WT2
878m
494m
5:25
Dez-Apr
11.2km
Die Schneeschuhtouren von Lehmen zum Kronberg und weiter zur Schwägalp gehören zu den bekanntesten Winterrouten im Alpstein. Beide sind für sich genommen lohnend – kombiniert ergeben sie jedoch eine lange, abwechslungsreiche Tour mit viel Weite und eindrücklichen Ausblicken. Wer nur einen Abschnitt gehen möchte, kann die Bahn am Kronberg nutzen, um Auf- oder Abstieg zu verkürzen. Wir entscheiden uns für die lange Variante – und erwischen perfekte Bedingungen.
Schon die Anreise ist ein kleines Abenteuer. Zum Startpunkt in Lehmen gelangt man mit einem Spezialbus, der vorab online reserviert werden muss. Für die Fahrt wird ein Zuschlag von fünf Franken pro Person fällig. Als wir aussteigen, liegt die Landschaft ruhig vor uns. Frischer Pulverschnee, blauer Himmel, klare Luft – genau die Mischung, die man sich wünscht.
Am Start treffen wir noch bekannte Gesichter aus der Facebook-Gruppe Hiking Buddies Schweiz. Sie sind schneller unterwegs als wir und brechen vor uns auf – und übernehmen damit unbewusst die Spurarbeit für uns. Ein echter Glücksfall an so einem Tag mit viel Neuschnee.
Der erste Abschnitt beginnt ruhig und führt durch verschneite Waldstücke langsam bergauf. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir einen der ersten besonderen Orte der Tour: die kleine Bergkapelle Ahorn. Sie liegt leicht erhöht am Weg und wirkt im Winter fast wie aus der Zeit gefallen. Eingebettet in die verschneite Landschaft ist sie ein stiller Ort, an dem man automatisch kurz innehält.
Direkt daneben liegt das Berggasthaus Ahorn – ein klassischer Zwischenstopp im Alpstein. Im Sommer ein beliebter Treffpunkt für Wanderer, im Winter deutlich ruhiger, aber nicht weniger charmant. Von hier aus öffnet sich der Blick erstmals etwas weiter ins Weissbachtal.
Ab hier wird der Weg spürbar steiler. Über offene Hänge und durch Waldpassagen zieht sich die Spur gleichmäßig nach oben. Immer wieder gibt es kurze flachere Abschnitte, doch insgesamt gewinnt man konstant an Höhe. Gerade im Pulverschnee merkt man schnell, dass dieser Abschnitt Kraft kostet.
Wir passieren weitere kleine Alpgebiete und Lichtungen, bevor sich das Gelände Richtung Scheidegg und weiter zum Kronberg öffnet. Der Aufstieg bleibt gleichmäßig, nie technisch schwierig, aber durch die Länge fordernd.
Mit zunehmender Höhe wird die Landschaft weiter. Die Blicke reichen zurück ins Tal und hinüber zu den markanten Gipfeln des Alpsteins. Kurz vor dem Kronberg wird das Gelände offener und leicht kupiert, bevor wir schließlich die Bergstation erreichen. Hier liegt auch das Berggasthaus Kronberg – ein klassischer Einkehrort mit beeindruckender Aussicht.
Mitten auf diesem Abschnitt erleben wir einen dieser Momente, die man nicht planen kann: Hoch über uns kreisen zwei Bartgeier.
Ein kurzer Blick nach oben, dann bleiben wir stehen. Die beiden ziehen ruhig ihre Kreise, scheinbar mühelos getragen von der Thermik. Mit ihrer enormen Spannweite wirken sie fast unrealistisch groß.
Dass man heute überhaupt wieder Bartgeier in den Alpen sieht, ist alles andere als selbstverständlich. Anfang des 20. Jahrhunderts waren sie hier vollständig ausgerottet. Erst durch ein internationales Wiederansiedlungsprojekt seit den 1980er-Jahren wurden sie wieder angesiedelt – mit großem Erfolg.
Heute leben wieder mehrere hundert Tiere im Alpenraum, und mit etwas Glück kann man sie – so wie wir – auch im Alpstein beobachten. Für uns ist es definitiv eines der Highlights des Tages.
Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Der zweite Abschnitt Richtung Schwägalp wirkt sofort ruhiger und ursprünglicher. Die Route verläuft nun über weite, offene Schneeflächen mit immer wieder sanften Gegenanstiegen.
Nach diesem besonderen Moment geht es weiter Richtung Schwägalp. Der Weg verläuft nun tendenziell leicht abwärts, unterbrochen von kleinen Gegenanstiegen.
Die Landschaft bleibt weit und offen. Immer wieder schweift der Blick zurück zum Kronberg oder hinüber zu den markanten Felswänden rund um den Säntis.
Der Pulverschnee macht jeden Schritt weich, aber auch anstrengend. Die Kilometer summieren sich, und langsam werden die Beine schwer. Gleichzeitig stellt sich dieses typische Gefühl ein, das man nur auf langen Touren kennt: eine Mischung aus Müdigkeit und Zufriedenheit.
Mit jedem Schritt kommen wir der Schwägalp näher. Das Licht wird weicher, die Schatten länger.
Schließlich erreichen wir die Schwägalp. Nach Stunden in der stillen Winterlandschaft wirkt der Ort fast lebendig. Menschen, Geräusche, Bewegung – ein starker Kontrast zur Ruhe unterwegs. Die Schwägalp kennen wir bereits von unserer Sommertour auf dem Säntis-Lisengrat, die hier unten mit der Seilbahnfahrt gestartet ist.
Wir drehen uns noch einmal um und schauen zurück. Von Lehmen über Ahorn und den Kronberg bis hierher – zwei Schneeschuhtouren, verbunden zu einer langen, intensiven Route.
Wer weniger Zeit hat, kann beide Touren einzeln gehen. In Kombination jedoch entsteht ein richtiger Tourentag – fordernd, abwechslungsreich und unglaublich lohnend.
Und mit diesen Bedingungen – frischer Pulverschnee, strahlender Himmel und sogar zwei Bartgeier über uns – bleibt dieser Tag genau so im Kopf, wie man sich einen perfekten Wintertag vorstellt.
| Dauer | 5:25 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 878m ↘ 494m |
| Länge | 11.2 km |
| Schwierigkeit | Konditionell anspruchsvoll, technisch einfach WT2 |
| Lage | Kanton Appenzell Innerhoden |
| Genaue Route | Berggasthaus Lehmen – Kronberg – Schwägalp |
| Tour durchgeführt im | März 2025 |
| Geeignet für Kinder | Mit Kindern am besten die Route von Kronberg zur Schwägalp planen, da kürzer und mehrheitlich bergab |
| Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der Schweiz | Das grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz |