Schneeschuhtour am Glaubenberg: Rickhubel und Fürstein ab Langis
Silvie Kommentare 0 Kommentare
WT2
680m
680m
05:15
Dez-Mär
11.6km
Die Gegend rund ums Langis ist für mich kein unbekanntes Terrain. Vom bekannten Jänzi-Panorama-Trail, der ebenfalls hier oben startet, weiß ich, wie herrlich man zwischen Moorlandschaft, Voralpenkuppen und weitem Panorama unterwegs sein kann. Der Jänzi-Trail ist eine Tour, die im Gedächtnis bleibt – landschaftlich abwechslungsreich, aussichtsreich und genau richtig, um in diese Region einzutauchen.
Heute zieht es uns jedoch in eine andere Richtung. Statt über bekannte Pfade wollen wir vom Langis hinauf auf den Rickhubel und weiter zum Fürstein – eine Runde zwischen Obwalden und Luzern, nicht markiert, aber mit guter Planung problemlos zu finden. Es ist Sonntag. Und Sonntag heißt in den Zentralschweizer Voralpen: früh los oder Geduld mitbringen.
Schon beim Losfahren wissen wir: Diese Tour verlangt ein wenig Eigeninitiative. Kein offizieller Wegweiser, der uns von A nach B schickt. Aber genau diese Mischung aus Orientierung, Weite und selbst gewählter Linie macht den Reiz aus.
Start im Langis: Erst einmal Asphalt
Wir starten beim Langis, dem Hochmoor- und Langlaufgebiet oberhalb von Sarnen. Wer hier im Winter unterwegs ist, kennt die weite, offene Landschaft, die sich wie eine Bühne vor den Voralpengipfeln ausbreitet. Heute ist es schneefrei – zumindest größtenteils. Beim Parkplatz findest du das Berghotel Langis, eine Verleihstation für Langlaufski und auch eine saubere, öffentliche Toilette.
Die ersten Meter führen uns allerdings nicht über schmale Pfade oder alpine Matten, sondern über eine Straße. Und das ziemlich lange. Sowohl am Anfang als auch am Ende zieht sich der Weg über Asphalt dahin. Eine Alternative gibt es kaum, wenn man die Runde so gehen möchte.
Wir nehmen es gelassen. Die Straße steigt moderat an, wir kommen ins Gespräch, finden unseren Rhythmus. Rechts und links öffnen sich immer wieder Blicke in die hügelige Moorlandschaft. Der Himmel ist leicht bewölkt, die Sonne blinzelt durch.
Und ja: Es ist einiges los. Wandernde, Schneeschuhgeher, Skitourengeher – Sonntag eben. Doch je weiter wir uns vom klassischen Ausflugsziel entfernen, desto mehr verläuft sich der Strom.
Abzweig ins Unmarkierte
Irgendwann verlassen wir die offensichtliche Hauptroute. Kein Wegweiser kündigt an: „Hier entlang zum Rickhubel.“ Stattdessen checken wir noch einmal die Karte, vergleichen Geländelinien und orientieren uns an markanten Geländekanten. Und folgen der Spur, die uns die korrekte Richtung weist.
Die Route ist nicht markiert, aber logisch. Wer sich vorab mit dem Verlauf beschäftigt, findet die Linie gut. Wir queren Hänge, steigen über Grasrücken höher und folgen Spuren, die andere vor uns gelegt haben. Man merkt: Ganz geheim ist diese Variante nicht. Natürlich habe ich mir einen gpx-Track vorher runtergeladen und als die Spur sich verläuft, versuchen wir dem Track zu folgen. So ganz gelingt uns das aber nicht, da dieser genau an einem Bach verläuft. Schliesslich aber führen alle Weg nach oben und so erreichen wir schon bald unseren ersten Zwischenstopp an einer Alphütte, die mit „Rick“ in der Karte eingezeichnet ist. Dort hat es sogar eine herrliche Pausenbank mit einem Wahnsinns-Panorama-Blick.
Rickhubel: Fast wie im Frühling
Der Anstieg auf den Rickhubel zieht sich, wird aber nie wirklich technisch. Schritt für Schritt gewinnen wir Höhe, und mit jedem Meter wird der Blick weiter. Hinter uns liegt das Langis-Gebiet wie eine weiche Welle, davor bauen sich die höheren Gipfel der Zentralschweiz auf. Vor uns liegt jedoch ein steiler, langgezogener Aufstieg, den man am besten in zahlreichen Kehren in Angriff nimmt, um die Waden nicht allzusehr zum Brennen zu bringen.
Oben angekommen sind wir überrascht. Statt eisigem Wind erwartet uns eine Szenerie, die eher nach März als nach Hochwinter aussieht. Die Sonne wärmt, der Boden ist stellenweise aper udn wenn der Wind nicht wäre, würden wir heute im T-Shirt hier oben sitzen.
Fast frühlingshafte Verhältnisse – auf knapp 2000 Metern. Ein paar andere Skitourengeher und Schneeschuhwanderer stehen verteilt auf dem Gipfelplateau, aber es wirkt nicht überlaufen. Jeder sucht sich seinen Platz, jeder genießt sein eigenes Stück Panorama.
Der Fürstein: Steil aus der Ferne, entspannt im Anstieg
Vom Rickhubel aus sehen wir ihn bereits: den Fürstein. Sein Gipfelaufbau wirkt von hier aus erstaunlich steil, fast ein wenig einschüchternd. Zuerst begeben wir uns auf der Rückseite des Rickhubels bergab und verlieren dadurch ein paar Höhenmeter. Es folgt ein herrlich flacher Abschnitt und bald nähern wir uns dem steilen Gipfelauschwung des Fürsteins.
Doch je näher wir kommen, desto mehr relativiert sich dieser Eindruck. Der Übergang führt über welliges Gelände, teilweise auf deutlichen Trittspuren, teilweise frei wählbar. Auch hier ist nichts markiert, aber das Gelände ist übersichtlich.
Nur kurz vor dem Gipfelaufschwung wird es spürbar steiler. Kein Klettergelände, keine ausgesetzten Passagen – aber ein Abschnitt, der Konzentration verlangt. Bei trockenen Verhältnissen ist er gut machbar, bei Neuschnee oder eisigen Verhältnissen deutlich anspruchsvoller.
Heute passen die Bedingungen. Der Boden ist griffig, die Sonne steht hoch, und wir gewinnen zügig die letzten Höhenmeter.
Gipfelbank mit Aussicht
Oben erwartet uns eine herrliche Bank mit freiem Blick in die Zentralschweizer Bergwelt. Wir setzen uns und lassen den Blick schweifen. Gipfel reiht sich an Gipfel, dahinter die Alpenkette, im Hintergrund die wärmende Sonne. Der Wind hier oben ist jedoch eisig, so dass wir unsere Mittagspause etwas später einplanen werden.
Zwischen Trubel und Einsamkeit
Was diese Tour besonders macht, ist der Wechsel. Am Ausgangspunkt und auf den klassischen Routen ist an einem Sonntag viel los. Aber auf den unmarkierten Passagen zwischen Rickhubel und Fürstein sind wir immer wieder allein.
Wir entscheiden uns für die Überschreitung vom Fürstein und laufen entlang eines breiten Grats. Direkt dahinter wird es kurz steil, aber der Schnee ist sehr griffig und der Weg gut gespurt. Viele nehmen diesen Abschnitt auch im Aufstieg, aber ich bin froh, dass wir uns für diese Tourenrichtung entschieden haben, da der steile Abschnitt vom Fürstein im Aufstieg angenehmer zu meistern ist.
Die Kapelle von Obersewen
Der lange Rückweg
Der Abstieg vom See zurück zum Ausgangsort verläuft entspannt, wir verlieren zügig an Höhe und treffen schließlich wieder auf die Straße. Und ja: Sie zieht sich.
Das letzte Stück verläuft – wie schon zu Beginn – lange auf Asphalt. Nach den weichen Schnee wirkt der harte Untergrund monoton. Doch eine echte Alternative gibt es nicht, wenn man diese Runde gehen möchte.
Also nehmen wir auch diesen Abschnitt an, schauen noch einmal zurück zu den Gipfeln und lassen den Tag ausklingen.
Tipps zur Tour
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Früh starten lohnt sich. Das Langis ist nicht nur bei Wandernden beliebt, sondern vor allem auch bei Langläufern. Gerade im Winter und an Wochenenden füllt sich der Parkplatz schnell. Wer früh da ist, spart sich Stress und startet entspannter in den Tag.
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Die Route ist nicht markiert. Gute Vorbereitung mit Karte oder GPS-Track ist wichtig.
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Bei Neuschnee oder Nässe kann der steilere Abschnitt kurz unterhalb des Fürstein-Gipfels deutlich anspruchsvoller sein.
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Die langen Straßenpassagen am Anfang und Ende lassen sich kaum vermeiden – mental darauf einstellen hilft.
Warum nicht einfach das Tour verlängern und dort oben übernachten? Im Berghotel Langis schläfst du direkt am Start der Schneeschuhtour. Am nächsten Tag kannst du gleich noch den markierten Jänzi-Trail ranhängen und kannst so zwei herrliche Touren miteinander verbinden.
Falls das Berghotel bereits ausgebucht sein sollte, schau dir Unterkünfte in Sarnen an. Von Sarnen aus bist du mit dem Auto oder auch Postauto relativ schnell in Langis und kannst dort deine Tour beginnen.
Interessierst du dich für weitere Schneeschuhtouren in der Umgebung von Zürich? Oder aber etwas weiter entfernt in Graubünden? Dann bist du hier genau richtig und kannst am besten noch ein wenig weiterlesen;-)
ECKDATEN
| Dauer | 5:30 Stunden |
| Höhenunterschied | ↗ 643m ↘ 643m |
| Länge | 14.3 km |
| Schwierigkeit | WT1 |
| Lage | Kanton Graubünden |
| Genaue Route | Klosters Platz – Klosters Dorf – Schlappin – Retour |
| Tour durchgeführt im | Januar 2026 |
| Geeignet für Kinder | Mit motivierten Kindern ab Teenageralter. Tour ist durch die zu bewältigenden Höhenmeter wohl zu anspruchsvoll für Kinder. |
| Buchempfehlung für weitere Schneeschuhtouren in der Schweiz | Das grosse Schneeschuhtourenbuch der Schweiz |