Granitwelten und Gletscherblicke – unterwegs zur Lauteraarhütte

Granitwelten und Gletscherblicke – unterwegs zur Lauteraarhütte

trekking

T2

1057m

1057m

07:15

Jun-Okt

21.4km

Die Wanderung vom Grimsel Hospiz zur Lauteraarhütte führt über rund vier bis vierhalb Stunden durch abwechslungsreiche Hochgebirgslandschaft mit Gletschern, Seen und Hochmooren. Sie ist als T2 klassifiziert, verlangt Trittsicherheit und Ausdauer, bietet dafür aber schöne Wege, wenig Begegnungen mit anderen Wanderern und spektakuläre Aussichten auf die Berner Alpen. Die kleine Lauteraarhütte auf einem Felssporn über dem Unteraargletscher dient als Zielpunkt und lässt sich bei einer Tagestour kurz für eine Rast nutzen.

wanderung_lauteraarhütte_
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An einem Sonntag fahre ich von Zürich aus mit dem Postauto über Meiringen zum Grimsel Hospiz. Die Straße windet sich durch Serpentinen, vorbei an steilen Felswänden und Wasserfällen, während sich das Tal immer weiter öffnet. Schon während der Fahrt spüre ich, dass der Tag klar bleibt und sich für eine Wanderung eignet. Ich kenne die Strecke mit dem Postauto bereits, da ich die anderen SAC-Hütten der Region bereits besucht habe. Zuerst fährt das Postauto am Wanderweg zur Gelmerbahn und Gelmerhütte vorbei, dann an der Abzweigung zur Bächlitalhütte und dann zum Grimsel-Stausee. Ich fahre heute bis zur Haltestelle Grimsel Summerloch – unbedingt an der richtigen Haltestelle aussteigen, damit man nicht zur falschen Hütten läuft! 

wanderung_lauteraarhütte_
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Da es eine mehrjährige Baustelle am Grimsel-Stausee hat, führt der Wanderweg nicht über die Staumauer, sondern auf einem Alternativweg mit leichtem Höhenverlust an der rechten Seite der Staumauer entlang. 

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Die Route ist als T2 eingestuft, Trittsicherheit ist nötig, und festes Schuhwerk ist sinnvoll. Nach einem kurzen, aber knackigen Aufstieg erreiche ich die Höhe vom Stausee und beginne die eigentliche Wanderung. Der Weg führt durch einen kurzen, dunklen Tunnel, der in den Fels gehauen ist. Das Licht draußen ist klar, das Wasser des Sees glitzert, und die Berge spiegeln sich darin. Ich gehe langsam los, halte zwischendurch kurz an, um die Aussicht zu genießen, aber lange Pausen sind nicht möglich. Da ich mit den Öffentlichen unterwegs bin, habe ich knapp 7:30 Stunden Zeit für die gesamte Strecke zur Hütte und wieder zurück. Bei Swisstopo ist die Wanderung mit 7:15 Stunden angegeben, so dass ich mich beeilen muss, da ich meist nur wenig schneller als die Zeitvorgaben der App bin. 

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Während der Weg anfänglich doch eher schmal und ausgesetzt war und mir schon ein wenig Herzklopfen bereitet hat (ich habe leichte Höhenangst), wird er bald breiter und sehr angenehm zu laufen. Es geht immer mal wieder bergauf, dann bergab – häufig auf herrlich angelegten Treppen. Der Weg ist wirklich top gepflegt und in Stand gehalten – ein Hoch auf das Hüttenteam und die Freiwilligen, die sich um den Weg kümmern. 

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Nach dem See verändert sich die Landschaft. Das Gletschervorfeld des Unteraargletschers liegt vor mir. Die junge Aare fließt durch das Tal, geformt von den Jahrtausenden des Gletscherschwunds. Der Pfad steigt kontinuierlich, über lose Steine und auf schmalen Passagen, die Trittsicherheit erfordern. Ich gehe Schritt für Schritt, schaue immer wieder zurück auf den Grimselsee und die Staumauer, die inzwischen kleiner wirkt. Vor mir zeichnen sich die Gipfel von Finsteraarhorn, Lauteraarhorn und Schreckhorn ab. Die Sonne taucht alles in klares Licht, das den Kontrast zwischen Fels, Eis und Wasser deutlich macht. Ich genieße die Sicht, auch wenn die Zeit knapp ist.

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Der Aufstieg zieht sich über mehrere Stunden. Insgesamt dauert es knapp vier Stunden, bis ich die Lauteraarhütte erreiche. Ich passiere die Ausläufer vom Unteraargletscher, der sich riesig neben dem Wanderweg auftürmt. Zu nah sollte man hier nicht rangehen, da immer wieder Steine hinabrutschen. Der letzte Aufstieg zur Hütte ist sehr steil und will nicht enden. 

Die Hütte liegt auf einem Felssporn über dem Unteraargletscher und wirkt klein und ursprünglich. Sie wird von der SAC-Sektion Zofingen betrieben und bietet etwa 30 Schlafplätze, dazu einen Winterraum.

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Sehr freundlich werde ich vom Hüttenwart begrüsst, der mich auch gleich bedient und mir einen selbstgemachten Eistee bringt. Auf der Terrasse halte ich kurz an, beobachte den Gletscher und die umliegenden Berge und nehme die Stille der Umgebung wahr. Gämsen lassen sich mit etwas Glück auf den Felsen blicken. Meine Zeit reicht für einen Zwischenstopp an einem der Steintische mit einem prächtigen Blick auf die Bergwelt. 

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Am Nachbartisch sitzen 2 Frauen und 1 Mann, der mir doch irgendwie bekannt vorkommt. Na klar, dass ist der Bergführer, der den esa-Wanderleiter-Kurs gegeben hat und mit welchem ich später noch eine Schneeschuhtour in Grindelwald aufs Reeti unternommen habe. Wie klein doch die Schweiz immer wieder ist! Er erinnert sich zwar nicht an mich, aber wir plaudern kurz, bevor ich ins Tal absteige. 

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Der Rückweg verläuft auf denselben Pfaden. Der Abstieg ist einfacher als der Aufstieg, trotzdem bleibt Vorsicht geboten. Lose Steine und schmale Passagen erfordern Aufmerksamkeit, besonders wenn man den Rhythmus hochhält, um rechtzeitig zurückzukommen. Meine Wanderung bleibt weiterhin ein Wettlauf mit der Zeit und ich gönne mir nur sehr kurze Trinkpausen. Nun ja, so ist das, wenn man halt diesen Traum hat, alle SAC-Hütten zu besuchen und irgendwie auch ohne 2-Tages-Touren mit Übernachtungen ans Ziel kommen möchte. 

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Beim Abstieg kommen mir nur ein paar Bergsteiger entgegen, die für eine Tour am nächsten Tag aufsteigen. Die ausgesetzten Pfade am See sind beim Rückweg überhaupt kein Problem mehr – mittlerweile bin ich auch gut eingelaufen und hab mich auch an schmale Passagen gewöhnt. Beim Rückweg erinnert mich der Stausee doch sehr an einen norwegischen Fjord und Erinnerungen an unseren Sommerurlaub kommen hoch, da wir gerade erst vor 2 Wochen aus Norwegen zurückgekommen sind. 

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Die Wanderung ist lang und fordert Kondition. Sie verlangt über 1000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg und immerhin knapp 22km.  Ausdauer, Durchhaltewille und Trittsicherheit sind notwendig, besonders auf den ausgesetzten Passagen. Das Wetter kann in den Bergen schnell umschlagen, daher ist Sonnenschutz, ausreichend Wasser und etwas Proviant unverzichtbar. Wer die Wanderung entspannter gestalten möchte, kann in der Lauteraarhütte übernachten oder die An- und Abreise mit dem Auot planen. Für Tageswanderer mit konditionellen Voraussetzungen ist die Strecke jedoch gut machbar.

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Diese Wanderung ist ein Beispiel für die Art von Erlebnissen, die ich dir auf Off-the-Trail vorstelle: Tageswanderungen, die abseits bekannter Pfade liegen, sich durch gut markierte Wege und eindrückliche Landschaft auszeichnen, aber keine extreme alpine Erfahrung erfordern. 

Und ja, ich erreiche ca. 15 Minuten vor Abfahrt die Postautohaltestelle! So habe ich erstmal Zeit für mein Mittagessen, welches ich bereits den ganzen Tag mit mir rumgetragen habe – das habe ich mir auch verdient! Wenn du die Tour auch als Tagestour unternommen hast, schreib mir deine Erfahrung gerne in die Kommentare. 

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ECKDATEN

Dauer7:15 Stunden
Länge21.4 km
Höhenunterschied↗ 1057m ↘ 1057m
SchwierigkeitT2
LageKanton Bern
Tour durchgeführt imAugust 2025
Geeignet für KinderMit Übernachtung für ausdauernde Kinder ab ca. 8 Jahre geeignet. Tour anfangs leicht ausgesetzt, dann problemlos. Am Ende steiler Aufstieg.
Genaue RouteGrimsel Summerloch – Lauteraarhütte – Grimsel Summerloch
Geeignet für KinderwagenNein
Geeignet für HundeJa
BuchempfehlungRother Wanderführer Berner Oberland

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