Das grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz |