Schluchtensteig Etappe 2: Wutachmühle – Lenzkirch

Schluchtensteig Etappe 2: Wutachmühle – Lenzkirch

schwer |  9 h | 28.7 km | ↑ 883 Hm ↓ 634 Hm

[Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Schwarzwald Tourismus]

Die spektakulärste Etappe des Schluchtensteigs führt tief hinein in die Wutachschlucht. Auf felsigen Steigen geht es durch das wild zerklüftete Naturwunder und du wirst aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Du befindest dich in einer der letzten ursprünglichen Wildwasserlandschaften Europas. Auch die darauffolgende Haslachschlucht ist einmalig und wild. Der Wanderweg führt fast durchgängig direkt am oder nebem dem Wasser der Wutach und ist überaus spannend angelegt. Zwischendrin muss immer wieder eine Leiter überwunden werden oder kann man sich an einem Sicherungsseil festhalten. Trittsicherheit, gutes Schuhwerk und die notwendige Vorsicht sind hier ein Muss, da der Weg teilweise alpinen Charakter aufweist. Bei nassem Wetter empfiehlt es sich, Wanderstöcke mitzunehmen.

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Den Busfahrplan in Bonndorf zu verstehen, ist eine echt Herausforderung. Ich würde gerne so früh wie möglich los, um vor dem Ansturm der anderen Wanderer in der Schlucht zu sein. Leider ist aus dem Fahrplan aber nicht ersichtlich, wann der Bus fahren wird. Auch online bekomme ich unterschiedliche Informationen. So versuche ich mein Glück und stehe 10 Minuten vor der offiziellen Abfahrtzeit eines potentiellen Busses an der Haltestelle. Dort frag ich den Fahrer des nächsten Busses, der vorbeifährt und der mich glücklicherweise bis Ewattingen mitnehmen kann. Das passt ja, von dort kann ich in 1,5km zum Start laufen. Ich komme mit dem Busfahrer ins Plaudern (alle getroffenen Busfahrer sind unglaublich freundlich und nett gewesen!) und er informiert mich, dass ich sogar einen Anschluss bis zur Wutachschlucht habe. So komme ich bereits um 8:30 Uhr an der Wutachmühle an und kann dort mutterseelenallein loswandern. Die nächste Stunde werde ich komplett alleine unterwegs sein und ich geniesse das ungemein. Bei dieser Etappe lohnt es sich, so früh wie möglich loszulaufen, um die Einsamkeit der frühen Stunde geniessen zu können.

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Entlang des Bühlerwegs geht es anfänglich durch einen schattigen Wald in die langsam enger werdende Schlucht. Auch hier befinden sich wieder zahlreiche Schilder, die den Wanderer auf die Gefahren aufmerksam machen. Je länger ich laufe, umso näher rücken die Felswände der Schlucht an die Wutach heran. Der Wanderweg führt vorbei am Kanadiersteg – einer schönen, gedeckten Holzbrücke, welche die Wutach überquert. Ich bleibe jedoch auf der linken Flussseite und laufe immer weiter in die Schlucht hinein. 

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Ab hier führt der Wanderweg direkt am Ufer der Wutach entlang und ist toll angelegt. Immer breit genug, gelegentlich matschig, aber nie rutschig, ist es ein Genuss, frühmorgens ganz alleine dieses Naturwunder bewundern zu dürfen.

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Mittlerweile ragen die Felsen bis zu 80m links von mir empor. Im Lauf der Jahrtausende hat der Fluss sich immer tiefer ins Flussbett eingegraben und dieses ausgeschottert.  Grundlegende geologische Prozesse wie Verwitterung, Erosion und Sedimentation lassen sich hier unmittelbar beobachten.

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Es kommt das wohl eindrücklichste Fotomotiv der bisherigen Wanderung – eine langgezogene Felswand. In diesem felsigen Flussboden kann man den Wutachaustritt bestaunen. Hier sprudelt das Wasser der Wutach aus dem Felsen, nachdem es etwa drei Kilometer weiter oben bei der Wutachversickerung in den karstigen Untergrund gelangt ist und durch Röhren und Höhlen bis zu diesem Punkt geflossen ist. Ich geniesse diesen Abschnitt und hüpfe von Stein zu Stein. Später komme ich mit einer Wanderin ins Gespräch, die hier fast umgekehrt wäre, da ihr dieser Abschnitt zu anspruchsvoll war. Es gibt einen ca. 75cm langen Schritt, den man machen muss, um ein Loch im Felsen zu überwinden. Dieses ist mit einem Handlauf auf der linken Seite versehen und gibt den Wanderern dadurch mehr Sicherheit. Des einen Schlüsselstelle ist des anderen Genussstelle und so laufen wir plaudernd weiter.

