Levada do Rei Wanderung (PR18) auf Madeira: Entdecke die grüne Seite der Insel
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T2
40m
40m
02:30
Jan-Dez
9.7km
Die Levada do Rei ist eine der beliebtesten und zugleich sehr einfachen Wanderungen auf Madeira, mit einer Länge von etwa 10 km. Schon der Name – „Königslevada“ – weckt hohe Erwartungen, und diese werden auf der gesamten Strecke mehr als erfüllt. Die Wanderung führt durch dichte, üppige Lorbeerwälder, deren Blätter im Morgenlicht glänzen und deren Duft die Luft erfüllt. Überall plätschert das Wasser entlang der Levadas, die wie schmale Wasseradern durch die Landschaft ziehen, und es entsteht das beruhigende Geräusch eines kontinuierlichen Flusses, das uns auf dem Weg begleitet.
Der Weg bietet immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die umliegende Landschaft: tiefgrüne Täler, die sanft in die Berge steigen, vereinzelt kleine Bauernhöfe und die für Madeira typischen Terrassenfelder, die sich harmonisch in die Natur einfügen. Schließlich endet die Wanderung am Wildbach Ribeiro Bonito – ein klarer, sprudelnder Fluss, der die Levada speist. Das Wasser rauscht hier kraftvoll über die Steine, und je nach Jahreszeit oder Regenfällen entsteht eine fast märchenhafte Kulisse aus kleinen Wasserfällen und spritzendem Schaum.
Der Startpunkt der Wanderung liegt im Dorf São Jorge, unweit von Santana im Nordosten Madeiras. Von hier aus folgt man einem gut markierten Wanderweg, der direkt entlang des Levada-Wasserkanals verläuft. Für alle, die zum ersten Mal eine Levada erkunden, ist dies ein wunderbarer Einstieg: Man läuft fast eben, hat immer das Wasser neben sich und kann sich ganz auf die Natur konzentrieren. Die Levadas selbst sind ein faszinierendes Beispiel für die traditionelle Bewässerungskunst Madeiras: Sie transportieren seit Jahrhunderten Wasser von den Bergquellen hin zu den landwirtschaftlichen Feldern in den Tälern und sind ein wichtiger Bestandteil der Inselkultur.
Ein besonderes Highlight ist eine kleine Wasserfalldusche, die je nach Wetterlage sehr üppig ausfallen kann. Wer möchte, kann sich kurz unter das herabstürzende Wasser stellen und die kühle Erfrischung genießen – ein spaßiger Moment, der besonders Kindern und Wanderern an heißen Tagen Freude bereitet. Kein Wunder, dass diese Wanderung nicht nur bei Familien beliebt ist, sondern auch oft von organisierten Wandergruppen besucht wird.
Die Levada do Rei verbindet Natur, Wasser, Wald und Geschichte in perfekter Weise und ist ein Paradebeispiel dafür, warum Madeira als Wanderparadies gilt. Mit jedem Schritt fühlt man sich tiefer in die Inselwelt gezogen, spürt den Herzschlag der Natur und erlebt die typische Levada-Atmosphäre, die man auf Madeira nirgendwo sonst so intensiv findet.
Wir sind früh am Morgen unterwegs, noch bevor die Sonne die steilen Hänge vollständig erwärmt hat, und folgen der Wegbeschreibung aus unserem Wanderführer. Dieser ist leider nicht so detailliert, wie wir es uns wünschen würden, und auch die braunen Hinweisschilder am Straßenrand sind nur spärlich platziert. Deshalb lohnt es sich, vorher die Route auf der Karte anzuschauen, um den kürzesten Weg zum Startpunkt der Wanderung zu finden und unnötige Umwege zu vermeiden.
Wir lassen unser Auto bei der Snackbar in Quebradas stehen und tauchen sofort ein in eine der grünsten und ursprünglichsten Pflanzenwelten Madeiras. Die Luft ist frisch, die Vögel zwitschern, und der erste Schritt auf dem Pfad vermittelt sofort das Gefühl, weit weg von allem Trubel der Städte zu sein. Am Wegesrand blühen bereits am frühen Morgen herrliche Blumen in kräftigen Farben, und der Duft von Erde, Moos und wilden Kräutern liegt angenehm in der Luft. Da die Temperaturen noch mild sind, empfiehlt sich ein Langarmshirt, das uns gleichzeitig vor der Sonne schützt, wenn der Weg später freier wird.
Der Pfad führt uns zunächst an einem hässlichen Wasserbecken und einer unscheinbaren Bewässerungsanlage vorbei. Wir nehmen dort eine steile Treppe nach oben, die uns zu einem Schild mit der Aufschrift „Ribeiro Bonito“ bringt. Schon nach den ersten Metern entlang des Pfades sind wir umgeben von üppiger Vegetation, einem regelrechten Blätterdach aus Farnen, Lorbeerbäumen und Eukalyptusbäumen, das uns sofort in eine fast magische, grüne Welt eintauchen lässt.
Die Stille der Natur ist beeindruckend – unterbrochen nur vom leisen Plätschern des Wassers neben der Levada und gelegentlichem Vogelgezwitscher. Das Sonnenlicht fällt in langen, goldenen Strahlen durch die Baumkronen und wirft sanfte Schatten auf den Pfad, die mit jedem Schritt zu tanzen scheinen. Die Luft ist erfüllt vom Duft von Eukalyptus und wilden Blumen, eine Mischung, die sowohl erfrischt als auch beruhigt.
Je weiter wir laufen, desto mehr bemerken wir Details, die wir sonst leicht übersehen würden: kleine Wasserfälle, winzige Pflanzen am Wegesrand, das leise Rascheln eines Tieres im Unterholz. Das sanfte Plätschern der Levada begleitet uns wie eine unsichtbare Melodie, mal stärker, mal leiser, und gibt der Wanderung einen eigenen Rhythmus. Jeder Schritt lässt uns tiefer in die Landschaft eintauchen, und es ist unmöglich, nicht immer wieder stehen zu bleiben, um die Umgebung auf sich wirken zu lassen.
Die Wanderung beginnt also nicht nur als sportliches Unterfangen, sondern als ein Eintauchen in die Sinneseindrücke Madeiras: die Farben, die Geräusche, die Düfte – alles zusammen ergibt ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt. Schon jetzt wissen wir, dass wir heute nicht einfach nur einen Weg entlanglaufen, sondern die Natur in ihrer ganzen Intensität erleben werden.
Zwischendrin öffnet sich immer wieder ein atemberaubender Blick auf die umliegende Bergwelt Madeiras, und an klaren Tagen kann man sogar den tiefblauen Ozean am Horizont erahnen. Meist jedoch wandern wir inmitten eines dichten Blätterdachs aus Lorbeerbäumen, Farne und anderen endemischen Pflanzen, die den Pfad wie einen natürlichen Tunnel umrahmen. Die extreme Feuchtigkeit der Umgebung lässt alles üppig wachsen: Farne ranken sich an den Felsen empor, Moose bilden weiche grüne Teppiche auf den Steinen, und bunte Blumen setzen kleine Farbtupfer in das satte Grün. Jede Kurve eröffnet neue Perspektiven, und man möchte am liebsten anhalten, um die vielen kleinen Details zu betrachten – die Tautropfen auf den Blättern, die filigranen Blüten der wilden Pflanzen oder die leisen Geräusche der Waldvögel, die über den Weg huschen.
Schon bald erreichen wir den ersten kleinen Tunnel, etwa 5 Meter lang. Eine Taschenlampe ist hier nicht nötig, denn Tageslicht fällt von beiden Seiten ein, dennoch muss man sich leicht bücken, da der Tunnel nur etwa 1,60 Meter hoch ist. Er ist eine kleine Überraschung auf der Wanderung und vermittelt ein Gefühl von Abenteuer, wie man es sonst nur in alten Bergpfaden findet. Sobald wir ihn durchqueren, ändert sich die Umgebung leicht: Die Luft wird noch feuchter, der Boden glitschiger, und überall tropft Wasser von den moosbewachsenen Felsen auf den Weg.
Danach verläuft der Pfad auf teilweise ungesicherten Passagen, an denen die Levadas entlanggeführt werden. Diese Stellen können zunächst etwas beängstigend wirken, vor allem wenn man kleine Kinder dabei hat, sind aber gut machbar. Wer fest auf seinen Füßen steht und auf die Tritte achtet, kann den Abschnitt problemlos meistern. Die Kombination aus dichtem Grün, tropfendem Wasser und schmalem Pfad verleiht dem Weg einen Hauch von Wildnis, der für Madeira so typisch ist. Hier spürt man die ursprüngliche Natur der Insel, fast so, als wäre man in einem vergessenen Winkel fernab von Straßen und Städten.
Ich überrasche meine Familie bei unseren Wanderungen immer wieder gerne und erzähle ihnen selten, was genau sie erwartet. So bleibt der Moment des Erlebens umso intensiver – und sorgt oft für kleine Abenteuer und viel Gelächter. Für diese Wanderung habe ich vorsorglich Regenschirme in meinen Rucksack gepackt, und schon bald wird klar, warum sie eine gute Idee sind.
Wir nähern uns einem kleinen Wasserfall, der je nach Wasserstand entweder nur neben dem Wanderweg landet oder direkt darüber hinabstürzt. Die Steine und Platten sind hier immer feucht und daher extrem rutschig, doch mit etwas Vorsicht lässt sich der Abschnitt problemlos meistern. Meine Familie und ich huschen unter dem Wasserfall hindurch, lachen über die kühle Gischt, die uns trifft, und genießen das spritzige Abenteuer mitten in der Natur.
Es macht großen Spaß zu beobachten, wie andere Wanderer versuchen, trocken zu bleiben oder besonders vorsichtig durch den Wasserfall zu kommen – manche springen mutig durch die Gischt, andere tasten sich zögerlich vor. Wir probieren unterschiedliche Strategien aus, rutschen ein wenig, wischen uns Wasser aus den Augen und lachen über die kleinen Missgeschicke. Besonders die Kinder haben ihren Spaß daran, nass zu werden und die ungewohnte Erfahrung des Wasserfalls hautnah zu erleben.
Die Umgebung rund um den Wasserfall ist märchenhaft: moosbewachsene Felsen, tropfende Farne und glitzernde Wassertropfen überall. Der Weg wirkt hier wie eine kleine, geheime Welt, in der jeder Schritt und jede Bewegung Teil des Abenteuers ist. Wer die Wanderung macht, sollte sich also nicht scheuen, sich ein bisschen nassspritzen zu lassen – es gehört einfach dazu und macht die Levada-Erfahrung noch lebendiger.
Nach weiteren 10 Minuten erreichen wir den Ribeiro Bonito (575m). Dieser Wildbach speist die Levada und wir können hier sehen, wie er sich durch eine Schlucht schlängelt. Durch ein schmales Tal kommend, wird das Wasser bei einem Betonbauwerk fast vollständig in die Levada abgeleitet. In dem malerischen Regenwald laden dicke Mauern und große Steine zu einer Pause ein. Wir suchen noch einen hier versteckten Cache, legen einen kurzen Trinkstopp ein und machen uns dann auf den Rückweg entlang der gleichen Route.
Am Ende der Wanderung legen wir noch einen kurzen Stopp im Café ein. Hier wurde ein toller Garten mit einem Teich angelegt und es werden kleine Snacks und Getränke verkauft.
Anreise: Nur mit Mietwagen/Taxi möglich. Vorher genau auf der Karte schauen, wo der Start ist, damit du dich nicht verfährst.
Unterkunft: Wir haben in Santana in einer empfehlenswerten Ferienwohnung übernachtet. Von dort ist es mit dem Auto nicht weit zum Start der Wanderung.
Verpflegung: Ca. 1 l Wasser pro Person. Wasser kann unterwegs nicht aufgefüllt werden. Da die Wanderung grösstenteils im Schatten verläuft, benötigt man nicht allzu viel Wasser. Beim Start der Wanderung befindet sich ein kleines Café, welches Snacks und Getränke verkauft.
Schuhe: Benötigt nicht zwingend Wanderschuhe. Turnschuhe mit gutem Profil ausreichend. Nach starken Regenfällen empfehlen sich aber Wanderschuhe für die Durchquerung des Wasserfalls.
Wetter: Wanderung ist auch bei Regen möglich, da sie vorwiegend im Wald verläuft. Beim Wasserfall dann ggf. entscheiden, ob man diesen bei Regen durchqueren kann oder nicht.
ECKDATEN
| Dauer | 2:30 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 40 hm ↘ 40 hm |
| Länge | 9.7 km |
| Schwierigkeit | einfach |
| Lage | Santana (Madeira) |
| Genaue Route | Quebradas – Levada do Rei – Retour |
| Tour durchgeführt im | Mai 2023 |
| Geeignet für Kinder | Problemlos. Diese Wanderung kann mit Kindern jeden Alters gemacht werden. Unterm Wasserfall rutschig – man kann das Kind aber gut an die Hand nehmen. |
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