Sentiero Bernina Sud: Tag 2 SAC-Hütte Fornohütte – Longonihütte

Sentiero Bernina Sud: Tag 2 SAC-Hütte Fornohütte – Longonihütte

Wanderung von der Fornohütte zum Fornopass/Sella del Forno. Wir verlassen die Schweiz und wandern weiter in Italien für die nächsten Tage. Abstieg ins Valmalenco in Richtung Bernina mit tollen Blick auf den Monte Disgrazia. Gemütliche, einfache Hütte am Abend.

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Am nächsten Morgen werden wir von einem tollen Sonnenaufgang überrascht. Der Fornogletscher sieht aus, als ob er auf einem Gemälde gemalt wurde – so unwirklich sind die Farben. Auch wenn es am Morgen noch frisch ist, können wir uns vom Anblick der angestrahlten Berge kaum losreissen. Da uns aber ein langer Tag bevorsteht und am Nachmittag Gewitter und Regen vorhergesagt ist, huschen wir schnell in die Hütte, frühstücken und starten gegen 8 Uhr in Richtung Fornopass.

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Wir können die mitgebrachten Handschuhe und Mütze gut gebrauchen, allerdings erreicht uns die Sonne bereits nach wenigen Minuten. Da es von der Hütte weg gleich steil bergauf geht, ziehen wir bereits die ersten Wärmeschichten nach 20 Minuten aus.

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Auf der anderen Seite des Tals erblicken wir eine kleine Gruppe von Steinböcken – 2 von ihnen scheinen Geschwister zu sein, die sich im Kämpfen üben. Das Geräusch der aufeinanderprellenden Hörner hallt von den gegenüberliegenden Bergen wider.

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Von unten sieht der Pass uneinnehmbar aus – überall liegt Geröll. Der Wanderweg ist aber überraschend „harmlos“ und schneller als erwartet erreichen wir den Pass. Der Blick ins Valmalenco ist von hier oben heute etwas enttäuschend – während uns im Fornotal strahlend blauer Himmel begleitet hat, herrscht hier dicker Nebel, welcher uns für die nächste Stunde begleiten wird.

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Wir lesen, dass der Abstieg erst 2018 erneuert und erleichtert wurde. Wir können keinerlei schwierige Stelle mehr finden und mit der notwendigen Vorsicht auf rutschigen und feuchten Platten und dem Einsatz der Stöcke ist dieses Stück gut zu meistern.

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Wir fühlen uns anfangs wie auf einer Mondlandschaft und die Nebelschwaden verstärken diesen Effekt. Bald schon erreichen wir einen kleine Wasserfall und auch eine Abzweigung. Laut unserer Beschreibung sollen wir hier nicht über die Brücke, sondern links in Richtung Alpe dell’Oro. Wir treffen auf eine Gruppe von 3 Männern, die auch auf der gleichen Tour sind und die wir am Vorabend bereits in der Fornohütte getroffen haben. Auch ihre Beschreibung geht hier geradeaus weiter und so entscheiden wir uns zusammen, diesen Weg zu gehen. Das geht für die nächsten 5 Minuten gut, bis der Weg steil nach unten signalisiert ist, jedoch ohne dass ein Weg zu sehen ist.

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Damit nicht auch Du den gleichen Fehler machst, habe ich ein Foto vom Wegweiser gemacht. Wenn Du diesen siehst, bist Du zu weit gelaufen. Der angeschriebene Weg 327 führt hier nicht lang. Da jedoch auch unser heruntergeladener gpx-Track hier langführt, suchen wir den Weg. Anfangs können wir noch Spuren erahnen, aber schon bald können wir nur noch dem gpx-Track folgen. Das Gelände wird immer steiler und wir kämpfen uns durch Sträucher, hohe Gräser und tiefe unsichtbare Löcher vor. Plötzlich erreichen wir einen kleinen Canyon, den wir oben herum umgehen. Ich fühle mich hier komplett unwohl und den anderen ergeht es teilweise auch nicht besser. Nach einer halben Stunde entscheiden wir uns, das Abenteuer der Wegsuche abzubrechen, steigen wieder steil bergauf zum Wegweiser und laufen zurück zur Brücke. Nachdem wir diese überquert haben, lächelt uns ca. 15 Meter weiter zum ersten Mal eine kleine weisse „Sentiero Bernina Sud“ Plakette entgegen, die an einem Baum festgemacht ist. Es ist echt ärgerlich, dass an der Brücke keine ordentliche Markierung festgemacht war – das hätte uns ca. 1 Stunde herumirren eingespart. Wir sehen diese Plaketten in den nächsten beiden Tage ziemlich wahllos verteilt, aber nie an einem Wegweiser. Wir fluchen über die italienischen Wegmarkieren, da wir in der Schweiz ja extrem verwöhnt damit sind und immer alles perfekt markiert ist.

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Beim Abstieg nach der Brücke können wir auf der anderen Seite des Baches den Wanderweg entdecken. Er wäre viel weiter rechts gewesen (am Rand des Baches) als wir gewesen sind. Wir haben aber das Gefühl, dass der kleine Umweg über die Brücke eine super Alternative ist und auch gar nicht viel länger. Nachdem wir den tiefsten Punkt erreicht haben, überqueren wir ein weiteres Mal den Bach und laufen nun steil bergauf in Richtung Alp dell’Oro.

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Es ist der perfekte Picknickplatz und eine italienische Familie hat bereits den Tisch und Stühle unter der Fahne eingenommen. Wir machen es uns auf einer Liege bequem und können endlich unser Mittagessen geniessen. Wir haben einen fantastischen Blick auf den Monte Disgrazia, den wir bereits während einer Hochtour zum Piz Palü aus gesehen hatten. Ein wirklich eindrücklicher Berg, der uns die nächsten beiden Tage aus immer unterschiedlichen Perspektiven begleiten wird.

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Von der Alphütte führt der Wanderwegs anfangs langsam ansteigend, später dann als Höhenweg in Richtung Alpe Flora. In unserer Vorstellung treffen wir dort auf eine gemütliche Hütte, die Getränke und Kuchen im Angebot hat. Wir machen aber die Erfahrung, dass die meisten Alpen verlassen oder verfallen sind. So legen wir einen letzten Stopp an der verlassenen Alpe Flora ein und erblicken von hier auch bereits die Hüttenfahne.

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Es folgt ein Anstieg durch eine Landschaft, in welcher wir uns wie Statisten in einem der „Herr der Ringe“-Filme fühlen. Das Gestein hier oben wechselt zwischen tiefschwarz, grau oder dunkelbraun und wirkt bedrohlich. Es kommt uns eine Gruppe älterer Italiener entgegen, die bereits das Essen der Hütte loben und uns beneiden, dass wir dort die Nacht verbringen dürfen.

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Die Hütte wird erst auf den letzten Metern der Wanderung sichtbar und wir sind wirklich froh, sie endlich erreicht zu haben. Durch unseren kleinen ungewollten Umweg sind wir bereits seit nunmehr fast 9 Stunden unterwegs, davon ca. 7 Stunden reine Gehzeit.

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Wir werden sehr herzlich vom Hüttenwart begrüsst und uns wird auch sogleich der scheinbar einige Schlafsaal gezeigt. Auf 3 Etagen werden hier die Wanderer untergebracht – ich komme mir vor wie in einem Nachtzug. Vor jedem Bett befindet sich ein kleiner Vorhang, der zugezogen werden kann, um etwas Privatsphäre zu bekommen. Eine ganz nette Idee! Allerdings sind die Betten sehr kurz, so dass ich mit meinen 1,78m beim Hinlegen mit dem Kopf und Füssen das Bettende berühre. Ausserdem sind die Matratzen so schlecht oder durchgelegen, dass man jede Sprungfeder von unten spürt. Hier müsste wirklich dringend mal saniert werden!

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Umso freundlicher jedoch ist der heutige Hüttenwirt, der als Vertretung anwesend ist. Er verwöhnt uns von vorne bis hinten, macht Spässe und versorgt uns hervorragend. Heute abend sind nur wir und die Dreiergruppe anwesend, die wir bereits unterwegs immer wieder getroffen haben. Es wird bereits der Kamin angezündet und wir trocknen unsere feuchten Kleider. Nach dem sehr feinen Abendessen beratschlagen wir uns noch, welche Route wir am nächsten Tag nehmen sollen – es ist übles Wetter vorhergesagt und da wollen wir nicht zwingend weiter aufsteigen (zumal der Weg fast nur aus rutschigen Steinen besteht und wir wohl nur sehr eingeschränkte Sicht haben werden). So studieren wir die vorhandenen Karten und werden uns am nächsten Morgen dann entscheiden.

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ECKDATEN

Dauer6:00 Stunden
Höhenunterschied↗ 980m ↘ 1121m
Länge14.5 km
SchwierigkeitSportlich, T2
LageLombardei, Italien
Genaue RouteCapanna del Forno – Fornopass – Alp dell’Oro – Rifugio Longoni
Tour durchgeführt imSeptember 2022
Geeignet für KinderFür Kinder im Teenageralter geeignet. Tour ist technisch nicht schwierig, aber sehr lang.

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