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Bald schon folgen weitere Drahtseilsicherungen und es fühlt sich wie in den Alpen an. Dies wird abgeschlossen mit einer weiteren spannenden Leiter. Für Hunde könnte diese jedoch problematisch werden, da diese mit Drahtgitter versehen ist, welches einige Hunde gar nicht mögen.

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Und plötzlich stehe ich vor einem sehr bekannten Fotomotiv – dem Amselfelsen. Dieses Bild schmückt viele Wanderführer und es ist ein komisches Gefühl, wenn man plötzlich mutterseelenallein vor diesem Naturwunder steht. Senkrecht fällt die Felsformation in die Wutach hinein und dies ist ein perfektes Plätzchen für eine Pause.

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Hinter dem Amselfelsen geht es alpin weiter und ein Felsvorsprung wird mit einer weiteren Leiter und Holzsteg überwunden. Ich wandere weiter auf einem exponierten Pfad hoch über der Wutach durch die enge Schlucht. Seilsicherungen helfen bei Höhenangst und auch Wanderanfängern. Besonders beeindruckend sind hier die atemberaubenden Ausblicke ins Tal der Wutach.

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Der Weg führt wieder zum Fluss zurück und zu einer weiteren Wanderhütte (Schurhammer Hütte). Diese wurde 1962 zur Erinnerung an den „Vater des Naturschutzgebietes Wutach-Gauchach Schlucht“ erbaut.

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Direkt am Weg stürzt der stark bemooste Thannegger Wasserfall in die Wutach und ist ein tolles Fotomotiv. Stell dich unbedingt unter den Felsen – du kommst dir so vor, als ob du mit einem Regenschirm unter einer Dusche stehst und ein paar Spritzer abbekommst.

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Hinter dem Wasserfall wird der schmale Uferpfad breiter und führt nach einem weiteren Kilometer zur Kapelle von Bad Boll. Die in den 1880er Jahren errichtete Badkapelle ist das einzige noch erhaltene Gebäude des ehemals bedeutenden Waldkurorts aus der Gründerzeit. Damals zogen das Trink- und Badewasser sowie die begehrten Wutach-Forellen sogar Winston Churchill in das damals sehr angesehene Kurbad.

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Die Wutach verwandelt sich in ein ruhiges, leicht fliessendes Gewässer. Mit Kindern kann man hier die perfekte Pause einlegen, um ein paar Steine springen zu lassen oder sogar die Füsse ins Wasser zu halten. Die Wutach wird ein weiteres Mal auf dem Fritz-Hockenjos-Steg überquert und der Weg geht hinter der Dietfurtbrücke mit leichter Steigung weiter auf der rechten Seite der Wutach.

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Ich gelange zum nächsten Highlight der heutigen Etappe – dem Dietfurter Wasserfall. Über stark bemooste Felsen ergießt sich ein Bach, dessen Wasser wie ein Vorhang herabrieselt. Man bezeichnet dieses Phänomen als Schleierwasserfall. Auch hier scheint das Wasser aus dem Nichts zu kommen. Der Wasserfall zählt verständlicherweise zu einem der beliebtesten Fotomotive der Wutachschlucht.

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Ich verlasse die Schlucht und gelange zum ersten Etappenziel des heutigen Tages – der Schattenmühle. Diese bietet neben einem Restaurant auch Gästezimmer. Wer hier übernachtet, sollte unbedingt einen Abstecher in die Lotenbachklamm einplanen. Bei meiner heutigen Tour habe ich einen kurzen 30-minütigen Abstecher bis zum ersten grossen Wasserfall gemacht, wäre aber gerne noch weitergelaufen.

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In der Schattenmühle gibt es zudem eine grosse Terrasse und eine umfangreiche Speisekarte. Als ich mir dann den Kaiserschmarren ausgesucht habe, wird mir mitgeteilt, dass die Küche heute geschlossen ist. So ärgerlich, da draussen kein Schild war und ich mich nun schon darauf gefreut hatte. So hole ich mein mitgebrachtes Sandwich raus und setze mich gegenüber des Restaurants in den Schatten, um zu picknicken. Lange Zeit für eine Pause bleibt leider auch nicht, da ich heute mit fast 30 Kilometern die längste Tagesetappe vor mir habe. Der Weg führt leicht bergauf zum ehemaligen Göschweiler Schwimmbad und dann zum versteckt liegenden „Räuberschlössle“. An diesem wäre ich glatt vorbeigelaufen, wenn da nicht ein Geocache liegen würde. Der 1-minütige Abstecher lohnt sich aber ungemein, da man von diesem kleinen Areal einen tollen Tiefblick hat und man hier auch perfekt eine Pause einlegen kann. Hier befinden sich nämlich leicht verborgen die Ruinen der Burg Neu-Blumberg  auf dem 80 Meter hohen Nägelefelsen, der sich links des Weges hoch über der Wutachschlucht erhebt.

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Ab hier wird die Wanderung wieder etwas sportlicher und auch die Pfade wieder schmaler. Ich bin in der heute fast menschenleeren Haslachschlucht angelangt und nach einem kurzen Aufstieg zu einem Aussichtspunkt am Rechenfelsen führt der Weg direkt am Ufer der Haslach entlang. Die Blicke auf das Porphyrgestein direkt auf Uferhöhe ist sehr eindrücklich und man sieht, mit welchen Naturgewalten sich der Fluss hier durch den Fels gearbeitet hat.

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So wunderschön der Weg durch die Schlucht ist, macht sich langsam doch die Müdigkeit bemerkbar – mittlerweile bin ich seit über 9 Stunden unterwegs und fast unentwegt gelaufen. Es geht weiter zum 30 Meter hohe Höllochfelsen – einem weiteren Aussichtsfelsen der Haslachschlucht.

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Es folgt ein steiler Wanderweg, der den Hang hinabführt und auf einen breiteren Wanderweg mündet. An der Trasse des stillgelegten Bahnhofs „Kappel Gutachbrücke – Bonndorf“ erreiche ich den bekannten Bähnle-Radweg. Wer jetzt noch Energie für einen kleinen Abstecher hat, dem sei der Besuch des Roodbach Wasserfalls empfohlen. Ab hier wünsche ich mir auch ein Fahrrad, das mich die letzten Kilometer bis zum Zentrum von Lenzkirch fahren würde. Sehr erschöpft erreiche ich dann den Ortsrand von Lenzkirch und mache im Zentrum noch einen kurzen Abstecher zum Supermarkt, um mich für die nächsten Tage mit Snacks einzudecken.

Ich checke im empfehlenswerten, rustikalen Hotel Adler Post mit seiner wunderschönen Fassade ein und fühle mich um 40 Jahre zurückversetzt. Es gibt hier soviel an Dekoration zu bestaunen, dass ich sogar die alte Wanduhr meiner Eltern an der Wand entdecke.

Abends esse ich eine Kleinigkeit auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Dort hat eine syrische Familie einen kleinen Imbiss eröffnet (Falafel Al Joud) und bietet dort selbstgemachte syrische Spezialitäten an. Die Falafel werden frisch zubereitet und mit feiner Sesamsosse und frischem Gemüse in einem Wrap verpackt.

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Verpflegung unterwegs Etappe 2: Ich empfehle, 1,5l Wasser mitzunehmen, da die Flasche erst an der Schattenmühle aufgefüllt werden kann (als Gast kann man das WC benutzen). Zudem kann man dort auch ein Getränk auf der Terrasse bestellen und ggf. auch was essen. Aus Zeitgründen würde ich bei dieser Etappe jedoch ein Picknick mitnehmen, da es ein langer Tag ist und man den ganzen Tag für die Wanderung benötigt. Picknickmöglichkeiten gibt es unterwegs genügend.

Unterwegs gibt es keine weiteren Möglichkeiten, um Wasser aufzufüllen oder einzukehren.

ECKDATEN

Dauer 9 Stunden
Höhenunterschied↗ 883m ↘ 634 m
Länge28.7 km
Schwierigkeittechnisch: mittel, konditionell: sehr schwerz
LageSchwarzwald, Deutschland
Genaue RouteWutachmühle – Schattenmühle – Lenzkirch
Tour durchgeführt imMai 2024
Geeignet für KinderNur als Teiletappe. Am besten die Etappe von der Wutachmühle zur Schattenmühle nehmen. Super mit Kindern geeignet!
HotelempfehlungGasthaus Adler-Post (Lenzkirch)
BuchempfehlungWanderführer Schluchtensteig (Hikeline)

Offenlegung: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Schwarzwaldtourismus entstanden. Meine Meinung, Ansichten und Tipps bleiben davon unbeeinflusst, der Tourismusverband hat keinerlei Vorgaben zur Berichterstattung gemacht.

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