Wanderung vom Monte zum Botanischen Garten und weiter nach Funchal: Natur und Ausblick
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T1
341m
868m
01:45
Jan-Dez
7.3km
Die Wanderung beginnt im absolut zauberhaften Palace Tropical Garden bei Monte, oberhalb von Funchal. Schon beim Betreten der Gartenanlage wird klar, dass dieser Ort mehr ist als nur ein Park. Exotische Pflanzen aus aller Welt, kleine Teiche, kunstvolle Wege und immer wieder neue Ausblicke auf die Stadt und den Atlantik sorgen dafür, dass man automatisch langsamer wird. Die Geräusche der Stadt verschwinden, stattdessen begleiten uns Vogelstimmen und das Rascheln der Blätter.
Nach diesem ruhigen Einstieg verlassen wir den Garten und folgen später der Levada dos Tornos, die uns stetig bergab führt. Für uns ist es die erste Levada-Wanderung auf Madeira, und genau das macht diesen Abschnitt besonders spannend. Das leise Plätschern des Wassers, der schmale Pfad direkt neben dem Kanal und die üppige Vegetation vermitteln sofort dieses typische Madeira-Gefühl. Die Strecke ist technisch einfach, lädt aber immer wieder dazu ein, stehen zu bleiben, zu schauen und die Umgebung bewusst wahrzunehmen.
Unterwegs kommen wir an der Wallfahrtskirche Monte vorbei, einem der bedeutendsten religiösen Orte der Insel. Rund um die Kirche herrscht reges Treiben: Hier warten die berühmten Korbschlittenfahrer auf ihre Fahrgäste, die sich in den traditionellen Schlitten ins Tal transportieren lassen. Das bunte Treiben bildet einen spannenden Kontrast zur ruhigen Wanderung entlang der Levada.
Anstatt die Tour wie viele andere am Botanischer Garten Madeira zu beenden, entscheiden wir uns, den Weg noch zu verlängern. Wir folgen den Pfaden weiter hinab und laufen schließlich bis ins Stadtzentrum von Funchal, um uns dort noch die Innenstadt anzuschauen. Mit jedem Höhenmeter wird es urbaner, lauter und wärmer – ein deutlicher Gegensatz zur grünen Ruhe am Anfang der Tour.
Die Wanderung ist insgesamt einfach, verlangt aber gerade gegen Ende noch einmal Kraft. Der Abstieg wird zunehmend steil, die Beine machen sich bemerkbar, und man spürt die vielen Höhenmeter. Trotzdem lohnt sich jeder Schritt, denn die Kombination aus Gartenanlage, Levada-Weg, Kultur und Stadt macht diese Tour besonders abwechslungsreich. Sie zeigt Madeira von mehreren Seiten – grün, traditionell und lebendig – und ist damit ein perfekter Einstieg, um die Insel zu Fuß kennenzulernen.
Nach unserer Anreise am Vortag auf Madeira sind mein Mann und unser ältester Sohn bereits früh mit Mountainbikes und einem Guide auf der Insel unterwegs. Die beiden nutzen die abwechslungsreichen Trails im Inselinneren, während mein jüngster Sohn und ich uns bewusst für ein ruhigeres Programm entscheiden. So haben wir genügend Zeit, uns ausgiebig einen der schönsten Gärten der Welt anzuschauen – den Monte Palace Tropical Garden.
Wir sind beide große Garten-Fans und lieben es, durch weitläufige Anlagen zu schlendern, Details zu entdecken und uns einfach treiben zu lassen. Der Rest der Familie kann sich für „Blümchen“ eher weniger begeistern, umso mehr genießen wir diese gemeinsame Zeit. Schon beim Betreten des Gartens wird klar, warum er als einer der eindrucksvollsten auf Madeira gilt: Exotische Pflanzen aus allen Kontinenten, kleine Teiche mit Koi-Karpfen, kunstvoll angelegte Wege und immer wieder überraschende Ausblicke auf die Stadt Funchal und den Atlantik machen den Besuch zu einem echten Erlebnis.
Wir verbringen insgesamt vier Stunden im Park, doch hätten noch viel länger bleiben können. Es gibt so viel zu sehen, dass man unmöglich alles an einem Tag aufnehmen kann. Irgendwann jedoch spüren wir müde Beine, und die Besucherzahlen steigen merklich. Trotz der zunehmenden Menschenmenge gelingt es uns, immer wieder kleine Oasen der Ruhe zu finden, sei es auf einer versteckten Bank oder an einem abgelegenen Teich.
Besonders spannend sind auch die Sonderausstellungen, die regelmäßig im Park stattfinden. Heute besuchen wir die Skulpturenausstellung von Künstlern aus Zimbabwe. Diese hat für mich eine ganz persönliche Bedeutung: Mit 20 Jahren habe ich sechs Monate in Zimbabwe gelebt, und die Werke rufen viele Erinnerungen hervor. Ich fühle mich in die damalige Zeit zurückversetzt, sehe die Details der Kunstwerke und erkenne Elemente, die mir damals vertraut waren. Es ist ein besonderer Moment, der den Besuch des Gartens auf eine sehr persönliche Ebene hebt.
Mein Sohn ist währenddessen von der darunterliegenden Mineraliensammlung „Mother Nature’s Secret“ fasziniert. Die Ausstellung ist beeindruckend gestaltet, jede Vitrine ein kleines Kunstwerk für sich, und die Mineralien glänzen in allen Farben des Regenbogens. Die Sammlung stammt von einem Sammler, der sie großzügig dem Park gespendet hat, und wir staunen über die Vielfalt und Schönheit der Natur. Mein Sohn bleibt lange stehen, betrachtet jedes Exponat genau und stellt immer wieder neugierige Fragen – ein klarer Beweis, dass diese Ausstellung nicht nur visuell beeindruckt, sondern auch Neugier und Staunen weckt.
Da wir früh am Morgen unterwegs sind, ist der Park nahezu leer, und die großen Reisegruppen sowie Kreuzfahrttouristen sind noch nicht eingetroffen. Schon hier merken wir, dass wir einen der besten Zeitpunkte für einen Besuch gewählt haben: In wenigen Stunden wird es deutlich voller werden, doch jetzt können wir die Stille und die Schönheit des Gartens in aller Ruhe genießen. Auf Madeira werden wir im Laufe der Tage noch häufiger feststellen, dass sich das touristische Leben stark um diese beiden Gruppen dreht – und dass man als Individualreisender gut beraten ist, früh aufzustehen, um ihnen zeitlich aus dem Weg zu gehen.
Der Monte Palace Tropical Garden ist auf mehreren Ebenen angelegt und eröffnet auf jeder Ebene neue Perspektiven. Die Wege schlängeln sich vorbei an exotischen Pflanzen, farbenprächtigen Blumen und majestätischen Bäumen. Über 1000 Skulpturen – teilweise historisch, teilweise modern – zieren die Anlage, und auch kleine Tiere wie Pfauen, Schildkröten und Koi-Karpfen beleben die Szene. Jeder Schritt bietet neue Entdeckungen, von versteckten Springbrunnen über moosbedeckte Statuen bis hin zu verschlungenen Wegen, die neugierig machen. Wir sind absolut begeistert und lassen uns Zeit, entdecken Details, die man auf den ersten Blick leicht übersehen würde, und genießen die Ruhe, bevor der Park langsam zum Leben erwacht.
Wir schlendern weiter durch die Wege des Gartens und kommen vorbei an kunstvoll angelegten Brunnen, deren Wasser in sanften Bögen plätschert, und an kleinen Wasserfällen, die in glitzernden Kaskaden hinabstürzen. Die Geräusche des Wassers sind beruhigend und verbinden sich mit dem leisen Zwitschern der Vögel zu einer fast magischen Klangkulisse. Überall spiegeln sich die Sonnenstrahlen auf den Oberflächen der Seerosenteiche, deren Blätter und Blüten in den unterschiedlichsten Farben leuchten und dem Garten einen fast surrealen Charakter verleihen.
Zwischen den Beeten entdecken wir die Koi-Sammlung, deren Fische in allen erdenklichen Farbkombinationen durchs Wasser gleiten. Es ist faszinierend, wie elegant sie sich bewegen, und wir bleiben einige Zeit stehen, um die Muster und Bewegungen genau zu beobachten. Daneben stoßen wir auf Pflanzen, die wir in unserem Leben noch nie gesehen haben: riesige Blätter, exotische Blüten in leuchtenden Farben und ungewöhnliche Formen, die unsere Neugier wecken und uns zum Staunen bringen. Jede Pflanze scheint ihre eigene Geschichte zu erzählen und lädt dazu ein, sie genauer zu betrachten.
Im unteren Bereich des Gartens stoßen wir auf einen wunderschön angelegten japanischen Garten, der sofort Ruhe und Harmonie ausstrahlt. Kleine Brücken führen über schmale Teiche, in denen Koi-Fische leise ihre Kreise ziehen, und die Wege sind von kunstvoll gestutzten Bonsai-Bäumen und filigranen Steinskulpturen gesäumt. Überall spürt man die sorgfältige Planung und Liebe zum Detail, die typisch für japanische Gartenkunst ist. Das leise Plätschern eines kleinen Wasserfalls und der Duft von feuchtem Moos verstärken den Eindruck, in eine völlig andere Welt einzutreten.
Besonders ins Auge fällt hier die Nationalblume Madeiras, die Strelitzie, auch bekannt als Paradiesvogelblume. Diese exotische Schönheit blüht fast ganzjährig und ist mit ihren leuchtenden Farben ein echter Hingucker. Im Monte Palace Tropical Garden findet man die Strelitzien in riesigen Mengen, die sich majestätisch zwischen den Wegen und Teichen ausbreiten. Jede Blüte wirkt wie ein kleines Kunstwerk, und es macht großen Spaß, die ungewöhnlichen Formen und kräftigen Farbtöne zu entdecken. Wir bleiben immer wieder stehen, um die Blumen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und ein paar Fotos zu machen – dabei wird schnell klar, warum diese Pflanze als Symbol für die Insel so beliebt ist.
Die Kombination aus dem ruhigen japanischen Garten und den farbenfrohen Strelitzien verleiht dem unteren Bereich des Parks einen ganz eigenen, fast mystischen Charakter. Man spürt die Sorgfalt der Anlage und die Liebe zum Detail, die jeden Winkel des Gartens auszeichnen, und es ist unmöglich, ohne ein Gefühl von Staunen weiterzugehen. Hier lassen wir uns noch ein wenig Zeit, genießen die besondere Stimmung und nehmen die Farben, Düfte und Formen in aller Ruhe auf – ein Moment, der den Besuch des Monte Palace Tropical Garden perfekt abrundet.
Am Ende vom Park können wir von einer Mauer oberhalb einer Strasse die bekannten Korbschlittenfahrer beobachten (Hier kannst du Onlinetickets erhalten). Diese schlittern auf der Strasse mit ihren Gefährten und jeweils 2 Gästen im halsbrecherischen Tempo die glattgeschliffene Strasse hinab. Als wir später bei ihnen vorbeikommen, sehen wir lange Schlangen – diese Aktivität ist bei Touristen sehr beliebt und ich brauche etwas Überzeugungsarbeit, dass mein Sohn nicht auch mit diesen Körben runterfahren möchte, sondern lieber mit mir den Wanderweg hinab nach Funchal nimmt.
Nachdem wir den wunderschönen Park verlassen haben, schauen wir uns noch die Kirche in Monte an und auch einen Multi-Cache, der uns zu den Highlights von Monte führt. Wer möchte, kann sich in Monte zum Mittagessen verpflegen oder auch ein Eis in einem der zahlreichen Cafés holen. Gestärkt nehmen wir den Wanderweg in Richtung Botanischer Garten in Angriff.
Anfänglich führt der Weg zur Bergstation der Seilbahn Botanischer Garten – Monte, die ca. 5 Minuten von Monte entfernt ist. Der Weg ist steil, aber gepflastert und daher einfach zu gehen. Der folgende Wanderweg ist nicht allzu spannend und liegt auch grösstenteils in der Sonne.
Gelegentlich erhaschen wir einen Blick auf Funchal, aber meist laufen wir auf dem breitem Wanderweg durch den Wald. Nur selten begegnen wir anderen Wanderern und bald schon steigt der Weg in zahlreichen Kehren an. Mein Sohn ist gar nicht begeistert, zumal er ja vorher auch die bequeme Seilbahn gesehen hat. Ich sehe es als Aufwärmtour für den verbleibenden Urlaub und ermutige ihn, weiterzulaufen.
An einer Abzweigung verpassen wir den Wanderweg und laufen die nächsten 20 Minuten an einer Strasse entlang. So ein Mist, genau parallel zu uns verläuft die Levada. Nur leider trennen uns 30 unüberwindbare Höhenmeter davon. Immerhin sehen wir wunderschöne Blumen am Wegesrand und erreichen bald eine steile Treppe, die uns endlich zur Levada hochführt.
Diese verläuft pittoresk durch die Landschaft oberhalb von Funchal und kreuzt sogar eine weitere Levada. Wir biegen an dieser Kreuzung jedoch schon ab – unser Wanderweg entlang der Levada war heute leider nur sehr kurz. Es folgt ein höllisch steiler, nicht enden wollender Abstieg auf der Strasse. Wow – hier fahren wirklich Autos hoch?
Am Ende eines besonders steilen Stücks werden wir von einer freundlichen Kellnerin auf ihre Terrasse gelockt. Es hat hier zahlreiche Restaurants mit einer umwerfenden Aussicht auf die Stadt und ein Eis passt ja immer noch rein;-) Danach laufen wir weiter zum Botanischen Garten, der sicherlich auch sehr sehenswert ist. Da wir jedoch bereits in Monte im Garten waren, laufen wir an diesem vorbei direkt hinab in die Altstadt von Funchal. Wer möchte, könnte die Wanderung auch beim Botanischen Garten beenden und von dort mit dem Bus nach Funchal runterfahren.
In der Innenstadt von Funchal besuchen wir die wirklich sehenswerte Rua de Santa Maria. In dieser Strasse mit den kunterbunten Türen wurden 2014 lokale Künstler eingeladen, um die Türen zu verschönern. Die Strasse war damals in einem sehr schlechten Zustand mit nur schlecht besuchten Restaurants und zerfallenen Häusern. Seitdem ist es zu einem Touristenmagnet geworden und es ist unglaublich viel los in dieser schmalen Gasse. Unzählige Restaurants haben sich seitdem niedergelassen und buhlen um die Gunst der Besucher. Für uns ist es ein toller Abschluss der Wanderung und wir beenden unsere Tour in einem der unzähligen Restaurants.
Wer möchte, kann diese Wanderung auch ideal mit einer kurzen Stadtrundführung kombinieren, welche dir noch mehr Hintergrundinformationen gibt.
ECKDATEN
| Dauer | 2 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 300 hm ↘ 868 hm |
| Länge | 7.3 km |
| Schwierigkeit | einfach, aber steil |
| Lage | Monte (Madeira) |
| Genaue Route | Monte (Monte Palace Tropical Garden) – Botanischer Garten – Funchal |
| Tour durchgeführt im | April 2023 |
| Geeignet für Kinder | Einfache Wanderung, Tour kann mit Bus verkürzt werden. |
| Buchempfehlung für Wanderungen auf Madeira | Madeira: Die schönsten Levada- und Bergwanderungen oder Madeira: Reise- und Wanderführer von Maremonto |
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