Muottas Muragl – Lej Muragl: Einsame Schneeschuhtour oberhalb von Pontresina
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WT2
291m
1023m
03:10
Dez-Mär
9.4km
Die Schneeschuhtour startet an der Bergstation Muottas Muragl oberhalb von Punt Muragl im Oberengadin. Von hier führt die Route zunächst entlang eines präparierten Winterwanderwegs leicht bergab. Dieser dient vor allem als einfacher Einstieg und Orientierung, bevor es ins ungespurte Gelände geht.
Nach kurzer Zeit verlasse ich den Winterwanderweg und halte Richtung Lej Muragl. Ab diesem Punkt verläuft die Tour weglos über offene Hänge und flachere Mulden unterhalb des Piz Muragl. Mehrere Hangquerungen erfordern eine sorgfältige Routenwahl, da das Gelände stellenweise steiler wird. Der Lej Muragl liegt in einer geschützten Senke und ist im Winter vollständig zugeschneit.
Vom See aus geht es ohne Gipfelziel direkt in den Abstieg. Die Route führt über freies Gelände talwärts, bis weiter unten erneut ein Winterwanderweg erreicht wird. Dieser begleitet den letzten Abschnitt hinunter zur Tal- und Zugstation Punt Muragl und bildet den Abschluss der Tour.
Bergstation mit weiter Aussicht
Die Bergstation Muottas Muragl liegt auf rund 2.454 Metern Höhe und ist mit der Standseilbahn von Punt Muragl erreichbar. Bereits hier öffnet sich der Blick weit über das Oberengadin mit dem Silvaplaner- und Silsersee sowie den Gipfeln der Berninagruppe im Süden.
Rund um die Bergstation ist die winterliche Infrastruktur gut ausgebaut. Mehrere Winterwanderwege und markierte Routen erschliessen das Gebiet. Gleichzeitig lassen sich von hier schnell ruhigere Bereiche erreichen, sobald man die präparierten Wege verlässt.
Sanfter Einstieg auf gespurtem Untergrund
Zu Beginn folge ich dem präparierten Winterwanderweg, der leicht abfallend vom Gipfelbereich wegführt. Der Weg ist breit, gut gespurt und eignet sich problemlos für Schneeschuhe.
Rund um die Bergstation Muottas Muragl sind mehrere Kunstwerke in die Landschaft integriert, die den Berg als Ort der Inspiration thematisieren. Entlang des sogenannten Senda d’Inspiraziun befassen sich Skulpturen und Installationen mit Natur, Licht und Wahrnehmung und greifen zugleich die kulturgeschichtliche Bedeutung des Ortes auf. Die Werke stehen nicht direkt auf der Schneeschuhroute zum Lej Muragl, sind aber vom Ausgangspunkt der Tour aus sichtbar und prägen das Umfeld.
Die Steigung ist gering, technische Schwierigkeiten gibt es auf diesem Abschnitt keine. Der feste Untergrund erlaubt ein zügiges Gehen und bietet Gelegenheit, sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Spuren von Winterwanderern sind deutlich sichtbar.
Abseits der markierten Route
Nach kurzer Zeit verlasse ich den gespurten Winterwanderweg. Mit dem Schritt ins ungespurte Gelände verändert sich der Charakter der Tour deutlich. Die Spuren enden abrupt, und vor mir liegt eine weitgehend unberührte Schneedecke.
Ab hier muss ich selbst spuren. Das Gelände steigt leicht an und führt über offene Flächen sowie sanfte Mulden. Der Schnee ist gleichmässig verteilt, stellenweise weich, ohne ausgeprägte Verwehungen. Die Orientierung bleibt einfach, da der Piz Muragl als markanter Bezugspunkt stets präsent ist.
Konzentration in steileren Passagen
Im weiteren Verlauf quert die Route mehrere Hänge, die stellenweise deutlich steiler sind. Technisch sind diese Passagen nicht schwierig, erfordern aber eine saubere Spurwahl und Aufmerksamkeit. Der Hang fällt teilweise steil ab, was ein kontrolliertes Gehen notwendig macht.
Ich halte bewusst Abstand zu steileren Geländekanten und wähle Linien, die möglichst gleichmässig verlaufen. Lawinentechnisch wirkt die Situation stabil, dennoch bleibt das Gelände anspruchsvoller als die ersten Kilometer. Alleine unterwegs zu sein, verstärkt die Notwendigkeit, defensiv zu planen und unnötige Risiken zu vermeiden.
Verzicht auf das ursprüngliche Gipfelziel
Während der Querungen öffnet sich der Blick immer wieder Richtung Piz Muragl. Der Gipfel ist von hier gut einsehbar und wirkt grundsätzlich erreichbar. Ursprünglich hatte ich geplant, vom Bereich des Lej Muragl weiter aufzusteigen.
Mit zunehmender Distanz zu den präparierten Wegen und angesichts der Hangneigungen entscheide ich mich jedoch dagegen. Alleine unterwegs möchte ich kein zusätzliches Risiko eingehen. Die Tour bietet auch ohne Gipfelziel genügend Abwechslung und landschaftliche Eindrücke.
Zugeschneiter See in geschützter Lage
Der Lej Muragl liegt unterhalb des Piz Muragl in einer flachen, geschützten Mulde. Im Winter ist der See vollständig zugeschneit und nur anhand der Topografie erkennbar. Die Oberfläche ist eben und gleichmässig weiss, ohne sichtbare Strukturen.
Ich quere den Bereich in einem weiten Bogen und halte mich nicht länger im Zentrum der Senke auf. Auch wenn der See in dieser Höhenlage im Hochwinter in der Regel gut gefroren ist, bleibt ein Restrisiko, so dass ich den notwendigen Abstand zum See halte. Die umliegenden Hänge schirmen den Ort ab und sorgen für eine ruhige, abgeschiedene Atmosphäre.
Ruhe abseits der bekannten Routen
Zwischen dem Verlassen des Winterwanderwegs und dem Erreichen des Lej Muragl bin ich vollständig alleine unterwegs. Es gibt keine frischen Spuren von Schneeschuhen oder Skitouren.
Diese Abgeschiedenheit prägt die Tour deutlich. Trotz der Nähe zu einem bekannten Ausflugsziel wirkt das Gelände ruhig und wenig begangen. Der Übergang von touristischer Infrastruktur zu unberührtem Wintergelände erfolgt hier innerhalb kurzer Distanz.
Weglos talwärts
Vom Lej Muragl aus beginne ich den Abstieg Richtung Punt Muragl. Zunächst geht es weiterhin weglos durch offenes Gelände. Die Hänge sind mässig steil und lassen sich gut mit Schneeschuhen begehen. Gelegentlich treffe ich auf die eine oder andere Spur, aber keine durchgehende.
Die Orientierung ist einfach, da sich das Gelände nach unten hin zunehmend öffnet und die Talrichtung klar vorgegeben ist. Dennoch ist Aufmerksamkeit gefragt, um ungünstige Querungen oder zu steiles Gelände zu vermeiden.
Erste Begegnungen des Tages
Weiter unten treffe ich wieder auf einen präparierten Winterwanderweg. Mit dem Wechsel auf den festen Untergrund verändert sich auch die Umgebung. Mir kommen mehrere Winterwanderer entgegen, die von der Talstation aus unterwegs sind.
Nach der langen Einsamkeit wirkt der Betrieb auffällig, aber nicht störend. Der Kontrast zwischen den ruhigen oberen Abschnitten und dem belebteren Talbereich ist deutlich spürbar.
Einfacher Abschluss der Tour
Der letzte Teil der Route folgt dem Winterwanderweg bis zur Tal- und Zugstation Punt Muragl. Der Weg ist gut präpariert, breit angelegt und technisch problemlos.
Nach dem ungespurten Gelände zuvor lässt sich dieser Abschnitt zügig zurücklegen. Die Tour endet am Bahnhof Punt Muragl. Da dieser Bahnhof am Nachmittag im Schatten liegt, lohnt es sich, vorher die Abfahrtzeiten herauszufinden, um nicht allzu lange dort ausharren zu müssen.
Tipp: Du kannst von der Bergstation Muottas Muragl zum Lej Muragl laufen und von dort auf dem gleichen Weg zurück, um die Tour abzukürzen und wenn du dich im Abstiegsgelände unsicher fühlen solltest. Beachte jedoch, dass die Preise für die Bergbahn Muottas Muragl eher im oberen Bereich angesiedelt sind.
Übernachtungstipp: Wenn du dich mal so richtig verwöhnen lassen möchtest und einen herrlichen Sonnenauf- und -untergang erleben möchtest, dann kann ich dir das Romantik Hotel Muottas Muragl sehr ans Herz legen. Der Ausblick auf St. Moritz und das Engadin ist wahrhaft atemberaubend!
Bist du an weiteren Schneeschuhtouren in Graubünden interessiert? Oder interessieren dich Schneeschuhtouren in der Umgebung von Zürich? Dann bist du hier genau richtig und kannst am besten noch ein wenig weiterschökern;-)
ECKDATEN
| Dauer | 3:10 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 291m ↘ 1023m |
| Länge | 9.4 km |
| Schwierigkeit | Sportlich, WT3 |
| Lage | Kanton Graubünden |
| Genaue Route | Muoattas Muragl – Lej Muragl – |
| Tour durchgeführt im | Januar 2025 |
| Geeignet für Kinder | Mit jüngeren Kindern kann man perfekt die markierte Schneeschuhtour unternehmen. Mit Teenagern durchaus diese Tour. Route vorher genau planen, um von Lawinenhängen fernzubleiben. |
| Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der Schweiz | Das grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz |